Abholung von Recycling-Textilien Der Ärger mit den alten Kleidern in Bremen

Vermüllte Plätze, verstopfte Container: Viele Bremer klagen über Probleme bei der Altkleider-Abholung. Die Stadtreinigung prüft nun die Vertragsauflösung mit der BreEnt. Deren Chef weist die Vorwürfe zurück.
24.03.2019, 18:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Der Ärger mit den alten Kleidern in Bremen
Von Nina Willborn

Berge von alten Hosen, Hemden, T-Shirts und Schuhen, aufgetürmt neben dem Altkleidercontainer. Aufgerissene Tüten, aus denen Kleidungsstücke quellen, dazwischen Altglas und Sperrmüllreste. Die Bilder und Berichte von Lesern des WESER-KURIER, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten beim Anblick der Abgabestationen geärgert haben, ähneln sich. Ob in Gröpelingen, Walle oder Huchting: Immer wieder dieselbe Situation, nämlich übervolle Altkleiderbehältnisse, um sie herum entstehen schnell wilde Müllplätze. Auch im Beirat Huchting sind sie genervt von den oft überfüllten Containern am Roland-Center, Beiratssprecher Falko Bries hat sogar schon in eigener Regie eine Aufräumaktion gestartet.

Zuständig für die insgesamt 16 Recycling-Stationen in der Stadt, bei denen neben Gartenabfällen, Metall und Schadstoffen auch Textilien abgegeben werden können sowie für die 278 öffentlichen Containerplätze für die Entsorgung von Glas und Textilien ist die Bremer Stadtreinigung. Die Abholung und Entsorgung der Altkleider übernimmt sie aber nicht selbst. Seit Juli 2018 hat die Stadtreinigung diesen Auftrag an die Bremer Firma BreEnt vergeben, aber es gibt offenbar Probleme – nicht nur bei der Abholung der Textilien, sondern auch bei den vereinbarten Zahlungen. Deshalb prüft die Stadtreinigung derzeit eine Kündigung des vertragsgemäß mindestens bis 2021 laufenden Vertrags mit der BreEnt. Dort wiederum zeigt sich der Geschäftsführer überrascht von den Vorwürfen.

„Es stimmt“, bestätigt Umweltstaatsrat Ronny Meyer (Grüne), „wir haben mit der BreEnt erhebliche Schwierigkeiten. Deshalb hat sich auch der Verwaltungsrat der Stadtreinigung in seinen letzten beiden Sitzungen mit dem Thema beschäftigt.“ Man habe die BreEnt wiederholt um Besserung etwa beim mangelhaften Abholungsrhythmus gebeten, dem sei sie bislang aber nur unzureichend nachgekommen.

Lesen Sie auch

Auch Michael Drost, Sprecher der Bremer Stadtreinigung, berichtet von „mehreren Gesprächen“ mit der BreEnt über die Hauptprobleme. „Insgesamt läuft die Textillogistik an den Containerplätzen und den Recycling-Stationen nicht rund“, sagt er. „Es gibt immer wieder Störungen, die unter anderem auch auf Defizite in der Tourenplanung zurückzuführen sind. Ein zufriedenstellendes Ergebnis ist leider nicht eingetreten.“

Deshalb hat die Stadtreinigung der BreEnt nun eine letzte Frist gesetzt. Innerhalb eines kurzen Zeitfensters hat das Unternehmen nun noch einmal die Möglichkeit, „alle vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen“, sagt Drost. „Bei fruchtlosem Verstreichen dieser Frist wird die DBS den Vertrag außerordentlich kündigen.“ Parallel würden verschiedene Varianten geprüft, um auch kurzfristig die Entsorgung der Altkleider sicherzustellen. Staatsrat Meyer bestätigt auch, dass es Rückstände bei Zahlungen der BreEnt an die Stadtreinigung gegeben hat. Dabei handelt es sich, vereinfacht gesagt, um Erlöse aus dem Recycling der Textilien, die mit der Entsorgung beauftragte Unternehmen an Kommunen zahlen. Die genaue Höhe der Forderungen will Drost nicht nennen. Allerdings werde der Stadt daraus kein finanzieller Nachteil entstehen, sagt er. „Die Forderungen von der Bremer Stadtreinigung an die BreEnt sind durch eine Patronatserklärung abgesichert.“ Außerdem würden Forderungen aus der Vergütung der Alttextilien regelmäßig mit Logistikforderungen von BreEnt verrechnet.

Lesen Sie auch

Murat Karabas, Geschäftsführer der 2017 gegründeten BreEnt, weist den Vorwurf der ausstehenden Zahlungen zurück. „Ich bin darüber sehr verwundert. Das ist nicht richtig“, sagt er. Richtig sei hingegen, dass sein Unternehmen zu Beginn des Vertrags Probleme mit der Leerung der Altkleidercontainer gehabt habe. „Aber das war vor drei Monaten, wir haben inzwischen unter anderem den Fuhrpark aufgestockt. Wir sind dabei, die Situation zu verbessern.“ Laut seinen Angaben werden die Container an öffentlichen Plätzen einmal pro Woche geleert, die an den Recyclingstationen zwei- bis dreimal pro Woche, teils auch sonnabends. „Wir wollen Überfüllungen vermeiden“, sagt Karabas. Von einer letzten Frist wisse er nichts. „So schnell kann man einen Vertrag nicht kündigen. Und wir machen ja unsere Arbeit“, sagt er.

Der Geschäftsführer verweist auch auf ein generelles Problem, mit dem seine Firma zu kämpfen habe: Es ist dasselbe, das auch die Bremer und Bremerinnen nervt, nämlich die Müllberge neben den Containern. Karabas nennt sie „Fremdablagerungen“. „Oft müssen wir erst den Sperrmüll entsorgen, zuständig sind wir aber eigentlich nur für die Textilien.“ Seiner Meinung nach gibt es in Bremen mit den rund 300 öffentlichen zu wenig Container für Altkleider. „Andere Städte planen inzwischen mit zwei Behältern pro 1000 Einwohner“, sagt Karabas.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+