Konkurrenz zwischen Zeitung, Radio und TV

Ein besonderes Verhältnis

Die Medienbranche steht unter Druck. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Die Intendanten von ZDF und Radio Bremen sprachen bei einem Symposium über neue Herausforderungen – und ernteten nicht nur Applaus.
21.01.2020, 20:16
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Von Rebecca Sawicki
Ein besonderes Verhältnis

ZDF-Intendant Thomas Bellut war zu Gast in Bremen.

Daniel Bockwoldt/dpa

Lügenpresse und Fake News – Vertreter der Medien sehen sich und ihre Berichterstattung immer häufiger mit Anfeindung und Misstrauen konfrontiert. Die Medienbranche steht unter Druck. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Er und seine Herausforderungen waren Thema des zweiten Heinrich-Albertz-Symposiums in der Kulturkirche St. Stephani.

Yvette Gerner, Intendantin von Radio Bremen, und ZDF-Intendant Thomas Bellut waren am Montagabend in der Kulturkirche zu Gast und haben sich den Fragen des Publikums gestellt. Kritisch äußerte sich an diesem Abend David Koopmann, Vorstand der Bremer Tageszeitungen AG. Er wies mit Blick auf das kostenfreie Internetangebot von „Buten un Binnen“ darauf hin, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht in Konkurrenz mit der Zeitungslandschaft stehen dürfe. Zeitungsverlage müssen sich jeden Tag beweisen, um Abonnenten zu gewinnen und zu halten. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk kann sich, ungeachtet von Nutzung und Akzeptanz, Monat für Monat auf feste Einnahmen verlassen.

„Ich halte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für wichtig, wenn es ihn nicht gebe, müsste man ihn erfinden. Nur sollte sich im digitalen Angebot kein Wettbewerb ergeben“, erklärte er im Anschluss an die Redebeiträge der Intendanten. Fernsehen und Radio seien auf Film und Ton spezialisiert, so sollten sie es auch auf ihren Webseiten handhaben. Dadurch, dass allerdings Berichte in Bild- und Textform aufbereitet werden, stünden diese in direkter Konkurrenz zu den Onlineangeboten von Printmedien.

Yvette Gerner nahm die Kritik an, verwies aber auch auf das besondere Verhältnis in Bremen. Dadurch, dass beide Medienhäuser sich auf Bremen und Umgebung spezialisiert hätten, kämen sie sich auch öfter ins Gehege als andere Rundfunkanstalten und die freie Presse. „Wir machen die Berichterstattung, weil die Themen wichtig sind und wir einen Auftrag haben – und nicht wegen der Reichweite“, erklärte sie. Dennoch stehe sie einer engeren Zusammenarbeit von Zeitungen und den Rundfunkanstalten offen gegenüber.

„Die Frage ist, ob die Gesellschaft uns braucht“, eröffnete Thomas Bellut seine Rede über die Herausforderungen der Rundfunkanstalten. Man brauche ein dickes Fell, um mit der Kritik umgehen zu können. „Wir sind nicht mehr unumstritten. Helfen können Faktentreue, Standards und kritisches Hinterfragen.“ Für Bellut war klar, dass Medien- und Pressefreiheit Indikatoren für die Freiheit einer Gesellschaft darstellen.

Gerner stellte fünf Thesen auf, wie die Öffentlich-Rechtlichen besser werden können. Sie forderte darin, dass sich die Themensetzung mehr an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientieren sollte. Wichtig sei auch Diversität innerhalb der Redaktion. Außerdem wolle sie eine lebendigere Debattenkultur fördern. Mehr Augenmerk wolle sie künftig auf die digitale Expertise legen.

Einig waren sich die Intendanten auch darüber, dass in den öffentlich-rechtlichen Medien, die von der Gesellschaft finanziert werden, die ganze Gesellschaft abgebildet werden müsse. „Wir wollen die Bevölkerung zusammenhalten“, sagte Bellut.

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