Kita-Notdienste

Das passiert wenn Kitas in Bremen geschlossen bleiben

Zahlreiche Eltern konnten ihre Kinder mehrere Tage und sogar Wochen nicht in die Kitas bringen. Der Grund: Gruppenschließungen oder Notdienste. Eltern berichten von ihren Erlebnissen und Belastungen.
17.02.2019, 19:18
Lesedauer: 3 Min
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Das passiert wenn Kitas in Bremen geschlossen bleiben
Von Lisa-Maria Röhling
Das passiert wenn Kitas in Bremen geschlossen bleiben

Durch die Krankheitswelle mussten in manchen Kitas einige Gruppen vorübergehend komplett geschlossen werden.

Frank Molter

Die Kita-Mitarbeiter treffe keine Schuld. Das betont Corinna Arzt-Sad, wenn sie von den Notdiensten im Kinder- und Familienzentrum Carl-Severing-Straße spricht. Seit Dezember habe an ungefähr 15 Tagen ein Zettel an der Tür der Kita-Bremen-Einrichtung gehangen. Damit wiesen die Mitarbeiter auf die Krankheitswelle, den Ausfall von Erziehern und den Betreuungsnotdienst hin. Die freundliche Bitte dazu: Wer die Möglichkeit habe, seine Kinder wieder mit nach Hause zu nehmen, solle das tun.

So wie Arzt-Sad erging es in den vergangenen Wochen und Monaten vielen Eltern in Bremen. Mehrere Tage und sogar ganze Wochen mussten nach Angaben des Zentralen Elternverbandes (ZEV) in einigen Stadtteilen Notdienste eingerichtet werden, weil Erzieherinnen und Erzieher krankheitsbedingt nicht arbeiten konnten. Drei Eltern berichten von den Schwierigkeiten, mit denen sie, ihre Kinder und die Erzieher zu kämpfen haben.

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Notdienst heißt im schlimmsten Fall Gruppenschließung, bei einigen Kitas werden bei Personalausfällen die Betreuungszeiten gekürzt. So war es auch in der Kita, die Arzt-Sads Kinder besuchen. Sie habe Glück gehabt, sagt die Mutter: Andere Eltern seien mit ihren Kindern direkt wieder nach Hause geschickt worden. „Ich bin berufstätig und kann deshalb den Notdienst in Anspruch nehmen.“ Doch auch das habe sie und ihren Mann vor Herausforderungen gestellt: Normalerweise seien ihre beiden Töchter, zwei und sechs Jahre alt, von acht bis 16 Uhr in Kita und Krippe untergebracht, während des Notdienstes mussten sie bereits um 14.30 Uhr abgeholt werden.

Erziehern soll es leichter gemacht werden

„Wir haben versucht, das möglich zu machen“, sagt Arzt-Sad. „Wir wollen es den Erziehern leichter machen.“ Ihr Mann habe deshalb nach Möglichkeit von zu Hause gearbeitet, sie selbst habe Überstunden abgebaut. Arzt-Sad lobt die Kita für ihren Einsatz in dieser schwierigen Zeit. Ganz anders fällt allerdings ihr Urteil darüber aus, wie die Bildungsbehörde mit dem anhaltenden Personalmangel umgehe: „Ich verstehe nicht, warum man das nicht hinbekommt.“

Schlimmer als Arzt-Sad traf es Laura Kyle, deren zwei Söhne die Kita Laubfrösche der Stiftungsresidenz Riensberg in Horn besuchen, die zum Kitaverein Hanseatenkids gehört. Die Kita-Gruppe der beiden Kinder musste krankheitsbedingt vorübergehend geschlossen werden. Sie sagt, von sechs Gruppen habe das insgesamt drei getroffen – ihre Söhne seien an sieben Werktagen Ende Januar betroffen gewesen. Für die übrigen habe die Kita einen Notdienst angeboten, allerdings mussten auch dort die Kinder bis 14.30 Uhr abgeholt werden.

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Von der Schließung habe sie durch eine Whatsapp-Gruppe erfahren, die Elternsprecher hatten um sieben Uhr morgens die Nachricht von der Schließung verbreitet. „Zum Glück funktioniert die Kommunikation mit der Kita so gut“, sagt Kyle. Eine verkürzte Betreuung konnten die Kita-Mitarbeiter nur für die Eltern organisieren, denen gar keine andere Wahl blieb. Kyle behielt ihre drei- und fünfjährigen Söhne zu Hause und arbeitete von dort aus. An anderen Tagen brachte sie die Kinder zu den Großeltern. „Das kann nicht jeder“, betont sie. Zudem sei es für die Kinder nicht gut, sie aus ihrer Routine zu reißen.

Schon im vergangenen Jahr habe es Betreuungsausfälle gegeben. „Aber nie so lange am Stück wie in diesem Jahr“, sagt Kyle. Ihr sei es wichtig, dass die Erzieher nicht für die Notlage verantwortlich gemacht werden. „Die arbeiten am Limit“, sagt sie. Von Bekannten habe sie erfahren, dass in der ganzen Stadt Notdienste laufen: „Das betrifft jede Kita.“

Krankheitswelle führte zu Notdiensten

Das bestätigt auch Torsten Nigandt: „Es sind keine Einzelfälle.“ Sein Sohn besucht eine Hemelinger Kita, in der Mitte Januar die Krankheitswelle zu Notdiensten führte. Laut Nigandt fehlten an fünf Werktagen knapp 70 Prozent der Belegschaft. In der Kita gebe es normalerweise vier Gruppen mit jeweils zwei Erziehern. Während des Notdienstes seien davon nur drei Erzieher übrig geblieben. Deswegen habe selbst die Kita-Leitung bei der Betreuung aushelfen müssen. Auch in der Kita seines Sohnes hing morgens ein Zettel an der Tür:

Die Eltern wurden gebeten, ihre Kinder nur in dringenden Fällen in die Notbetreuung zu übergeben. „Das muss man irgendwie kompensieren“, sagt der Vater. Er und seine Frau seien voll berufstätig, seine Frau müsse zudem jeden Tag nach Oldenburg pendeln. „Wir sind darauf angewiesen“, betont er. Die Kita habe alles versucht, um die Betreuung seines Sohnes zu gewährleisten. „Wir hatten keine Einschränkungen.“

Dass es immer wieder zu Notdienstes komme, erklärt Nigandt, sei schon normal. Trotzdem ist er verärgert: Nicht jeder könne seine Kinder zu Hause lassen oder bei Verwandten abgeben. Er und seine Frau kämen nicht aus Bremen, könnten den Sohn also nicht einfach zu Oma und Opa bringen. „Wir arbeiten hier, dann muss doch auch für die Betreuung gesorgt sein“, fordert er. Zudem seien die Ausfälle auch für die Kinder eine Belastung: Wie mit all diesen Ausfällen eine sinnvolle Integration oder Inklusion in den Kitas funktionieren solle, sei für ihn unklar.

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