Neujahrsempfang für Bremer Dem Bürgermeister ganz nah

Mehr als 200 Gäste kamen zum Neujahrsempfang von Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) ins Rathaus. Sie brachten Anregungen, Beschwerden und viele gute Wünsche mit.
01.01.2020, 17:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Kornelia Hattermann

Mit seinen knapp zwei Metern überragt Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) alle Gäste beim Neujahrsempfang für die Bremerinnen und Bremer im Rathaus, wie wohl meistens. Das wiederum macht es einfach, ihn in der Menschentraube zu entdecken, die ihn während dieser zwanglosen Stunde umgibt. Die wunderbare Tradition, dass jeder kommen könne, egal woher, um sich die Obere Rathaushalle anzusehen oder um mit dem Bürgermeister zu reden, habe er gern von seinen Vorgängern übernommen, sagt Bovenschulte in seiner kurzen Begrüßung. Ein „gutes, gesegnetes, fröhliches, erfolgreiches, gesundes neues Jahr“ wünscht er den mehr als 200 Gästen. „Schön, dass Sie hier sind.“

Das kommt gut an bei den Gästen aus Bremen und Umgebung, die sich in der Oberen Rathaushalle verteilen. Manche sitzen auf den Bänken an den Wänden, beobachten das Treiben, schauen sich die Details des Weltkulturerbes an oder reihen sich um den Bürgermeister ein, den viele einfach mal persönlich kennenlernen möchten. So wie Jessica Sass-Dieckmann (51), die mit ihrer Vorliebe für farbenfrohe Kleidung einen Leuchtpunkt setzt, und Andreas Dieckmann (56) aus Osterfeuerberg in Walle. Ein Bekannter gehe jedes Jahr zu dem Empfang für Bürger am Mittag des Neujahrstags, für sie sei es das erste Mal gewesen. „Ich verstehe gar nicht, warum wir das nicht schon eher gemacht haben“, sagt der Paketzusteller, und seine Ehefrau, die als persönliche Assistenz für Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen arbeitet, stimmt ihm zu. „Herzlich, freundlich und sympathisch“ sei Andreas Bovenschulte.

Der Bürgermeister nimmt viele gute Neujahrswünsche entgegen, drückt Hände und lächelt in Smartphonekameras. Ein Selfie mit Bremens Regierungschef, dafür ist auch die elfjährige Sonja Hueck mit ihrem Vater Stefan Hueck (49) gekommen. Der Sachverständige für Fotovoltaikanlagen aus Osterholz will sich als politisch interessierter Mensch ein persönliches Bild vom neuen Bürgermeister machen, der sich gern für das Foto mit der Tochter hinunterbeugt.

Etwas länger unterhält sich Amelie Thobaben (44) aus Findorff mit Bovenschulte. „Wir kennen uns über Twitter“, erklärt die Präsidentin der Psychotherapeutenkammer. Und sie habe die Gelegenheit nutzen wollen, persönlich mit Herrn Bovenschulte in Kontakt zu kommen und sich bei ihm zu bedanken. Für die Ausbildungsreform in ihrem Bereich habe er im Bundesrat seine Stimme gegeben. „Es ist ein total schönes Ritual, als Bürgerin im Rathaus empfangen zu werden“, sagt Thobaben.

Zwei befreundete Paare, die schon gemeinsam bei Raclette ins neue Jahr gefeiert haben, hatten im WESER-KURIER von dem Empfang gelesen, und sind nun das erste Mal gekommen. „Das ist es, was man an Bremen schätzt“, sagt Andreas Kristann, „die Bürgernähe, die kurzen Wege.“ Und dass man ohne aufwendige Sicherheitskontrollen dabei sein könne. Über die Schuldenfreiheit für die Städte Bremen und Bremerhaven haben sie mit dem Bürgermeister gesprochen, der ihnen die weiteren Schritte der Umschuldung auf Bundesebene erklären konnte, erzählen André und Ute Gross aus Lesum und Heike und Andreas Kristann aus Arbergen. Auch die 46 Millionen Euro für die Restaurierung der „Seute Deern“ aus Bundeskulturmitteln seien ein Thema gewesen. „Das versteht keiner.“ Kultur müsse gefördert werden, aber in so einem Fall müsse man dann vielleicht auch mal konsequent sein und sagen: „Ich schreibe mein Kulturgut ab.“

Überhaupt hätten die Vier genug Gesprächsthemen für die Dauer des ganzen Empfangs gehabt. Den Bahnverkehr beispielsweise: Der Zug aus Bremen-Nord sei pünktlich abgefahren, aber die Nordwest-Bahn ab Mahndorf sei ausgefallen, was nur am Hauptbahnhof angezeigt worden sei. „Deshalb mussten wir mit dem Auto kommen“, erzählen Heike und Andreas Kristann.

Unter den Gästen sind auch Neubremer, die Rathaus und Bürgermeister kennenlernen wollen und nach Informationen fragen, Gruppen wie die die Bürgerinitiative Platanen am Deich und Bremer, die ihre persönliche Situation und konkrete Anliegen schildern wollen. Die Büroleiterin des Bürgermeisters, Silke Harth, notiert Anregungen und Beschwerden, auch Schriftstücke bringen einige Besucher mit. Manche wollen wissen, an wen sie sich in der Verwaltung wenden können, andere hadern mit Behörden- oder Gerichtsentscheidungen. Bürgernähe bedeute, dass man den Dingen nachgehe, aber nicht suggeriere, man könne das alles lösen, betont Harth. „Wir sichern Antworten zu.“

Dass man gemeinsam Verantwortung übernehmen müsse, hebt Andreas Bovenschulte an diesem Tag hervor. Damit etwas besser oder gut werde, müssten alle dazu beitragen, Politiker alleine könnten es nicht regeln. Und es brauche auch etwas Glück, weshalb es Glückskekse beim Einlass gab. „Die unbequemste Art der Fortbewegung ist das In-sich-gehen“, liest der Bürgermeister den Spruch aus seinem Keks vor. „Nicht nur immer senden, sondern auch empfangen“ – ein passendes Motto, nicht nur für den Neujahrsempfang.

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