Restaurantbesprechung

Die Präzision der Gerichte fehlt

Das Q1 zelebriert das Metropolenhafte und passt ganz gut in die Kategorie von Restaurants, in denen gerne einmal mehr auf das Drumherum Wert gelegt wird.
15.11.2018, 11:30
Lesedauer: 3 Min
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Die Präzision der Gerichte fehlt
Von Marcel Auermann

Doch, ja, die Betreiber haben recht, wenn sie von einer metropolhaften Atmosphäre sprechen. Das Q 1 versprüht in der Tat den Charme, den der Gast auch in Großstädten, vor allem in gehobenen Steak- und Burgerläden, erlebt: große, offene Räume und deckenhohe Fenster, die an Lofts erinnern, Sessel zum Wohlfühlen statt unbequemer Holzstühle, hier und da mal eine Bank mit Kissen, warme Pastellfarben und indirekte Beleuchtung, die eine gefühlte Wärme erzeugt.

Allerdings wurde die gedämpft durch den doch beträchtlichen Geräuschpegel, den man so aus anderen Restaurants eher selten kennt. Da Essen immer auch etwas mit Genuss und Entspannung zu tun hat, was die Betreiber des Q 1 ja durch die Gestaltung der Räume offensichtlich erzielen wollen, sollte an der Ruhe noch gearbeitet werden. Sonst gerät der Loftcharakter schnell zur Mensa- und Speisesaalatmosphäre. Das kann keiner wollen.

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Der Kellner tat den Abend über mit seiner äußerst freundlichen Art alles dafür, das vergessen zu machen. Er war stets zur Stelle, sprach mehrere Sprachen, wie wir am Nachbartisch hörten. Und als ein Pärchen recht spät in den Laden kam, setzte er in der Küche seinen ganzen Charme ein, damit die Gäste noch etwas zu essen bekamen, obwohl die Herdplatten nicht mehr glühten.

Das nenne ich Service, von dem sich manche andere Lokale etwas abschauen könnten! Die Karte ist vielfältig und beinhaltet, na klar, wie es sich für eine „Metropolitan Kitchen“ gehört, auch vegetarische und vegane Angebote. Meine Begleitung startete mit einer schmackhaften und zartcremigen Kokos-Curry-Suppe (6,90 Euro) in den Abend, die etwas Ingwer und Koriander in sich trug.

Obenauf eine beispielhaft aufgeschäumte Milch, die sich im Steingutteller optisch gut machte. Ich bestellte einen „Hauch von Rote Bete“ (9,90 Euro). Dahinter verbarg sich ein Rote-Bete-Carpaccio, das mir eindeutig zu wenig bis gar nicht gewürzt war. Es handelte sich also fast nur um hauchdünn geschnittene Rote-Bete-Scheiben, die schön auf einem sehr großen Teller drapiert waren. Lediglich der gratinierte Ziegenkäse sorgte für den gewissen Pep. Allerdings befanden sich nur drei Taler des Käses auf dem Teller. Das Walnussöl, die Feigen und der Babysalat konnten dafür kein ­Ersatz sein.

Witzig präsentiert

Als Hauptgang folgte bei meiner Begleitung ein argentinisches Rumpsteak (21,90 Euro), zu der sie ein Kartoffel-Thymian-Gratin (3,50 Euro) bestellte. Wir wollten unbedingt ein Steak probieren, weil das Q 1 laut Eigenwerbung auch als Steakrestaurant wahrgenommen werden möchte. Dafür, mussten wir feststellen, reicht es nicht ganz.

Wir hatten in etlichen anderen Lokalen schon weichere Steaks und eine bessere Qualität an Fleisch. Witzig präsentiert wurde es jedoch. Im Fleisch steckte eine Plastikpipette mit eigenem Saft, das wir über das Fleisch träufelten, was ihm Saftigkeit verlieh, das es beim Braten eindeutig verloren hatte. Das Kartoffelgratin kam wenig spektakulär daher, ging aber in Ordnung.

Ähnlich ging es mir mit meiner rosa gebratenen Barbarie-Entenbrust (21,90 Euro), die ich anderswo schon viel zarter, ja richtiggehend butterweich und vor allem weniger trocken hatte. Von einem Restaurant, das mit Fleischspezialitäten wirbt, sich also darauf spezialisiert, erwarteten wir an dieser Stelle mehr. Wunderbar passten dazu die geschmeidigen Ravioli, die der Koch mit schwarzen Johannisbeeren und Ricotta füllte.

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Die sautierten Wald- und Wiesenpilze brachten neben dem süßlichen auch einen würzigen Geschmack in das Gericht. Zu beiden Hauptgängen passte der 2016er Malbec aus Argentinien (0,2 Liter für 6,50 Euro), der seine fruchtigen wie schokoladigen Noten perfekt ausspielte und die Nuancen der Gerichte unterstützte. Dass sich das Q 1 vor allem an den schicken und angesagten Läden in Amerikas Metropolen orientiert, wurde beim Nachtisch deutlich. Auf der Liste der Desserts fehlt natürlich der New York Cheesecake (8,20 Euro) nicht, den meine Begleitung probierte.

Er hatte einen schönen, knusprigen Keksboden und eine angenehm frische Creme obendrauf. Das Ganze wurde auf einer Himbeer-Coulis serviert. Daneben lag eine Nocke Mousse au Chocolat. Auf meinem Teller lag ein Liquid Chocolate Cake (8,20 Euro) – also im Klartext: ein Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern. Der war okay, aber nun keine fluffige Soufflé-Offenbarung. Dazu lieferte der Koch ein Sorbet, das nach Kirschen schmecken sollte, sich aber im Geschmack sehr, sehr bedeckt hielt. Ganz genauso war es beim Bailey-Espuma, das ich als solches nicht wahrnahm.

Fazit: Das Q 1 zelebriert das Metropolenhafte und passt ganz gut in die Kategorie von Restaurants, in denen gerne einmal mehr auf das Drumherum Wert gelegt wird als auf die Präzision auf dem Teller.

Weitere Informationen

Q 1 – Metropolitan Kitchen and Bar, ­Queerenstraße 1-4, 28195 Bremen, Telefon: 04 21 / 3 22 85 90, Öffnungszeiten: Montag bis Sonnabend von 12 bis 22 Uhr, teilweise barrierefrei, Internet: www.q1-restaurant.de

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