Herbsthelfer Der Postbote, dein Freund und Helfer

Die Zwischenbilanz steht zwar noch aus – erste Erkenntnisse zu dem im April gestarteten Projekt Herbsthelfer, mit dem ältere Menschen unterstützt werden sollen, liegen aber schon jetzt vor.
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Der Postbote, dein Freund und Helfer
Von Anne Gerling

Sie sind regelmäßig in Bremens Straßen und Wegen unterwegs und haben im Blick, wie es den Menschen vor Ort geht: Bis heute kennen viele Postboten die Bewohner ihrer Zustellbereiche persönlich – für manche einsame Menschen ist ihr Briefträger sogar der einzige Gesprächspartner am Tag.

Vor diesem Hintergrund war vor einiger Zeit die Idee entstanden, Postzusteller unmittelbar in die Unterstützung von Senioren einzubinden. Im April hatte die Stadt schließlich das Pilotprojekt „Herbsthelfer“ angeschoben, in dessen Rahmen bis zum Sommer 2019 verschiedene Dienste und Serviceleistungen in Schwachhausen, Walle, Horn, der Neustadt und der Stadtmitte angeboten werden.

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet, um auszuwerten, was verbesserungsfähig ist. Die offizielle Zwischenevaluation durch das Institut für Informationsmanagement Bremen (Ifib) ist für Dezember geplant; auf ihrer Grundlage wird über das weitere Vorgehen entschieden. Da jedoch die CDU-Bürgerschaftsfraktion schon jetzt vom Senat wissen wollte, wie viele Bremerinnen und Bremer das Angebot bislang in Anspruch genommen haben, waren die Herbsthelfer kürzlich Thema in der Fragestunde der Bürgerschaft.

Vorab vereinbarte Termine

Ein Trend zeichnet sich bereits ab, wie die Antwort zeigt: Die Nachfrage fällt für die einzelnen Herbsthelfer-Teilprojekte sehr unterschiedlich aus. Demnach wurden das Angebot „Post persönlich“ in Kooperation mit den Johannitern gar nicht und der Bargeldlieferservice in Kooperation mit der Sparkasse nur sehr wenig genutzt. Beide Angebote sind bislang nur in Schwachhausen erprobt worden.

Beim Teilprojekt „Post persönlich“ geht es um eine Erweiterung des Hausnotrufs: Die Zusteller klingeln zu vorab vereinbarten Terminen an der Tür und erkundigen sich nach dem Befinden der betreffenden Person. Sollte diese zur vereinbarten Zeit nicht im Haus sein oder der Zusteller hat den Eindruck, dass etwas nicht in Ordnung ist, so informiert er den Hausnotrufdienst.

Er betritt dabei nicht die Wohnung und wird auch nicht pflegerisch oder medizinisch tätig. Wer diesen Service in Anspruch nehmen möchte, der muss zunächst einen Vertrag mit dem Hausnotrufdienst der Johanniter abschließen, der monatlich 49 Euro kostet. Die Post berechnet außerdem für drei Besuche pro Woche neun Euro beziehungsweise 15 Euro für sechs Besuche.

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Diese Kosten sind den Kunden offenbar zu hoch. Und auch ein zweites Angebot finden die Schwachhauser unattraktiv: Auf eine telefonische Bestellung hin liefert der Postbote Bargeld ins Haus, wobei je Bestellung Kosten in Höhe von 9,50 Euro anfallen. Offenbar ist dies vielen Senioren zu teuer – andere Angebote wiederum würden sehr gut angenommen, unterstreicht Dagmar Bleiker, Sprecherin des Finanzressorts: „Wir hatten positive Erfahrungen mit Angeboten, die die Verwaltung betreffen.“

So hatten etwa 500 Personen über das Bürgertelefon unter der Nummer 115 Formulare angefordert und sich diese nach Hause schicken lassen. Und am Ummelde-Service, bei dem Mitarbeiter aus dem Bürgeramt vorbeikommen und beim Beantragen eines neuen Ausweises helfen, beteiligten sich 20 Einrichtungen.

Umschichtungen der Angebote

Auch der Mediendienst der Stadtbibliothek Bremen in Kooperation mit 15 Einrichtungen der Bremer Heimstiftung hat sich nach Ansicht der Finanzbehörde bewährt: Die Stadtbibliothek hat Mitarbeiter eingestellt, die ältere Menschen in den Einrichtungen bei der Nutzung von E-Readern und Tablets unterstützen, um ihnen Zugang zu den Online-Angeboten der Stadtbibliothek zu ermöglichen.

Nach der Zwischenevaluation werde es voraussichtlich zu Umschichtungen der verschiedenen Angebote kommen, sagt Herbert Kubicek, der das Projekt beim Ifib begleitet und unterstreicht: „Wir sind in der Halbzeit, es ist aber erst ein Viertel der Gelder ausgegeben.“ Auch fließe kein Cent der insgesamt für das Projekt bewilligten 460 000 Euro aus den Verstärkungsmitteln Digitalisierung und Bürgerservice in das Angebot „Post persönlich“ oder den Bargeldbringdienst. Die Stadt finanziert darüber die wissenschaftliche Begleitforschung sowie die Projekte Formularservice und Ummeldeservice.

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