City 46

Ein bisschen wie Berlinale

Das City46 lockte dieses Jahr zum sechsten Mal mit einem exklusiven Filmangebot für Kinder und Jugendliche. Diesmal auch mobil.
25.09.2019, 17:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Magali Trautmann
Ein bisschen wie Berlinale

Trotz schönen Wetters zog es zahlreiche Jugendliche ins Kino.

Magali Trautmann

„Wir hatten kein Glück mit dem Wetter, leider“, seufzt Matthias Wallraven, „bei 25 Grad und Sonnenschein lockt es nicht so viele Besucher ins Kino.“ Trotzdem war der Leiter des einwöchigen Bremer ­Kinder- und Jugendfilmfests (Kijuko) mit dem Eröffnungswochenende zufrieden: „Bei 60 Besuchern wirkt der große Saal schon voll!“ Das City46 lockte dieses Jahr zum sechsten Mal mit einem exklusiven Filmangebot für Kinder und Jugendliche in seine beiden Säle, die zusammen 240 Personen fassen. Als Zusatzangebot gab es außerdem die Möglichkeit, an einem Trickfilmworkshop teilzunehmen. Ein weiteres Highlight des Filmfests war die Anwesenheit von Filmemachern, denen die jungen Zuschauer Löcher in den Bauch fragten.

Zum Eröffnungswochenende reiste Neele Leana Vollmar an, Regisseurin von „Mein Lotta-Leben. Alles Bingo mit Flamingo“. Die gebürtige Bremerin freut sich immer, wenn sie in die Hansestadt eingeladen wird: „Das ist wie nach Hause kommen“, schwärmt sie. „Mein Lotta-Leben“ ist Vollmars dritter Kinderfilm und eine Adaption der gleichnamigen Kinderbuchreihe von Alice Pantermüller. Der Film wird wie die literarische Vorlage aus der Perspektive von Lotta erzählt. Die elfjährige Schülerin führt darin Tagebuch und wendet sich beim Erzählen direkt an ihre Zuschauer. Vollmars Adaption gibt eine Geschichte wieder, in der Lotta und ihre Freundin Cheyenne nicht zu einer angesagten Party eingeladen werden und alles daransetzen, doch noch irgendwie hinzukommen.

Als ein weißes Kaninchen fast von einem beliebten Teenie-Idol überfahren wird, kommt ihnen die rettende Idee. „Ob die Kaninchen im Film echt waren?“, wurde Vollmar nach der Vorführung von den Kindern gefragt. „Mehr als echt!“, lautete Vollmars Antwort, sogar so echt, „dass sie während der Dreharbeiten ­immer mehr wurden und die Crewmitglieder welche mit nach Hause genommen haben.“ Nur die Flamingos, die waren animiert. „Nach der Vorführung von Erik Schmitts Film „Cleo“ haben die Kinder gar nicht mehr aufgehört zu fragen“, erzählt Wallraven. „Was ist deine Lieblingsfigur im Film?“ „Ist „Cleo ein Erwachsenen- oder ein Kinderfilm?“, wurde der Berliner Regisseur gefragt. Die letzte Frage gab Moderator Wallraven zurück ans junge Publikum und entschied salomonisch, Cleo sei ein Familienfilm im besten Sinne. Es ist ein modernes Großstadtmärchen um die titelgebende Hauptfigur, die sich mit Freunden auf die Suche nach einem Schatz quer durch Berlin begibt. Schmitts Langfilmdebüt eröffnete in diesem Jahr die Kinder-Sektion der Berlinale.

Am Eröffnungswochenende liefen auf dem Kijuko außerdem noch die Filme „Roads“ von Sebastian Schipper und „Sune vs. Sune“ von Jon Holmberg. „Sune vs. Sune“ stellte sich für Wallraven als echte Herausforderung heraus, da er den schwedischen Film mit englischen Untertiteln live auf Deutsch einsprechen musste. Das habe aber gut geklappt, so der erfahrene Filmvermittler. Ein solches Live-Feeling lasse einen Hauch von Berlinale aufkommen. Und wenn Kinder den Glanz des Filmfests nicht im Kino genießen können, kommt das Kino zu ihnen: Das „Kijuko unterwegs“-Team bietet in diesem Jahr kostenlose Filmvorführungen in den Stadtteilen Blumenthal und Vegesack an.

Alle Filme des Kijukos laufen außerdem unter der Woche noch einmal vormittags in Schulvorstellungen. „Das wird gut angenommen“, so Wallraven. „Wir erwarten um die Tausend Schüler.“ Zum ersten Termin war der große Saal tatsächlich bereits so voll, dass das Kommunalkino kurzerhand eine Parallelvorstellung im kleinen Saal organisierte. Der gezeigte Film, „Roads“, schien aber ob des permanent andauernden Lärmpegels in beiden Sälen nicht den Nerv der jugendlichen Zuschauer zu treffen. „Das war ein langsamer Film ohne Spannung“, bemerkte eine Klassenlehrerin hinterher, „die Szenen waren zu lang, es wurde nur geredet und die Musik hat mich irre gemacht. Kein Wunder, dass viele unruhig waren und aufs Klo sind.“

Der überwiegend nachts erzählte Film über zwei ungleiche, fast volljährige Jungs, die der Wunsch nach Freiheit zusammenführt, erfordert in der Tat eine hohe Konzentrationsfähigkeit. Doch so unterschiedlich kann die Filmwahrnehmung sein: Laut hauseigener Abstimmungsmaschine, konstruiert vom ehemaligen Leiter des City46, Alfred Tews, bewertete dennoch die Mehrheit an diesem Montagmorgen den Film als positiv oder konnte ihm zumindest ein Lächeln abgewinnen – angesichts der drei zur Auswahl stehenden Smileys ein eindeutiges Ergebnis.

Wie das Ergebnis der Bremen-Vier-Kinderjury ausfallen wird, ist noch offen. Unter Begleitung von Johanna Schlockwerder und mithilfe von Bewertungsbögen vergeben sie Noten für ihren Lieblingsfilm. Bis Sonntag, 29. September, um 16 Uhr haben die drei Mädchen und zwei Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren noch Zeit, aus den sechs Filmen ihren Favoriten auszuwählen. Dann müssen sie sich auf einen Sieger geeinigt haben.

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