Schneller Schulbau gefragt

Elternvertreter fordern Modulbauten für Bremer Schulen

Bremen denkt darüber nach, beim Bau dringend benötigter Schulgebäude auch auf Baukastensysteme zu setzen. Dieser Ansatz wird allerdings in der Stadt kontrovers diskutiert.
27.11.2019, 20:31
Lesedauer: 3 Min
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Elternvertreter fordern Modulbauten für Bremer Schulen
Von Sara Sundermann
Elternvertreter fordern Modulbauten für Bremer Schulen

In Frankfurt entsteht die weltweit größte Schule in Holzmodulbauweise für den Schulcampus Westend.

Marcus Bredt / gmp Architekten

In Bremen werden viele neue Schulgebäude dringend benötigt. An insgesamt 104 Schulstandorten in der Stadt muss nach aktuellen Angaben der Bildungsbehörde gebaut werden. Sollte die Stadt angesichts dieser drängenden Aufgabe auf serielles Bauen setzen? Das fordert nun der Zentralelternbeirat, das Thema wird in der Stadt aber kontrovers diskutiert. Bremer Architekten sehen den Ansatz von Schulen aus dem Baukasten kritisch.

Serielles Bauen bedeutet, dass nicht für jeden Schulbau ein individuell verschiedenes Gebäude von Grund auf neu geplant wird, sondern dass man zum Beispiel mit dem Prototyp arbeitet, der in leicht veränderten Varianten an mehreren Standorten gebaut wird. Noch häufiger sind sogenannte Modulbauten, für die ganze Wände und Räume in Serie vorgefertigt und vor Ort zu einem Gebäude zusammengesetzt werden. Es geht also um eine Abkehr von der Einzelfertigung hin zur Serienfertigung größerer Bauteile.

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Mindestens acht Schulen müssen laut Behörde in Bremen neu entstehen, acht weitere bestehende Schulen brauchen neue Gebäude. Zudem benötigen Dutzende Schulen Anbauten, um mehr Platz zu gewinnen. Derzeit sind drei Schulneubauten initiiert. Angesichts dieser Mammutaufgabe fordert die Bremer Elternvertretung die Stadt jetzt zum Handeln auf: „Ich bin Befürworter von allem, was schnell geht, und ohne serielles Bauen ist der Schulbau gar nicht rechtzeitig zu schaffen“, sagt Martin Stoevesandt vom Zentralelternbeirat.

„150 bis 200 Schulräume fehlen, angesichts dessen ist es völlig alternativlos, auf Modulbauten zu setzen.“ Ansonsten müsse man befürchten, dass demnächst Schüler auf der Straße stünden, so Stoevesandt. Besonders groß sei der Druck in Bremen-Nord, Osterholz, Horn und Oberneuland. „Wir brauchen die Schulgebäude schnell, wir können jetzt nicht in Schönheit sterben“, sagt Stoevesandt und verweist auf ein Bürogebäude in Holzmodulbauweise, das Kurt Zech zuletzt in der Überseestadt in nur zehn Tagen bauen ließ. „Das ist das beste Beispiel.“

Einspruch kommt von der Architektenkammer: Deren Präsident warnt davor, nun kopflos schnellstmöglich Schulbauten aus dem Boden zu stampfen, die dann als ungeliebte Bildungskästen jahrzehntelang Stadtbild und Schulleben prägten. Dazu hat sich der Präsident der Bremer Architektenkammer mit einem Brief an die Senatskommission für Kita- und Schulbau gewandt: „Sie entscheiden heute über die Bauten von morgen, die noch übermorgen Bestand haben sollen“, mahnt Oliver Platz.

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In der Kommission, die auch als „Kleiner Senat“ bezeichnet wird, sitzen die Leitungen von Bildungs-, Bau- und Finanzressort mit dem Bürgermeister zusammen, um den Bau von Schulen und Kitas zu beschleunigen. „Wir sehen den Zeit- und Kostendruck“, schildert Platz. „Aber wir bauen hier nicht auf der grünen Wiese, sondern in einer Stadt, wo jede Schule eine unterschiedliche Nachbarschaft und ein anderes Profil hat.“

Er betont: „Es gibt nicht das eine Paar Schuhe, das für alle passt.“ Es müsse jetzt schleunigst mit den Nachbarschaften der Schulen verhandelt werden, dann seien auch Schulen möglich, deren Gebäude zum Beispiel zugleich als Begegnungsstätte oder Stadtteilzentrum genutzt werden könnten. Platz betont, dass die öffentliche Hand verpflichtet sei, qualitativ hochwertig zu bauen: „Am Ende ist auch die Schönheit von Gebäuden ein Argument, damit Gebäude langfristig gut angenommen werden und sich Schüler auch damit identifizieren.“

Für das Bildungsressort kommt die Frage nach Schulen aus dem Baukastensystem nicht zum ersten Mal. Nun sagt Behördensprecherin Annette Kemp aber erstmals, man halte den Einsatz von seriellen Bauteilen für sinnvoll. „Mit Immobilien Bremen wurde bereits eine Modulbaumensa entwickelt, die jetzt an einem ersten Standort, bei der Schule an der Alfred Faust Straße errichtet wird.“ Diese Mensa sei mit kleinen Modifikationen auch an anderen Standorten vorstellbar. Aktuell würden zum Beispiel die Schule am Alten Postweg und die Schule an der Witzlebenstraße als weitere Standorte geprüft.

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„Der Bremische Schulausbau ist ein Mega-Projekt, das nur in einem gemeinsamen Kraftakt des Senats und weiterer Akteure gestemmt werden kann“, sagt Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). Es sei nun ein Auftrag für die Senatskommission Schulbau zu prüfen, ob der Einsatz von weiteren Bautypen oder seriellen Bauteilen zu Zeit- und Kostenersparnissen führe.

Auch Senatsbaudirektorin Iris Reuther zeigt sich offen für den Einsatz in Serie gefertigter Bauteile beim Schulbau. „Man kann serielle Elemente und Prototypen einsetzen, aber man muss die Gebäude dennoch an ihre jeweilige Umgebung anpassen“, betont Reuther. Es spreche nichts gegen eine gewisse Ähnlichkeit neuer Schulgebäude in verschiedenen Stadtteilen.

Allerdings weist sie mit Blick auf die Forderung der Elternvertreter darauf hin, dass der Bau einer Schule deutlich komplexer sei als der eines Bürogebäudes wie das Handwerkerhaus in der Überseestadt. Die Baudirektorin betont zudem: „Es ist ja nicht wie beim Lego, die Geometrie der Schulgrundstücke ist verschieden, und man baut eine Schule eben für die nächste Generation, daher sind intelligente Lösungen wichtig.“

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