Tag der offenen Tür

Ein toller Tag am Theater Bremen

Das Theater Bremen fuhr beim Tag der offenen Tür ein opulentes Programm quer durch alle Sparten auf. Besonders beliebt von jeher: der Kostümverkauf.
07.09.2019, 19:42
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Ein toller Tag am Theater Bremen
Von Sigrid Schuer
Ein toller Tag am Theater Bremen

Bad in der Menge: Die neu engagierte Sopranistin Mima Millo singt im Schlosscafé die Donna Anna aus Mozarts "Don Giovanni". Dazu gibt es Kaffee und Kuchen.

Christina Kuhaupt

Hunderte bunte Luftballons steigen zu Beginn des Spielzeit-Auftaktes über dem Theater am Goetheplatz in den grauen Frühherbst-Himmel. Dicht an dicht stehen die Menschen auf dem Goetheplatz. Die kunterbunt kostümierte Blechblas-Formation „Lauter Blech“ heizt dem Publikum tüchtig ein und bringt es zum Swingen. Schließlich begrüßt Generalintendant Michael Börgerding seine Gäste. Tanztheaterchefin Alexandra Morales läutet den Tag, der noch aufregend genug werden wird, mit entspannenden Yoga-Übungen ein.

„Damit wir nicht nur geistig geschmeidig bleiben“, betont Börgerding. Und viele dutzend Besucher des Tages der offenen Tür senden mit ihr gemeinsam den Sonnengruß zum Himmel. Das Programm quer durch alle Sparten, das das Theater Bremen auffährt und das bis in die späten Abendstunden reicht, ist ein wahrer Marathon für diejenigen, die an einem Tag alles erleben wollen. Viele der Besucherinnen und Besucher strömen nach einer kurzen Orientierungsphase erst einmal ins Theater am Goetheplatz zur Präsentation des Musiktheaters.

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Ensemble-Mitglieder haben es sich auf einem großen Ledersofa in ihrem Wohnzimmer auf der Bühne bequem gemacht, plaudern locker über die Produktionen der neuen Saison und singen Arien daraus. Die Mitwirkenden der Saison-Auftakt-Premiere am 20. September, des „Rosenkavalier“, nur per Video-Grußbotschaft, denn sie müssen schon wenig später unter der Leitung von Generalmusikdirektor Yoel Gamzou in der Probe zu Richard Strauss' Oper auf der Bühne stehen. So viel steht jedenfalls schon mal fest: „Die Inszenierung von Frank Hilbrich wird eine körperliche Herausforderung“, sagen sie.

Jede Menge Kohlköpfe auf der Bühne

Die Mitwirkenden aus Mozarts „Don Giovanni“ verraten so einiges über das Setting, so wird es im Bühnenbild zur Inszenierung von Tatjana Gürbaca (Premiere: 20. Oktober) jede Menge Kohlköpfe auf der Bühne geben. Christoph Heinrich singt mit sonorem Bass die Register-Arie des Leporello, des Dieners des adligen Libertins und Exzentrikers Don Giovanni, der sich brüstet, in Spanien sogar mit 1003 Frauen im Bett gewesen zu sein.

„Ach, das ist ja maßlos übertrieben“, winkt Mezzosopranistin Ulrike Mayer müde ab. „War übrigens sehr schön mit dir in der Badewanne“, so der Bass süffisant zu seinem Baritonkollegen. Von Esther Haase stammt das laszive Promo-Foto der beiden Sänger.

Dass Bariton Birger Radde einen Don Giovanni nach Maß abgeben wird, beweist er, als er Giovannis Ständchen mit zartesten Piano-Tönen und größter Stimmkultur interpretiert. Und Hyojong Kim gibt seinen Gegenspieler Don Ottavio ungemein stimmschön.

Später ist der koreanische Tenor mit seinen Kindern Jina und Jinsol auf dem St. Pauli Hof vor dem Kleinen Haus unterwegs. Drinnen präsentiert das Tanztheater-Ensemble abwechselnd Workshops und Showcases, also Ausschnitte aus aktuellen Choreos. Draußen tobt das pralle Leben, fantasievoll geschminkte Kids können sich kreativ austoben. Da werden Wände bemalt, Türme aus Holz zusammengeleimt, es wird gesiebtdruckt und schließlich stimmt Andy Einhorn Kinderlieder an.

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Überhaupt sind viele Theaterfans auf dem Gelände unterwegs, so wie Elombo Bolayela und Eva Quante-Brandt, neue Kulturdeputierte der SPD. „Die Besuche im Theater sind eine große Inspiration für mich“, betont sie. Gleiches gilt für Wolfgang Corpus, den eine besondere Geschichte mit dem Theater verbindet. „Ich habe seit 1957 hier am Bremer Theater acht Intendanten erlebt“, erzählt Corpus, der selbst sieben Jahre im Malersaal gearbeitet hat. Seine Favoriten: Albert Lippert, der auch selbst Regie führte und auf der Bühne stand und natürlich Kurt Hübner: „Er war wohl die größte Persönlichkeit!“ Aber der jetzige Intendant, Michael Börgerding, könne allen das Wasser reichen, fährt Corpus fort. Der Grund: „Er ist keine graue Eminenz und hat viele verschiedene Generationen ins Haus geholt“.

Der fabelhafte Liftboy

Jürgen Drallmeyer gibt in seiner schmucken, weinroten Uniform in dem Riesen-Lastenaufzug einen fabelhaften Liftboy mit grauen Schläfen ab. Er kutschiert die Kostümjäger auf und ab. „Wow, das ist hier ja wie in einem Raumgleiter“, staunt ein kleiner Junge nicht schlecht. Die Freundinnen Jennifer Sanderson und Lucy Meunier sind sich noch nicht so ganz schlüssig, ob es nun das silberfarbene Kunstleder-Teil oder ein langes weißes Kleid sein soll, ohne Frage ein Hingucker zu Meuniers rotem Haarschopf.

Fündig geworden sind bereits Rainer Halweg und Lothar Brix. Halweg angelt sich ein weißes Dinner Jacket vom Kleiderständer. „Das passt ganz prima, wenn ich mit meiner Combo 'Jazz geht's los' auftrete“, ist der Jazzmusiker mit seinem Fang zufrieden. Dass Lothar Brix Theater- und besonders Opern-Fan ist, versteht sich von selbst, denn er ist von Haus aus Musikwissenschaftler. Auch er präsentiert sein Schnäppchen: Ein Leinensakko mit passender Hose.

Als Andy Einhorn mit seiner Band schließlich den Nat King Cole-Klassiker „Unforgettable“ auf dem Goetheplatz spielt, sind sich viele einig: Unvergesslich und schön war er, dieser Tag am Theater.

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