Mit dem Rollstuhl ins Museum Drei Stunden sind zu kurz

Die Rollstuhlfahrerin Janthe Schröder kommt gern von Scheeßel nach Bremen, um die Kunsthalle zu besuchen. Ein Wermutstropfen für sie sind allerdings die knapp bemessenen Haltezeiten vor der Kunsthalle.
09.03.2020, 05:51
Lesedauer: 3 Min
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Drei Stunden sind zu kurz
Von Sigrid Schuer

Janthe Schröder, die in Bremen aufgewachsen ist und lange im Ortsteil Peterswerder gewohnt hat, ist ein absoluter Kunst- und Kultur-Fan. Erst neulich ist sie im Focke-Museum gewesen und sie fährt von Scheeßel auch durchaus mal gern ins nahe gelegene Hamburg. An diesem Tag steht für die Diplom-Geologin und ihre Tante Inge die „Ikonen“-Ausstellung in der Kunsthalle auf dem Programm. Doch bereits bei der Ankunft vor dem Museum fühlen sich die beiden gestresst. Denn vor der Kunsthalle steht das Schild, das darauf hinweist, dass die Behindertenparkplätze nur eine Verweildauer von drei Stunden haben.

Zwar ist auf Intervention des Landesbehindertenbeauftragten Joachim Steinbrück dieser Zeitraum gerade vom Amt für Straßen und Verkehr um eine Stunde, von ehemals zwei auf jetzt drei Stunden, verlängert worden. „Dafür bin ich ihm auch wirklich dankbar, aber mir ist das trotzdem immer noch zu wenig. Es ist einfach eine nette Idee, macht die Sache aber nicht besser“, sagt Janthe Schröder, die seit sieben Jahren im Rollstuhl sitzt. Denn mit Rollstuhl dauere nun mal alles länger, ob das Aussteigen aus dem Auto oder der Gang zur Toilette.

Im November hatte sie eigens deswegen bei dem Landesbehindertenbeauftragten interveniert. Schröder fühlt sich gestresst. Besonders für die „Ikonen“-Ausstellung, bei der das ganze Museum bespielt wird, brauche sie mehr Zeit: „Schließlich möchte ich in aller Ruhe ins Café Sylvette und in den Museumsshop gehen“. Und überhaupt: „Was ist eigentlich, wenn jemand alle drei benachbarten Museen auf einmal besuchen möchte? Dann reichen die drei Stunden schon gar nicht. Schließlich liegen Kunsthalle, Gerhard-Marcks-Haus und Wilhelm-Wagenfeld-Haus in unmittelbarer Nachbarschaft“, betont die 46-Jährige.

Ihr Vorschlag: Weshalb nicht ein bis zwei Jahre einen Versuch wagen und die zeitliche Beschränkung ganz aufheben? „Ich glaube auch nicht, dass hier jemand parken würde, der nicht das Museum besuchen, sondern nur in die Innenstadt gehen will“, sagt Schröder. Denn dazu sei der mit Kopfstein und Schienen gepflasterte Weg über die Domsheide viel zu beschwerlich. Es müsste doch darum gehen, dass Menschen mit Einschränkungen die gleichen Rechte wie nicht-behinderte Menschen haben sollten. Schröder arbeitet selbst bei der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) im Landkreis Rotenburg und war unter anderem beim Kirchentag für die Einhaltung der Barrierefreiheit verantwortlich. „Wenn der Behindertenparkplatz lediglich für drei Stunden zur Verfügung steht, dann müsste auch eigentlich vom Museum ein Drei-Stunden-Ticket verkauft werden“, sagt Janthe Schröder.

Auf Anfrage des WESER-KURIER nimmt dazu Martin Stellmann vom Amt für Straßen und Verkehr Stellung: „Dieses Anliegen von Frau Schröder wurde im letzten Monat an uns herangetragen. Wir agieren in solchen Fällen grundsätzlich entgegenkommend, müssen aber auch die Rahmenbedingungen beachten. In Abstimmung mit der Kunsthalle, auf deren Betreiben die in Rede stehenden Parkplätze seinerzeit eingerichtet wurden, haben wir die Parkdauer kurzfristig auf drei Stunden ausgeweitet. Grund ist, dass bei einer Öffnungszeit der Kunsthalle von sieben Stunden täglich bei der Nutzung der Parkplätze zwei Besucherinnen und Besucher der Parkraum zur Verfügung stehen soll“.

Stellmann weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass mobilitätseingeschränkte Menschen zudem einen individuellen Anspruch auf Parkerleichterung hätten, der allerdings beantragt werden müsste. Die werde dann ausgestellt, wenn im Schwerbehindertenausweis oder im Bescheid des Versorgungsamtes die Merkmale „aG“ (außergewöhnlich gehbehindert) oder „BI“ (blind) eingetragen wurden. Diese Ausnahmegenehmigung berechtigt zum Parken auf den entsprechend ausgewiesenen Behindertenparkplätzen, zum kostenlosen Parken auf Parkplätzen, die mit Parkuhren oder Parkscheinautomaten bewirtschaftet sind oder zum Parken in Bewohnerparkgebieten bis zu drei Stunden. Es ärgert Janthe Schröder aber noch etwas anderes: Oft seien die Parkplätze in Bremen zu schmal bemessen und deswegen für Behinderte nur schwer zu nutzen. Zumindest in der Überseestadt sollte es doch möglich sein, da Abhilfe zu schaffen, findet sie. Denn wenn die Betroffenen nicht den Mund aufmachten und nachfragten, dann ändere sich gar nichts.

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