Galopp-Club Bremen

Der gemeinsame Traum

Der Galopp-Club Bremen pachtet ein Rennpferd und finanziert es durch Anteilsverkäufe an die Mitglieder. „Reich werden kann man damit nicht“, sagt Klub-Präsident Johann Günnemann. „Uns geht es um den Spaß.“
27.12.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Der gemeinsame Traum
Von Frank Büter
Der gemeinsame Traum

Trainingsrunde auf der idyllisch gelegenen Heimbahn in Mahndorf: Lovely Dream mit Jaromir Safar im Sattel.

Martina Lehmann

Der Name gehört zum Programm: Im Galopp-Club Bremen teilen sie nicht nur ihre Leidenschaft zum Galopprennsport, sondern im wahrsten Wortsinn auch einen „schönen Traum“. Lovely Dream heißt die Stute, die der Verein seit 2019 gepachtet hat und die auch im kommenden, dann dritten Jahr für den Galopp-Club Bremen an den Start gehen wird. Der Verein unterhält ein Rennpferd, finanziert durch Anteilsverkäufe an seine Mitglieder – darauf basiert das Modell, das es den Anteilseignern ermöglicht, an den Renntagen am Wettschalter oder online quasi auf das eigene Pferd zu setzen. Und läuft das Pferd in die Geldränge, ist es also platziert oder gar siegreich, verdient auch das Vereinsmitglied – je nach Höhe seiner Anteile – an den Prämien mit.

Theoretisch. Weil die Prämien aber aufgeteilt und auch der verpachtende Pferdebesitzer, der Trainer und der jeweilige Jockey prozentual an den Prämien beteiligt werden, reduziert sich die Gewinnsumme relativ schnell. Und weil überdies für das Pferd auch Unterhalts- und Transportkosten, Nenngelder oder Tierarztrechnungen zu bezahlen sind, ist dieses Anteilsmodell kein gewinnträchtiges Geschäftsmodell. „Reich wird man damit nicht“, sagt auch Johann Günnemann. „Uns geht es aber auch nicht um die Rendite, uns geht es um den Spaß.“

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In diesem Dezember feierte der Galopp-Club sein 37-jähriges Bestehen. Günnemann ist Gründungsmitglied des zwischenzeitlich mehr als 100 Mitglieder zählenden Vereins. Heute ist Günnemann Präsident des Galopp-Clubs, er selbst nennt sich lieber: der Vorsitzende. Die Zahl der Mitglieder ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen, 17 seien es noch, sagt Günnemann. Er selbst ist inzwischen 80 Jahre alt, doch die Liebe zum Galopprennsport hält ihn jung – und gewissermaßen auf Trab. Auch in technischer Hinsicht. Der Rentner pflegt die vereinseigene Homepage, sorgt dort für aktuelle Berichte und verschickt Nachrichten per E-Mail. Er streamt im Internet und verfolgt live die Übertragungen von den Galopprenntagen.

Die verbliebenen Klubmitglieder kommen aus allen Teilen der Republik und sind naturgemäß auch gerne bei Veranstaltungen vor Ort, so diese Orte denn nicht allzu weit entfernt liegen vom jeweiligen Wohnort und eine Anreise keinen allzu großen Aufwand bedeutet. „Normalerweise ist das so“, sagt der Bremer Johann Günnemann. In diesem Jahr aber sei alles anders gewesen. Wegen Corona. Aufgrund der Pandemie startete die Saison bundesweit erst im Mai, die Zahl der Veranstaltungen fiel deutlich geringer aus als in den Vorjahren. Und Zuschauer waren in der Regel nicht erlaubt.

Alle profitieren

So mussten die interessierten Klubmitglieder und Anteilseigner die Auftritte von Lovely Dream also im Internet verfolgen. Es lohnte sich zumeist, den Computer zu starten, denn die Stute, die auf der Anlage in Mahndorf von Pavel Vovcenko trainiert wird, machte bei ihren zehn Starts im Kalenderjahr 2020 einen guten Job. Neunmal war Lovely Dream platziert, zweimal lief sie dabei sogar als erste über den Zielstrich. Beide Siege gelangen in Köln; erst Mitte Juni mit dem aus Tschechien stammenden vierfachen Jockey-Champion Filip Minarik im Sattel, dann am 1. August mit dem Italiener Michael Cadeddu als Jockey. Die Gewinnsumme für das Sportjahr 2020 beläuft sich exakt auf 9192 Euro, brutto versteht sich.

Was abzüglich der zu zahlenden Prämien übrig bleibt, wird im Verbund mit den Einnahmen durch den Verkauf von Anteilen dazu aufgewendet, die oben aufgeführten Kosten zu decken. 20 Anteilseigner gibt es zurzeit, berichtet Johann Günnemann. Ein Anteil kostet 25 Euro im Monat, „es sind für das nächste Jahr noch Anteile zu haben“, sagt der Präsident. Er findet dieses Pacht-Konzept gut, „davon profitieren letztlich alle“. Und wenn es am Jahresende unter den Anteilseignern noch einen kleinen Überschuss aufzuteilen gäbe und man auf eine schwarze Null käme, sagt Günnemann, „dann sind wir als Pferdefreunde zufrieden“.

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Als Verein ein Pferd zu kaufen, das sei grundsätzlich kein Thema und auch gar nicht möglich, weil man keine eigenen Stallungen habe, in denen ein Pferd nach der aktiven Zeit seinen Ruhestand genießen könnte. Seit 1984 wird beim Galopp-Club Bremen so verfahren, „seitdem haben wir jedes Jahr ein Pferd auf der Bahn gehabt“, sagt Johann Günnemann. Das erste gepachtete Pferd war Alsterlady und wurde von Adolph Wöhler trainiert. Die damals zweijährige Stute sorgte dabei für einen traumhaften Einstand und gewann mit Britta Fellermann im Sattel gleich das erste Rennen auf der Heimbahn in der Bremer Vahr. Lovely Dream ist aktuell das 21. Pferd, das für den Galopp-Club startet. Und mit bisher vier Siegen das erfolgreichste obendrein in der Vereinsgeschichte. Zurzeit hat die fünfjährige Stute Winterpause, „sie steht auf der Koppel und soll sich erholen“, sagt Johann Günnemann. Erholen und Kraft tanken für weitere Erfolge im neuen Jahr: ein schöner Traum.

Info

Zur Sache

Beachtliche Bremer Bilanz

Die deutsche Galoppsaison 2020 neigt sich dem Ende entgegen. Eine Saison, die stark von der Corona-Pandemie beeinträchtigt wurde. Von Anfang März bis Anfang Mai war kompletter Stillstand angesagt. Am 7. Mai waren die Leistungsprüfungen, um die es sich beim Galopprennsport laut gesetzlicher Definition handelt, der erste Sport in Deutschland, der aus der Corona-Pause kam. Es gab jedoch weniger Renntage als ursprünglich geplant. Umso erstaunlicher, dass sowohl Pavel Vovcenko als auch der im Herbst 2019 nach Bremen übergesiedelte Toni Potters bis Mitte Dezember jeweils zu 13 Siegen kamen.

Ein Erfolg gelang dem Vovcenko-Stall aus Mahndorf dabei auf der Bahn von Clairefontaine in Frankreich. Der siegreiche Adagio wurde nach England verkauft, wo er in diesen Tagen für Furore in Hindernisrennen sorgt. Verkauft wurde auch Vovcenkos Derbystarter Brian Boru. Dessen neuer Besitzer wollte ihn selbst trainieren, viel gelang dann aber nicht mehr. Toni Potters schaffte im Sommer das Kunststück, mit Birthday Prince einen bereits zwölf Jahre alten Wallach zum Sieg zu führen.

Ebenfalls auf der Galopptrainingsanlage in Bremen-Mahndorf trainiert Werner Haustein. Sogar das berühmte Gestüt Schlenderhan gehört zu seinen Besitzern: mit Mondial Dancer gab es den ersten Schlenderhaner Sieg in der Bremer Galoppgeschichte zu feiern. Insgesamt siegte Haustein fünfmal, einmal davon in der Listenklasse. Setzt man den Rennsport mit Fußball gleich, handelt es sich bei dieser Kategorie um die Europa League. Der siegreiche Sun at Work hatte zuvor in Frankreich gewonnen. Die weiteren Bremer Trainer Günter Lentz und Simon Stokes kamen zu drei Siegen.

Nur eigene Pferde bereiten Jördis-Ina Meinecke und Kamila Harms in Mahndorf vor. Der einen gelangen zwei Siege, der anderen zwei Platzierungen bei neun Starts mit dem einzigen Pferd Roxalagu.

Weitere Informationen

Weitere Infos rund um den Galopp-Club Bremen gibt es auf der Homepage unter
galopp-club-bremen.hpage.com oder per Email an johann-guennemann@t-online.de.

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