"Masters of Dance" auf Prosieben Ehemalige Bremerin tanzt sich ins Finale

Die ehemalige Bremerin Jennifer Freitag-Praxmarer steht seit Donnerstagabend im Finale der Tanz-Castingshow „Masters of Dance“. Ihr Weg dorthin war lang.
04.01.2019, 14:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Kim Torster

Es war Ende September, als Jennifer Freitag-Praxmarer zum ersten Mal auf der Bühne der Prosieben-Studios in Köln stand. Das Licht wurde gedimmt, das Publikum begann im Takt der Musik zu klatschen und vier Juroren warteten darauf, von ihr überzeugt zu werden: Der Moment, als Freitag-Praxmarer einfach ausschaltete, wie sie sagt. Vorab hatte sie ein Video mit der Choreografie, die sie vortragen wollte, eingeschickt.

Jetzt war alles hinfällig. Die Bewegungen kamen von allein: Mit ernstem Gesichtsausdruck ließ sie die Hände über den Körper gleiten, als wollte sie sichergehen, dass noch alle Gliedmaßen an Ort und Stelle sind, begann dann mit den für den Tanzstil Popping typischen mechanischen Bewegungen inklusive aprupter Stopps. Und sie schrie. Ein langer, lauter Schrei, der trotz eines fehlenden Mikrofons im Studio und Fernsehen zu hören war – alles ein Teil ihrer improvisierten Performance, nichts davon geplant.

Eine abstrakte, ernste und vor allem künstlerische Vorstellung einer sonst fröhlichen Frau mit bunter Kleidung und blonden Locken. Wenige Minuten später wählte der Juror und Gründer der Flying Steps Vatan Bassil Freitag-Praxmarer in sein Team. „Sie ist außergewöhnlich, da gehört sehr viel Mut dazu“, sagte er über die 25-Jährige.

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Mittlerweile ist Freitag-Praxmarer im Finale der Tanz-Castingshow „Master of Dance“ des Privatsenders Prosieben. Profi-Tänzerin war sie zu diesem Zeitpunkt schon längst, stand unzählige Male selbst auf der Bühne und vor der Kamera: unter anderem als Backround-Tänzerin von Sängern wie Thomas Anders, Vanessa May oder Luca Hänni. Die Castingshow kam eher unverhofft in ihr Leben. Das Produktions-Team kontaktierte sie über die Sozialen Netzwerke: Ob sie nicht mitmachen wolle? „Go with the flow“, dachte sie sich und sagte zu.

Von Ballett zu Britney Spears

Das Tanzen spielte im Leben von Jennifer Freitag-Praxmarer immer schon eine große Rolle. Als Vierjährige begann sie mit Ballett, als Zwölfjährige entdeckte sie Britney Spears – und wechselte zu Dance for Fans, einem Tanzstil, bei dem es darum geht, Videoclips nachzutanzen.

Freitag-Praxmarer, die ihre Schulzeit in Bremen verbrachte, tanzte dann bei den Bremer Tanzschulen Renz und später, als sie zu Hip-Hop wechselte, bei der Tanzschule Leihhausen. Dort kam sie auch zu ihrem Tanz-Spitznamen: Tweety. Ein Fotograf hatte damals ein Bild von ihr mit dem Namen des Cartoon-Kanarienvogels beschriftet. Ihr Tanzlehrer übernahm den Namen. Bis heute hat er sich gehalten. Freitag-Praxmarer hat sich sogar ein Bild von Tweety dem Kanarienvogel tätowieren lassen. Das Foto hat sie nicht mehr.

Spätestens seit ihrer Jugend, gab es für die ehemalige Bremerin dann nur noch das Tanzen. „Schule war für mich eher nebensächlich“, sagt Freitag-Praxmarer. „Ich war kein Vorzeige-Teenager.“ Hinzu kam ein „schwieriger Freundekreis“. Sie seien damals viel um die Häuser gezogen. Das Tanzen habe sie letztendlich vor dem Abrutschen bewahrt. Das ständige Training habe sie davon abgehalten, zu oft auszugehen. „Tanzen war mir immer schon wichtiger als alles andere“, sagt sie.

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Nach der Schule begann sie Ausbildungen im Einzelhandel und in einem Hotel. Beides beendete sie vorzeitig. Sie habe immer schon gewusst, dass das Tanzen ihr Beruf sei. Aber ihr Vater war skeptisch.

In New York lernte sie Tanzen "an sich selbst anzuwenden"

In Hannover begann sie schließlich eine Ausbildung zur Tanzlehrerin – und schloss sie erfolgreich ab. „Da war dann auch mein Vater zufrieden“, sagt sie. Später studierte sie zusätzlich in New York am Broadway Dance Center. „In New York“, sagt Freitag-Praxmarer, „lernte ich Tanzen an mir selbst anzuwenden.“ Hier verarbeitete Freitag-Praxmarer eine Beziehung mit einem Mann, der sie kontrollierte und misshandelte. Neun Monate war sie mit ihm zusammen. Das Tanzen verbot er ihr.

Als sie sich endlich vom ihm trennte, begann sie auch wieder zu tanzen. Bis heute gab es keine weitere Unterbrechung. Freitag-Praxmarer sagt, sie sei dankbar für diese Erfahrung. Viele ihrer Tanz-Schülerinnen seien in der gleichen Situation, wie sie damals. Denen könne sie nun helfen. Seit 2015 arbeitet sie als Tanzlehrerin – erst an einer Tanzschule in Hannover, mittlerweile in Köln. Vor dem Beginn der Castingshow, habe sie außerdem einen Tanzkurs im Gefängnis gegeben. Nach dem Ende von „Masters of Dance“ möchte sie damit weitermachen. Tanzen als Therapie, das sei ihre Message.

Obwohl Freitag-Praxmarer nicht geplant hatte, an „Masters of Dance“ teilzunehmen, war sie vor den Auditions sehr aufgeregt. „Ich wusste nicht, was auf mich zukommt. Ich habe meine eigenen Tänze noch nie vor einem so großen Publikum aus Nicht-Tänzern vorgetragen“, sagt Freitag-Praxmarer. Ihr Trick in solchen Situationen sei es, sich in ein Kind zu versetzen: „Kindern ist es egal, was andere denken“, sagt sie. Als Juror Vatan Bassil sie in sein Team wählte, sei das trotzdem „überraschend emotional“ für sie gewesen, sagt sie. Eine Kamera-Nahaufnahme zeigte ihre wässrigen Augen.

Das Preisgeld wird geteilt

Wenn sie das Finale am 10. Januar gewinnt, erhält sie 50.000 Euro Preisgeld. Freitag-Praxmarer wird es dann mit ihrem Team aus der Show teilen. „Das haben wir im Team so abgemacht“, sagt sie. „Egal, wer von uns gewinnt, ohne die anderen hätten wir es nicht geschafft.“

Freitag-Praxmarers großes Ziel ist es jetzt, nach New York zu gehen: dort als Tänzerin und Tanzlehrerin zu arbeiten. Vielleicht einmal mit Britney Spears oder Missy Elliott auf der Bühne stehen – ihre Idole aus Teenie-Zeiten. „Und dann möchte ich vielleicht irgendwann nach Bremen zurückkommen. Meine Heimat“, sagt sie. „Aber erst will ich die Welt sehen.“

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