Online-Wache hat sich bewährt

Die Polizei Bremen twittert jetzt auch

Immer mehr Menschen zeigen kleinere Delikte online an: 2018 wurden so in Bremen fast 4000 Anzeigen gemeldet. Die Polizei erweitert derweil ihren eigenen Online-Auftritt und ist nun auch auf Twitter aktiv.
02.01.2019, 17:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Nina Willborn und Helmut Reuter
Die Polizei Bremen twittert jetzt auch

Von ihren Einsätzen berichtet die Bremer Polizei nun auch auf Twitter.

Patrick Seeger/DPA

Den Account bei der Online-Plattform Twitter hat die Bremer Polizei schon seit 2016, aber bis zum Neujahrstag lag er brach. Um 15.20 Uhr "zwitscherte" @BremenPolizei zum ersten Mal: „Huch! Wir haben ja einen Twitter-Account. Voll vergessen. #inventur #PolizeiBremen" – mit einer großen Portion Selbstironie meldeten sich die Beamten auf dem Informationskanal und kommentieren seitdem humorvoll ihre Verspätung. "Wir betreten Neuland nur, nachdem wir es vorher gecheckt haben", schrieben die Beamten etwa oder "Wir waren uns nicht sicher, ob sich das (Internet, d. Red.) durchsetzt". Mehr als 3000 Follower hat der Twitter-Account nach zwei Tagen, Tendenz stetig steigend.

„Wir hatten uns den Namen gesichert, aber bislang zu wenig Personal, um den Account zu betreiben“, sagt Polizeisprecherin Jana Schmidt. Nun betreuen vier Kollegen die Auftritte der Bremer Polizei in den sozialen Medien mit, eine weitere Stelle speziell für Social Media soll ebenfalls bald besetzt werden. „Wir wollen auf Twitter aktuell informieren, aber auch nette Geschichten haben“, sagt Schmidt. Neben Twitter und Facebook wolle die Polizei auch andere Plattformen wie Instagram in den Blick nehmen, sagt Schmidt. „Wir prüfen, was wir in Zukunft machen wollen.“

Die Bremer Polizei entdeckt die Möglichkeiten des Internets – und umgekehrt entdecken immer mehr Bremer und Niedersachsen die Möglichkeit, sich über das Internet an die Polizei zu wenden. Über die Bremer Online-Wache können Bürger seit März 2017 anzeigen, dass ihnen ein Fahrrad gestohlen wurde oder Sachbeschädigungen melden. Bis Anfang Dezember wurden rund 3900 Anzeigen registriert. In Bremerhaven, das eine eigene Online-Wache betreibt, waren es 436, darunter rund 20 Prozent aller bis August gemeldeten Diebstähle von Fahrrädern.

Aufnahme von Verkehrsdelikten geplant

Auch in Bremerhaven können bislang Fahrraddiebstahl und Sachbeschädigung online angezeigt werden. Werden in freien Textfeldern bei der Anzeigenerstattung aber andere Delikte angegeben, kann die Polizei diese nicht einfach ignorieren. So gingen auch mehrere Verkehrsunfälle und Delikte wie Beleidigung und Wohnungseinbruch bei der Bremerhavener Polizei per Online-Anzeige ein.

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Ab dem 8. Januar soll in Bremen die Deliktart „Personaldokumentendiebstahl“ hinzukommen, geplant ist auch die Aufnahme von Verkehrsdelikten. „Die Online-Wache hat sich bewährt“, bilanziert Rainer Zottmann, Leiter der Direktion Schutzpolizei. „Wir wollen die Online-Wache konsequent ausbauen und die polizeilichen Angebote erweitern.“ Allerdings sieht Zottmann auch klare Grenzen: „Dringende und gefährliche Sachverhalte sollen selbstverständlich weiterhin über die kostenfreie Rufnummer 110 an die Polizei gemeldet werden.“

In Bremen wird die Online-Wache künftig an Bedeutung gewinnen, weil es durch die Umsetzung der Polizeireform abgesehen von den Teams in den Streifenwagen bald nur noch in den sechs zentralen Kommissariaten (u.a. Vahr, Mitte, Gröpelingen) möglich sein wird, vor Ort etwas anzuzeigen. Außerdem sollen auch Termine in den Kommissariatszentralen online vergeben werden (wir berichteten).

Auch in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen, wo es Online-Wachen schon seit Februar 2007 gibt, steigt die Zahl der Nutzer. Seit ihrer Einführung vor mehr als zehn Jahren habe sie sich zu einem etablierten Instrument der Polizeiarbeit entwickelt, teilte das Innenministerium in Hannover mit. Die Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern sei hoch. So gingen 2018 bei der Polizei Niedersachsen bis zum Stichtag 13. Dezember mehr als 38.600 Anzeigen zu Straftaten online ein, über fünf Prozent mehr als im Gesamtjahr 2017. Zum Vergleich: Im ersten Jahr waren es insgesamt 5747 Vorgänge.

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In der Gesamtzahl dominieren auch in Niedersachsen Fahrraddiebstähle und unterschiedliche Formen der Internetkriminalität: „Alleine diese beiden Deliktbereiche machten beispielsweise 2017 über 30 Prozent der elektronischen Eingaben aus“, hieß es aus dem Innenministerium. Zweckentfremdet werde die Online-Wache offenbar höchst selten. „Es hat keine manipulierten Anzeigen gegeben. Der Service ist vom Bürger gut angenommen worden“, so ein Polizeisprecher.

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