Hitze in Bremen und Niedersachsen Der Insektensommer

Wespen und Heuschrecken vermehren sich in einem heißen Sommer wie diesem stärker, auch Nachtfalter und Libellen sind jetzt viel zu sehen. Dennoch gibt es eine gute Nachricht.
04.08.2018, 06:30
Lesedauer: 4 Min
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Der Insektensommer
Von Sara Sundermann

Es krabbelt und flattert: Der heiße Sommer kommt vielen Insektenarten entgegen. Einige vermehren sich verstärkt, andere werden an den langen warmen Abenden schlicht besonders sichtbar. "Für wechselwarme Tiere wie Insekten bedeutet ein warmer Sommer, dass sie länger die Temperaturen haben, die sie benötigen, um aktiv zu sein", erklärt Biologin Birgit Olbrich vom Umweltverband BUND Bremen.

Viele Insektenarten brauchen allerdings neben der Hitze aber auch das Wasser. Deshalb gebe es in diesem Sommer zum Beispiel nicht besonders viele Mücken, so Olbrich: "Mücken brauchen idealerweise erst viel Niederschlag, und danach Hitze." Derzeit sind in Bremen viele Wespen unterwegs, aber auch Nachtfalter, Libellen und Heuschrecken sind besonders aktiv. Hier kommen die wichtigsten Tipps und Infos für den norddeutschen Insektensommer.

Wespen

Wer kennt es nicht: Man sitzt bei den heißen Temperaturen auf der Terrasse, grillt vielleicht mit Freunden oder der Familie und bevor man sich versieht, taucht die erste Wespe auf. Auf diese Eine folgen mehr, und schnell schwirren lauter schwarz-gelbe Insekten um den Tisch. Vor allem bei diesen heißen Temperaturen vermehren sich Wespen stark. "Momentan haben wir besonders viele Einsätze in Bremen bezüglich Wespen", sagt Christian Klockhaus von der Schädlingsbekämpfungsfirma Rentokil.

Wespen gelten nach Angaben des Deutschen Schädlingsbekämpfer Verbands als sogenannte Hygieneschädlinge, denn sie können Krankheitserreger und Schimmelpilze verbreiten. Deshalb sollte man darauf achten, dass sie nicht mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Wirklich gefährlich kann ein Wespenstich bei Allergikern werden. Doch auch ein Stich im Rachen- und Mundraum, kann beim Anschwellen der Schleimhäute lebensgefährlich sein. In diesem Fall sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen.

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Wie bei jedem Tier muss es einen vernünftigen Grund dafür geben, es zu töten – so auch bei Wespen. "Gründe könnten zum Beispiel eine Allergie sein, wenn die Wespen besonders aggressiv sind oder wenn die Gefahr besteht, dass Kinder gestochen werden", sagt Klockhaus. Strafbar könne man sich machen, wenn man Wespen wahllos töte oder nur weil man genervt sei. Das könne bis zu 5000 Euro kosten.

Falls man ein Wespennest in seinem Garten finden sollte, solle man die Schädlingsbekämpfung benachrichtigen. Diese verlegt das Nest dann professionell. Ein Tipp, um Wespennester vorzubeugen, kommt von dem Youtube-Channel "Household Hacker" (Haushaltstipps). In dem Video wird geraten, Papiertüten zu benutzen, um im Garten ein Wespennest zu imitieren, sodass den Insekten vorgegaukelt wird, der Platz sei schon belegt.

Nachtfalter

Bei der Breminale schwirrten sie massenhaft um die Köpfe von Künstlern und Besuchern: Nachtfalter, umgangssprachlich auch als Motten bezeichnet. Auf der Halöver-Fähre sammelten sich Hunderte Tiere, die das Licht umkreisten und zum Teil tot auf dem Schiffsboden lagen. Beim nahen Café Sand kennt man das Phänomen: "Die Falter kommen jeden Sommer, man sieht sie nur abends, aber dann sind es zur Zeit Tausende", sagt Mario Bleschke, Koch im Café Sand. "Sie stören uns meist nicht und gelangen auch nicht ins Essen, aber wenn sie doch einmal nerven, machen wir draußen die Lichterketten aus."

Schädlich sind Nachtfalter normalerweise nicht. "Einige Raupen können für Menschen gefährlich werden, aber die Falter nicht", sagt Olbrich. "Nachtfalter bilden eine viel größere Gruppe als Schmetterlinge, und sie sind viel weniger erforscht – dabei ist es eine wahnsinnig artenreiche Gruppe und zum Teil gibt es spektakuläre und farbenprächtige Arten."

Ein großer Teil der mehr als 3000 Nachtfalterarten in Deutschland gilt als bedroht. Wer von den Tieren genervt ist, kann im Zweifel das Licht ausmachen oder draußen eine Lampe mit wärmerem, gelblichem Licht verwenden. Forscher haben herausgefunden, dass die Facettenaugen der Falter vor allem auf Licht mit hohem UV-Anteil reagieren.

Heuschrecken

Sommerzeit ist Heuschreckenzeit. Die Tiere sind auf trockene Wärme angewiesen. Als bester Heuschrecken-Monat gilt der August, weil dann fast alle Arten mit ihrem Gesang auf sich aufmerksam machen. Die größte Art, die man in Bremen beobachten kann, ist das grüne Heupferd, sagt Biologin Olbrich. Das knallgrüne Tier könne etwa so lang wie ein kleiner Finger werden.

Auch wenn der Gedanke an die biblische Heuschreckenplage nahe liegt, bräuchten sich norddeutsche Landwirte auch in einem trockenen Sommer keine Sorgen machen, dass die Insekten der Ernte schaden, sagt Olbrich. "Die biblische Heuschreckenplage bezog sich auf Wanderheuschrecken, doch Wanderheuschrecken gibt es zwar in afrikanischen Ländern, aber nicht bei uns."

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Heuschrecken beißen und stechen nicht, je nach Art und Alter können sie aber mehr oder weniger gut fliegen. Gut zu beobachten sind sie vor allem dort, wo es sandige Böden gibt. Durch den Klimawandel siedeln sich auch mediterrane wärmeliebende Arten verstärkt in Norddeutschland an, sagt Olbrich – zum Beispiel die blauflügelige Ödlandschrecke, die sonst in Italien und anderen südeuropäischen Ländern heimisch sei.

Libellen

Jetzt ist Hochsaison für alle, die von Libellen fasziniert sind. Beobachten kann man sie am besten dort, wo Wasser ist: an Seen, Tümpeln und am Fluss. Die Insekten brauchen das Wasser, ihre Larven wachsen darin auf. Einige Arten wie zum Beispiel die blaue Prachtlibelle sind auf Fließgewässer spezialisiert, andere eher an kleinen Teichen im Parzellengebiet anzutreffen, erklärt Biologin Olbrich. "Einige Libellenarten sind sogar fest an eine bestimmte Pflanzenart gekoppelt, die sie zum Überleben brauchen: Die grüne Mosaikjunger zum Beispiel braucht eine Wasserpflanze namens Krebsschere, ohne Krebsschere keine Libelle."

Gefährlich können Libellen dem Menschen nicht werden, obwohl viele glauben, die Insekten könnten beißen. "Das ist eine Mär, mit der man endlich aufräumen sollte", sagt Birgit Olbrich vom Umweltverband BUND. "Libellen beißen nicht, und sie stechen auch nicht, sie haben keinen Stachel." Die größte Libellenart, die es in Bremen gibt, ist der Biologin zufolge die blaugrüne Mosaikjungfer. Die Tiere werden bis zu acht Zentimeter lang und lassen sich oft gut beobachten: Viele sind neugierig und kommen den Menschen gern nahe.

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