Restaurantbesprechung

Ein Stückchen Frankreich in Bremen

Das Katzen-Café ist alles, nur kein Katzen-Café. Und man muss sagen: Zum Glück! Denn das Stück Frankreich, das einem im Schnoor geboten wird, ist viel mehr Wert und viel, viel besser.
29.08.2018, 19:38
Lesedauer: 3 Min
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Ein Stückchen Frankreich in Bremen
Von Marcel Auermann
Ein Stückchen Frankreich in Bremen

Geschäftsführerin Jeanette Steinbart holt mit Koch Michael Ringwald im Katzen-Café das Flair Frankreichs in den Schnoor.

Kuhaupt

Katzen-Café – da denkt der Gast an Vierbeiner, die einem um die Füße schwänzeln, während er seinen Kaffee trinkt und ein Stück Kuchen isst. Vielleicht noch daran, dass es ums Kuscheln, ums Schmusen geht – und dass Gäste, die eher Hunde lieben, dort gar nicht hineingehen sollten.

Aber alles nicht zutreffend. All diese Gedanken sollte man sofort aus seinem Gedächtnis streichen, den Namen einfach hinnehmen und sich darüber keine weiteren Gedanken machen. Ist halt so. Belanglos, da ihn selbst die, die es wissen müssten, also die Betreiber, nicht erklären können.

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Stattdessen handelt es sich beim Katzen-Café im Schnoor um ein Bistro, eine Brasserie wie man sie im Ursprungsland kaum besser antrifft. Ein Stück Frankreich mitten im Schnoor.

Wir traten ein durch einen schweren Vorhang, der zugleich als Windfänger dient, standen in einem verwinkelten Raum mit Etagen, Nischen und vielen kleinen Tischchen, die alle recht eng beieinander standen und fanden uns schließlich wieder an einem rot-weiß gedeckten Tisch mit einem üppigen Blumenarrangement und Heizstrahler im Rücken.

Doch das ist das typische Flair eines Restaurants in Frankreich, das sich gerne mal im gewölbten Keller oder im Souterrain befindet. Alles besitzt eine wohlige Wärme und man fühlt sich, obwohl manches improvisiert erscheint, unglaublich kommod. Da könnten also die einzige Parallelen zu den Assoziationen eines Katzen-Cafés bestehen. Ansonsten handelt es sich um ein richtig gutes Lokal im besten französischen Stil. C’est très bien!

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Flugs trug die Kellnerin das Butterschälchen mit tollem krossen Baguette an unseren Tisch und wir naschten und naschten. Dazu tranken wir einen Wein. Die Getränkekarte beinhaltet nur Flaschenweine. Wer sich nur ein Glas gönnen möchte, bekommt lediglich weiß und rot geboten.

Das ist etwas bedauerlich für ein Lokal, das sich an einem Land orientiert, wo schon in der Mittagspause gerne das erste Glas Wein auf dem Tisch steht und eine herrliche Auswahl an Trauben an den Reben hängt. Nun ja, wir entschieden uns für einen offenen Roten (0,2 Liter für 6,90 Euro), Château de genibon, der jedoch voluminös und üppig schmeckte, was uns besänftigte.

Fast typisch ging meine Begleitung an die Vorspeise heran und bestellte eine Elsässer Schneckenpfanne (8,50 Euro), die auch als solche serviert wurde. Eine heiße Keramikplatte mit sechs Einbuchtungen, in denen sich die Schnecken samt der tollen Mischung aus Öl und Kräutern befanden.

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Dazu gab es eine zweite Ladung frisches Baguette. Was braucht es mehr. Eine köstliche Vorspeise. Ich entschied mich für Pulpo Pescaccio (15,50 Euro). Den Tintenfisch schnitt der Koch hauchdünn, legte ihn wie bei einem Carpaccio auf den Teller, träufelte Limonensaft und Öl darüber und verteilte ein paar Kapern. Auch das war ein schmackhafter Start in den Abend.

Und es ging nicht weniger lukullisch weiter. Den Normandie-Topf (18,50 Euro) präsentierte die Küche in einem netten, kleinen Kupfertöpfchen. Darin eine Mischung aus einer wunderbaren Riesling-Pfeffer-Sauce, zarten Filetspitzen und Champignons.

Auf einem Extrateller servierte die Kellnerin ein Kartoffelgratin, das zartschmelzend auf der Zunge zerging und eine gerade richtige Würze besaß. Das war schon klasse! Mein Coq au Vin (18,50 Euro) gab es auf einem normalen weißen Teller. Das Gericht gab also weniger etwas fürs Auge her. Sei’s drum.

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Aber der Geschmack! Das weiche Hähnchenfleisch hatte beim Garvorgang den Wein in sich aufgesogen und war mürbe, weshalb es bei der kleinsten Berührung mit dem Messer vom Knochen des Schenkels fiel. Wow. Die mitgelieferten Karotten schmorten mit in der Weinsoße, sodass sie ebenfalls die volle geschmackliche Kraft entfalteten, die das Gericht insgesamt hatte. Kein Wunder, dass kein Tropfen der Soße auf dem Teller blieb. Zu beiden Vorspeisen fällt mir nur ein: c’était génial.

Wie könnte das Ende eines Abends in einem Bistro, in einer Brasserie anders aussehen, als dass man eine Crême brulée (7,50 Euro) und eine Mousse au chocolat (8,50 Euro) bestellt. Beides bildete einen runden Abschluss. Die Crême brulée sahnig und vanillig im Geschmack. Natürlich fehlte auch die knackende Zuckerkruste nicht. Das Mousse au chocolat war luftig geraten und besaß einen zartschmelzenden Schokoladenhauch.

Nach diesem Abend konnten wir uns vorstellen, weshalb Henning Scherf im Katzen-Café die Taufe und Konfirmation seiner Kinder feierte, Hans-Dietrich-Genscher, Renate Künast, Gerhard Schröder und Peer Steinbrück schon das Ambiente genossen und Otto Waalkes, Roger Moore und Udo Jürgens sich das Essen schmecken ließen. Um nur wenige aus der Promi-Besucherliste zu nennen.

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Fazit: Das Katzen-Café ist alles, nur kein Katzen-Café. Und man muss sagen: Zum Glück! Denn das Stück Frankreich, das einen im Schnoor erwartet, ist viel mehr Wert und viel, viel besser. Wer essen möchte wie im Nachbarland, ist hier richtig.


Katzen-Café, Schnoor 38, 28195 Bremen, Telefon: 04 21 / 32 66 21, Öffnungszeiten: täglich 12 bis 17 Uhr und 18 bis 0 Uhr, teils barrierefrei, Internet: www.katzen-cafe.de

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