Neujahrsempfang der Bundeswehr Bremen

Den Heimatschutz im Fokus

Am Mittwoch lud die Bundeswehr zum Neujahrsempfang ins Rathaus. In seiner Rede verzichtete Standortkommandeur Dorfmüller auf Beschönigungen.
30.01.2019, 18:57
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Den Heimatschutz im Fokus
Von Kim Torster
Den Heimatschutz im Fokus

Neben Oberst Hans Peter Dorfmüller (rechts) gab es Grußworte von Bürgermeister Carsten Sieling.

Frank Thomas Koch

Natürlich wäre es ihm lieber, wenn über verschiedene Bundeswehrthemen positiver berichtet werden könnte, sagte Oberst Hans Peter Dorfmüller am Mittwoch auf dem Neujahrsempfang der Bundeswehr Bremen im Rathaus. Eigentlich hatte der Kommandeur des Landeskommandos Bremen gleich zu Beginn seiner Rede angekündigt, dass er über Bremen sprechen wolle. Ganz ohne ein paar Worte zur aktuellen Situation der Bundeswehr im Allgemeinen kam er aber dann doch nicht aus. Neben dem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Wehrbeauftragten erwähnte Dorfmüller auch den Einsatz der Bundeswehr im Zuge des Moorbrands in Meppen vergangenen Sommer. Dort habe man sich, so Dorfmüller, nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Dem WESER-KURIER sagte er dazu im Anschluss: „Beim nächsten Mal muss es besser laufen.“

Für Dorfmüller war es die erste Rede bei diesem Neujahrsempfang der Bundeswehr. Seit April ist er Kommandeur des Landeskommandos Bremen. Bis März war Dorfmüller im UN-Auslandseinsatz im Süd-Sudan. Sein Jahresrückblick fiel dementsprechend knapp aus: Er habe sich zunächst einen Überblick verschaffen müssen, um ein Gefühl für die Rahmenbedingungen zu bekommen.

Stärkung des Heimatschutzes

Für die Zukunft stehe nun die sogenannte Trendwende auf dem Programm. Die dürfte vor allem für die Landeskommandos wichtig werden, denn hier geht es um die Stärkung des sogenannten Heimatschutzes. Wie Dorfmüller sagte, hat sich die Bundeswehr in den vergangenen beiden Jahrzehnten „gründlich umstrukturiert“, um ihren Fokus auf Auslandseinsätze zu legen. Jetzt solle es wieder vermehrt um das Inland gehen. „Wir müssen das Ruder herumreißen“, hieß es demnach kürzlich auf der Reservistentagung in Berlin, wie Dorfmüller berichtete.

Viel zum Herumreißen sei allerdings nicht mehr da. Ein großer Teil des Materialbestandes der Bundeswehr sei zwar nicht unbrauchbar, aber nach wie vor „verpackt, verschweißt, eingelagert und reserviert für Auslandseinsätze“, sagte Dorfmüller. Und auch bei den Ressourcen habe es Einschnitte gegeben. „Ich lamentiere nicht, aber das ist die Lage“, so der Oberst vor den ungefähr 300 Gästen aus Politik, Militär, Wirtschaft, Gesellschaft und Hilfsorganisationen.

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Im Vorfeld der Veranstaltung hatte das Bremer Friedensforum zur Mahnwache vor dem Rathaus aufgerufen. Etwa 30 Personen nahmen daran teil und verteilten Flugblätter. Die Initiative kritisierte unter anderem die aktuelle Verlegung von Bundeswehr-Truppen in östliche Nato-Staaten.

Seit den 90er-Jahren findet der Jahresempfang der Bundeswehr Bremen im Rathaus statt. Neben Oberst Dorfmüller gab es Grußworte von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) und dem Vizepräsidenten der Bremischen Bürgerschaft, Frank Imhoff (CDU). Er musste den erkrankten Präsidenten Christian Weber vertreten.

"Eine Trendwende ist zweifellos möglich"

Während Imhoff vor allem betonte, wie wichtig die Bundeswehr für Deutschland sei, den Soldatinnen und Soldaten „Dank, Respekt und Wertschätzung“ aussprach, thematisierte Sieling die Rolle der Bundeswehr in Bremen. Sieling sagte, er sei froh über das vertrauensvolle Verhältnis, das sich nun auch mit dem neuen Kommandeur fortführen lasse. Zudem lobte er die gute Zusammenarbeit der Bundeswehr mit dem Netzwerk Katastrophenschutz. Gerade in Gebieten an der Küste sei man darauf angewiesen. Über den aktuellen Bericht des Wehrbeauftragten war Sieling offenbar nicht überrascht: Diese Mängel seien mittlerweile der Standard.

Zum Ende gab sich Oberst Dorfmüller dann doch noch zuversichtlich. „Eine Trendwende ist zweifellos möglich“, verkündete er. Diese Wiederbelebung dauere aber. Zum Glück gebe es unter den Älteren noch den ein oder anderen, der wisse, wie Heimatschutz funktioniere. Auch Pläne dafür fänden es sicher noch in den Archiven. Er wolle sich den Spaß an seiner Arbeit jedenfalls nicht nehmen lassen – auch wenn er wisse, dass das im Dienstbetrieb der Bundeswehr eigentlich nicht vorgesehen sei, sagte Dorfmüller.

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Zum Landeskommando Bremen

Kernauftrag des Landeskommandos Bremen ist die sogenannte zivil-militärische Zusammenarbeit. Schwerpunktmäßig bedeutet das die Unterstützung und Hilfeleistung bei Naturkatastrophen oder besonders schweren Unglücksfällen, wie etwa beim Schneechaos in Bayern. Stoßen die zuständigen Behörden mit Personal oder Ausrüstung an ihre Grenzen, kommt die Bundeswehr über das Landeskommando Bremen als zentrale Koordinierungsstelle zwischen Landesregierung, Kommunen und Bundeswehr zum Einsatz. Zudem bildet das Landeskommando regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte aus. Das sind nichtaktive, aus Reservisten gebildete Truppenteile. Außerdem unterstützt das Landeskommando andere Streitkräfte befreundeter Nationen während ihres Aufenthalts in Deutschland.

Das Landeskommando Bremen ist hervorgegangen aus dem Verteidigungsbezirkskommando 20 und wurde am 25. Januar 2007 aufgestellt. Es umfasst etwa 150 Soldaten und zivile Mitarbeiter.

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