Einführungsgottesdienst verschoben

Der Bremer St.-Petri-Dom hat einen neuen Prediger

Sebastian Schneider ist seit 15. April im Amt. Sein eigentlich für den 3. Mai geplanter Einführungsgottesdienst wird allerdings verschoben – wahrscheinlich auf den Herbst.
04.05.2020, 05:38
Lesedauer: 4 Min
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Von Britta Kluth
Der Bremer St.-Petri-Dom hat einen neuen Prediger

Sebastian Schneider ist der neue Domprediger. Nach zwölf Jahren in ländlicher Region Ostfrieslands will der Pastor nun noch einmal etwas Neues wagen. Mit dem Umzug nach Bremen und der neuen Stelle hier, hat er zudem die Möglichkeit, einmal städtischer zu arbeiten.

Roland Scheitz

Drei Semester gab ihm ein Pastor, den er während des Zivildienstes kennenlernte. Doch Sebastian Schneider brauchte nur wenige Monate, um festzustellen, dass ein Jurastudium nichts für ihn ist. Zum Glück für die Bremer Domgemeinde. Denn seit dem 15. April ist der 44-Jährige das neue Gesicht in der Innenstadtkirche. Der Domkonvent wählte ihn vor einigen Monaten zum Nachfolger von Pastor Peter Ulrich, der 2019 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Mit einem Festgottesdienst im Dom sollte Sebastian Schneider am 3. Mai offiziell in sein Amt eingeführt werden. Da aufgrund der Corona-Maßnahmen derzeit keine Gottesdienste stattfinden dürfen, wurden die Einführung sowie der anschließende Empfang verschoben. Der neue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

„Ich bin in einem Pfarrhaus groß geworden. Mein Vater war Pastor, das hat mich sicherlich geprägt. Vielleicht brauchte ich einfach den kleinen Umweg über die Juristerei“, erzählt Schneider schmunzelnd. Geboren in der Nähe von Göttingen, wuchs er ab dem Alter von drei Jahren in der Grafschaft Bentheim auf. Nach dem Abitur leistete er 1995 seinen Zivildienst an einer ökumenischen Begegnungsstätte ab. Hier begegnete er Hermann Wever, Jahrgang 1915 und Pastor im Ruhestand. Er war es, der in ihm den Theologen und nicht den Juristen sah. „Wever war eine unheimlich interessante Persönlichkeit und absolute Respektsperson für mich. Nicht nur, weil er quasi hellsehen konnte, wie mein beruflicher Weg verlaufen sollte und mich darin bestärkt hat.

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Er war während des Dritten Reichs im kirchlichen Widerstand aktiv“, erzählt Schneider. „Damit gehörte er damals sicherlich auch innerhalb der Kirche zur Minderheit derer, die nach 1933 klar sahen, wohin es mit Deutschland ging. Er studierte Theologie an der neu gegründeten Kirchlichen Hochschule Wuppertal. Schon das an sich war ein Akt des Widerstands, weil diese Einrichtung 1935 in Opposition zu Nazieinflüssen auf Theologie und Kirche gegründet worden war. Ich erinnere mich gut an seine Geschichten, besonders an eine Episode. Wever nahm an einem konspirativen Treffen von Studenten teil. Wenige Minuten, bevor die Zusammenkunft von der Gestapo gestürmt und aufgelöst wurde, bekamen die Studenten einen Hinweis und Zettel mit Namen und Adressen wurden aufgegessen. Die Zeitzeugenberichte haben mich damals wie heute tief beeindruckt.“

„Auf dem Land kommt man den Menschen sehr nah"

Nach seinem kurzen Jura-Gastspiel in Marburg, studierte Schneider Evangelische Theologie in Bielefeld und Münster. Nach seinem Examen ging er 2004 für das zweijährige Vikariat ins ostfriesische Hinte, um seine Ausbildung zum Pastor abzuschließen. Seine erste Stelle trat er dann in der Nähe von Leer an, im Moormerland. Zwei Jahre war er dort, bis er 2008 wieder nach Hinte zurückkehrte. „Das war ein Stück weit wie nach Hause kommen. Die Gemeinde war mir einfach sehr vertraut“, erinnert er sich. „Auf dem Land kommt man den Menschen sehr nah, man kennt sich untereinander. Die Kirche ist immer noch ein wichtiger Integrationsmotor und identitätsstiftend für dörfliche Regionen.“

Doch nach zwölf Jahren war es Zeit für eine Veränderung, um noch einmal etwas Neues zu wagen. Der Umzug nach Bremen sei für ihn auch die Möglichkeit gewesen, einmal städtischer zu arbeiten und zu wohnen. Er freue sich auf die neuen Herausforderungen, denen er mit großer Begeisterung aber ebenso Respekt entgegenblickt. Und: Auch die Familie hat dem Ortswechsel schnell zugestimmt. „Meine Frau kommt aus Norddeutschland. Sie kannte Bremen und konnte sich gut vorstellen, hier zu leben“, erzählt Schneider. Seit Mitte April wohnt das Paar mit seinen zwei Kindern jetzt im Pfarrhaus in der Sandstraße.

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Gemeinsam mit seinen Kollegen Christian Gotzen und Henner Flügger sowie seiner Kollegin Ingrid Witte kümmert er sich um die mit etwa 11.000 Mitgliedern größte Gemeinde der Bremischen Evangelischen Kirche. Für den neuen Domprediger ist der persönliche Kontakt enorm wichtig. Darüber hinaus wünscht er sich, die Jugend verstärkt zu integrieren. „Die Begegnungen mit Menschen machen für mich den besonderen Reiz meines Berufes aus. Wir sind nicht nur Sprachrohr des Evangeliums, sondern ein Gesprächspartner für Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Als Pastor erfährt man die ganze Spannweite des Lebens und begleitet Menschen bei wichtigen Stationen wie Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung.

Neue Wege gehen

Eine neue Gemeinde sei immer auch ein kleines Abenteuer, freut sich Schneider. Er wolle sich den Menschen zuwenden, auf ihre Lebenswelt eingehen, dabei ihren Glauben stärken und gleichzeitig Zweifel ernst nehmen. Der Theologe denkt dabei besonders auch an die jüngeren Mitglieder. „Wir müssen neue Wege gehen, um Kindern und Jugendlichen christliche Werte näherzubringen.

Ein Konfirmandenunterricht, der Spaß macht und in dem die jungen Menschen mit ihren eigenen Themen vorkommen, prägt den Glauben und das Verhältnis zur Kirche positiv. Es muss uns gelingen, die Lebenssituation der Mädchen und Jungen mit unserer christlichen Tradition zu verbinden“, wünscht er sich. Ein weiteres Anliegen sei ihm, Brücken zu schlagen zu anderen Gruppen und Glaubensgemeinschaften. Denn gemeinsame Ziele erreiche man nicht dadurch, in den eigenen Mauern zu bleiben, sondern in dem man offen sei für den Austausch und für Kooperationen.

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