Klimawandel auch in Bremen zu spüren

Grüne fordern Hitzeplan für Großstädte

Bremens Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) fordert Finanzhilfen vom Bund, um dem Klimawandel zu trotzen. Zu kämpfen haben die großen Städte zurzeit vor allem mit der Hitze.
13.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Grüne fordern Hitzeplan für Großstädte
Von Jürgen Hinrichs
Grüne fordern Hitzeplan für Großstädte

„Solche Hitzewellen werden das neue Normal sein", sagt Robert Habeck (Grüne).

picture alliance/Julian Stratenschulte/dpa

33 Grad waren es am Mittwoch in Bremen, eine Temperatur, die den Deutschen Wetterdienst zu einer Hitzewarnung veranlasst hat. Trocken und heiß ist es bereits den ganzen August. Für Bremens Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) ist das Teil der Klimakrise, sie fordert Geld vom Bund, um die Folgen abzumildern, und schließt sich damit Robert Habeck an.

Der Grünen-Chef will einen Hitzeplan für Deutschlands Städte. Sein Ziel: ein 800 Millionen Euro schweres Förderprogramm für neue Grünflächen, Grün an Gebäuden und Frischluftschneisen. „Ein guter Vorstoß“, findet Schaefer, „es wird dringend Zeit, dass der Bund die Länder, insbesondere aber die Kommunen bei der Klimaanpassung unterstützt“.

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Die gegenwärtige Sommerhitze komme nicht überraschend, sagte Habeck, „solche Hitzewellen werden das neue Normal sein.“ Die Beobachtungen der Wetterforscher stützen diese Einschätzung. „Wir haben mittlerweile die längste Phase mit überdurchschnittlichen Temperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen“, erklärte die Meteorologin Maria Testorp vom Wetterdienst Meteogroup dem Nachrichtenportal „t-online.de“. Der August stehe derzeit hoch im Kurs, der heißeste zu werden.

Nach Darstellung der Umweltbehörde ist das Jahresmittel der Lufttemperatur in Bremen und Bremerhaven von 1881 bis 2016 um etwa 1,3 Grad angestiegen. Bei einem „Weiter-wie-bisher-Szenario“ läge nach Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes die mittlere regionale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts bei 3,6 Grad. Damit verbunden sei eine Zunahme der Sommertage mit mehr als 25 Grad und der Hitzetage mit mehr als 30 Grad. In Bremerhaven deute dies auf eine Verdreifachung der Sommertage in den nächsten 50 Jahren hin. In Bremen würden bis zu neun zusätzliche Hitzetage bis Ende des Jahrhunderts projiziert.

Vor allem in den dicht bebauten Innenstadtgebieten der beiden Stadtgemeinden heizten sich unverschattete, vegetationsarme und versiegelte Flächen sehr stark auf, so die Behörde. Ihre Reaktion auf diese Entwicklung findet sich in der Klimaanpassungsstrategie, die Anfang 2018 vom Land und den beiden Kommunen beschlossen wurde. Das Ziel, deutlich mehr Grün in die Stadt zu bringen, ist in diesem Jahr mit zwei Entscheidungen untermauert worden: 1000 zusätzliche Bäume, die hitzeresistent sind.

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Und die Verordnung, dass neue Flachbauten ein Gründach bekommen müssen. „Durch die erhöhte Verdunstung und die vergleichsweise geringe Aufheizung von begrünten Dach- und Freiflächen wird einer sommerlichen Hitzeentwicklung entgegengewirkt und eine gewünschte nächtliche Abkühlung begünstigt“, heißt es im entsprechenden Beschluss des Senats. Der Versiegelung begegnet die Regierung mit einem Verbot der sogenannten Gärten des Grauens – Beete, die mit Kies bedeckt sind.

„Bremen hat den Vorteil, dass es von großen grünen Flächen umgeben ist“, sagt Behördensprecher Jens Tittmann. Er nennt die Wümme-Wiesen, das Blockland, ausdrücklich aber auch die Osterholzer Feldmark, einen jahrelangen Streitfall. Die SPD kann sich dort eine Bebauung vorstellen, die Grünen lehnen das strikt ab. „Wir müssen die Frischluftschneisen erhalten“, so Tittmann. Nach Zahlen seines Ressorts geht es der Bremer Bevölkerung bei der Luftzufuhr vergleichsweise gut. Demnach weisen etwa 82 Prozent der Wohnbauflächen eine günstige bis sehr günstige klimatische Situation auf. Die Lage am Fluss, die vielen Parks, Kleingartengebiete und Grünzüge, die lang gezogene, relativ schmale Siedlungsstruktur – Gründe dafür, dass Bremen viel Luft zum Atmen bleibt.

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Robert Habeck hat in seinem Forderungskatalog einen Punkt aufgenommen, der in Bremen bereits Niederschlag gefunden hat. Der Grünen-Chef schlägt vor, aus dem Bundestopf auch öffentliche Wasserspender zu finanzieren. In Bremen gibt es mittlerweile fünf davon: in Walle, Hemelingen, am Bahnhof beim steinernen Elefanten, im Steintor und in Vegesack. Die Behörden haben bei dem Projekt Unterstützung von Hansewasser und der SWB bekommen.

Für Ulf Jacob vom Bündnis lebenswerte Stadt Bremen, dem unter anderem die Architektenkammer, Gartenverbände und der BUND angeschlossen sind, kann das nur ein Anfang sein. Jacob ist am Mittwoch von einer Exkursion nach Wien zurückgekommen: „Dort gibt es Wasserspender fast an jeder Ecke.“ Ab und an wird noch mehr geboten, wie Fotos beweisen, die Jacob mitgebracht hat: Sogenannte Nebelduschen, unter die man sich zur Abkühlung stellen kann. Wien, erklärt der Aktivist, habe bereits einen Hitzeplan, sei allerdings auch stärker mit dem Problem konfrontiert. Parkplätze würden mit Bäumen bepflanzt, ganze Kreuzungen verschwänden unter Grün, und es gebe die Vorschrift, Fassaden zu begrünen.

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