Restaurantbesprechung Ein Restaurant, das sein Konzept finden muss

Gerade bei diesen Temperaturen sitzt es sich abends vor dem Bandonion in der Getrudenstraße richtig gemütlich. Dazu ein Gläschen Wein. Das hat was. Aber um lukullisch zu jubilieren, fehlt einiges.
23.08.2018, 09:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ein Restaurant, das sein Konzept finden muss
Von Marcel Auermann

Das Bandonion im Viertel scheint seine Linie, zumindest was die Küche angeht, nicht gefunden zu haben. Oliven, Knoblauchbaguette, Tsatsiki – braucht ein Gast so etwas als Vorspeise, wenn er nicht gerade in einem griechischen Restaurant Platz genommen hat? Und selbst dann gibt es viele andere Köstlichkeiten der südländischen Küche, die ich da bevorzugen würde: Taramas, Kopanisti, gefüllte Weinblätter, eine pfiffige Linsensuppe und, und, und. Zu allem kam noch, dass wir als kleinen Gruß vorweg schwarze Oliven und ein leicht warmes Brot bekamen. Weshalb also eine Portion Oliven für 2,90 Euro bestellen, wenn sie ohnehin ungefragt geliefert werden. Hier stimmt also irgendetwas nicht.

Ein zäher Anfang

Um es kurz zu machen: Wir blätterten die Speisekarte vor und wieder zurück. Wir fanden keine Vorspeise, die uns im Bandonion sofort angesprochen hätte. Wir wichen an einem warmen Sommerabend auf eine Fischsuppe aus. Wie gesagt: unsere zweite Wahl und für 7,90 Euro bei dieser Größe des tiefen Tellers und des recht normalen Geschmacks ein üppiger Preis. Dazu tranken wir einen offenen Riesling Kabinett (0,5 Liter für 15,60 Euro), der sehr sanft, ja zu sanft war, kaum ein Bouquet besaß und über die Zunge recht geschmacksarm die Kehle hinunterfloss. Der Anfang im Bandonion geriet etwas zäh - wäre da nicht den kompletten Abend über die sehr freundliche Kellnerin gewesen, die mit ihrem herzerfrischenden Lächeln und ihrer Sympathie Vieles wett machte.

Lesen Sie auch

Der Service brachte die Bremer Fischpfanne (19,50 Euro) tatsächlich in einer kleinen Pfanne an den Tisch. Darin befand sich eine mächtige Portion sahnige Gemüsesenfsoße, die aber den Geschmack der dreierlei Fischfilets völlig überdeckte. Die leckeren Bratkartoffeln lieferte die Küche zum Glück auf einem Extrateller. Von meinen gebratenen Lammkoteletts (17,90 Euro) mit Rotweinsoße war ich um einiges mehr angetan als vom Fisch meiner Begleitung. Doch der Blattspinat, der unter den zarten Lammkoteletts lag, war deutlich zu lange gedünstet, weshalb er zu einem kleinen Häufchen Elend zusammensackte. Die Kartoffeln hatten leider den Geschmack des Rosmarins kaum aufgenommen. Zudem waren die Kartoffelspalten an vielen Stellen ausgetrocknet. Ich stach lieber ab und an die Gabel in die Bratkartoffeln meiner Begleitung.

Das Cassata hob die Stimmung

Der Nachtisch hob letztlich die Stimmung. Mein Gegenüber ließ sich begeistert über das Cassata (6,90 Euro), eine italienische Eisbombe, aus, die der Koch auf einem großen Glasteller anrichtete und daneben einen Klecks Erdbeersoße, Ananasscheiben und Honigmelone verteilte. In der Tat schmeckte das Cassata köstlich und erinnerte an Panettone, die Mailänder Kuchenspezialität - nur eben gefroren als Eis. Da hätten wir gleich noch eine Portion genommen. Mein Schokosoufflé erreichte den Tisch leider nicht mehr locker, luftig, leicht, wie es die Eigenart eines Soufflés ist. Es war schon in sich zusammengefallen. Dennoch ging das Küchlein mit seinem warmen Kern in Ordnung.

Lesen Sie auch

Was also ist das Bandonion? Ist es griechisch? Ist es italienisch? Ist es deutsch? Es ist irgendwie alles, aber nichts richtig. Leider. Denn im Innern präsentiert sich das Restaurant durch die teils unverputzten (Ziegelstein-)Wände, die kupferbeschlagene Bar und dunklem Holz mit einem warmen Charme. An den Wänden hängen Kunstwerke, die regelmäßig wechseln. Das Bandonion könnte also ein nettes Lokal zu akzeptablen Preisen sein, wenn an einigen Stellschrauben gedreht wird.

Fazit: Gerade bei diesen Temperaturen sitzt es sich abends vor dem Bandonion in der Getrudenstraße richtig gemütlich. Dazu ein Gläschen Wein. Das hat was. Aber um lukullisch zu jubilieren, fehlt einiges.

Bandonion, Gertrudenstraße 37, 28203 Bremen, Telefon: 0421 71832, Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag ab 18 Uhr, Küchenöffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 18 bis 22 Uhr, Freitag und Samstag von 18 bis 22:30 Uhr und Sonntag von 18 bis 22 Uhr, teils barrierefrei, Internet: www.bandonion-bremen.de

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+