Villa Ichon Blick auf das zufällig Komische im Alltäglichen

Einen außergewöhnlich reizvollen Blick auf Stadtansichten aus Bremen und den Niederlanden, aber auch fabelhafte Landschaftsfotografie bietet die Ausstellung des Fotografen Michel Iffländer in der Villa Ichon.
22.08.2022, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Blick auf das zufällig Komische im Alltäglichen
Von Sigrid Schuer

Manche von Michel Iffländers digitalen Fotografien wirken wie gemalt. Wie ein Gemälde des US-amerikanischen Wegbereiters der Farbfeldflächen-Malerei Mark Rothko wirkt das Mohnblumenfeld, das Iffländer mit der Kamera eingefangen hat: An einem diesigen Frühsommermorgen scheint es inmitten des saftigen Wiesen-Dunkelgrüns wie eine schmale, "rot Linie" auf, so auch der Titel des Werkes. Oder der Regen in den Bergen, bei dem die hintereinander geschichteten Ansichten der Berg-Silhouetten unter den dräuenden Gewitterwolken wie mit dem Pinsel hingeworfen wirken.

Einfach fabelhafte Landschaftsfotografie, die im benachbarten Raum des goldenen Saales in der Villa Ichon noch bis Sonnabend, 10. September gezeigt wird. Der Blick auf das Meer, das, frei nach Kurt Weill, so blau wie alle Illusion ist. Das, was da am feinkörnigen weißen Sandstrand so türkisgrün wie die Karibik schimmert, hat Iffländer beispielsweise an einem Strand in Irland entdeckt oder aber auch die wilde Schönheit der Ostseeküste eingefangen, der Blick aufs Azurblaue eröffnet sich zwischen dunklen Baumsilhouetten hindurch. Das wirkt genauso wie der Titel impliziert, geheimnisvoll wie ein "Gespensterwald". Oder aber der Fotograf lässt aus einer Hecke Gestrüpps eine hochherrschaftliche Häuserzeile in Prag auftauchen.

Motive findet Iffländer spontan

Michel Iffländer begibt sich nicht auf die Jagd nach den schönsten Ansichten, die Foto-Motive kommen vielmehr zu ihm. "Stolpern", der Name seiner Foto-Schau in der Villa Ichon, ist Programm. Oft stolpere er über seine Motive, sagt der Fotograf. So scheint in seinen Arbeiten oft das zufällig Komische im Alltäglichen auf. Die Foto-Kamera ist sein ständiger Begleiter, auch auf dem Weg zur Arbeit, bei der Bremer Agentur "Gruppe für Gestaltung" am Waller Stieg 1, für die er seit 2014 als Grafiker und seit 2020 auch als Fotograf tätig ist. Nur einen Sprung entfernt von BLG-Forum und Speicher XI. Reiner Schümer, Geschäftsführer der Dr. Hübotter Gruppe, entdeckte seine Fotografien bei einer Gruppenausstellung des Kunsthafens Walle. Was er sah, gefiel ihm so gut, dass er Iffländer in die Villa Ichon einlud, dort seine erste fotografische Einzelausstellung zu realisieren. Gut möglich, dass Schümer der architektonische, dann wieder grafische Blick des Künstlers besonders gefiel, die mit den Fotografien symbiotisch verschmelzen.

In ihnen dokumentiert Iffländer Kontraste und Farbkonstellationen. Das macht Michel Iffländer einfach aus, der fotojournalistische Blick. Als Alternative zur Grafik und Mediengestaltung hätte er sich durchaus auch vorstellen können, Journalist zu werden. So arbeitete er als Jugendlicher bereits unter anderem für Spiegel online. Durch die Ausstellung Flanierende können aber auch immer wieder bremische Stadtansichten, beispielsweise aus Walle, aus ungewohnter Perspektive neu entdecken, wie die Rolandmühle oder die wie eine Mondlandschaft anmutenden Sandberge bei der Aufschüttung des Waller Sandes.

Aus ungewohntem Blickwinkel

Ein einziges Bremer Postkarten-Motiv hängt dann doch im Erdgeschoss der Villa Ichon: Die Bremer Stadtmusikanten, allerdings, wie immer bei Michel Iffländer, aus einem ungewohnten Blickwinkel fotografiert. Mitten in der Nacht wirft die Bronze-Skulptur von Gerhard Marcks, angestrahlt von einem Spot am Rathaus, ein schwarzes Schlaglicht auf das Pflaster. Auch darüber ist der Foto-Künstler gestolpert.

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Info

Die Foto-Ausstellung "Stolpern" von Michel Iffländer in der Villa Ichon, Goetheplatz 4, ist bis zum 10. September verlängert worden. Ab Montag, 22. August, gelten wieder die üblichen Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 11 bis 13 Uhr und Dienstag bis Sonnabend, 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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