Prozess gegen falsche Polizisten

Falsche Polizisten: Ein Angeklagter legt Geständnis ab

Einer der vier Angeklagten im Prozess um die Betrugsmasche „falscher Polizist“ hat am Dienstag vor dem Landgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt - und dabei seine Mitangeklagten schwer belastet.
27.03.2019, 18:28
Lesedauer: 3 Min
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Falsche Polizisten: Ein Angeklagter legt Geständnis ab
Von Ralf Michel
Falsche Polizisten: Ein Angeklagter legt Geständnis ab

Justizbeamte führen einen der vier Angeklagten zum Prozessauftakt gegen falsche Polizisten am 21. März in den Gerichtssaal.

Carmen Jaspersen/dpa

Er wolle „dass das Ganze mal ein Ende findet“, sagt der Angeklagte. Er ist einer von vier Männern, die wegen bandenmäßigen Betrugs vor dem Landgericht stehen. Schon bei seiner Vernehmung durch Polizei und Staatsanwaltschaft hat er ein umfassendes Geständnis abgelegt. Diesen Kurs setzt er nun vor Gericht fort. Und belastet dabei seine drei Mitangeklagten schwer.

Der 47-Jährige ist in der Hierarchie der Betrugsmasche „falscher Polizist“ das letzte Glied. Ein „Abholer“, der zu den zumeist älteren Opfern fährt, die seine Komplizen zuvor am Telefon als angebliche Polizisten mit Geschichten über einen drohenden Überfall so massiv unter Druck gesetzt haben, dass die Senioren ihm „zur Sicherheit“ bereitwillig Geld und Wertsachen übergeben. Fast zwei Millionen Euro betrug die Beute, um die es in diesem Prozess geht.

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Chef der Bande soll ein 29-Jähriger sein. Der weist alle Vorwürfe von sich und schweigt. Doch über das Geständnis des Abholers könnte das Gericht den Fall vom anderen Ende her aufrollen. Denn der 47-Jährige belastet mit seinen Aussagen nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen Angeklagten. Am Mittwoch vor allem einen 25-Jährigen, doch auch gegen den mutmaßlichen Kopf der Bande in Bremen erhebt er schwere Vorwürfe. Was der gesagt habe, sei gemacht worden. Und bei ihm sei auch die Beute aus diversen Betrügereien abgeliefert worden.

„Ich brech' dir die Beine“

Zimperlich soll der Mann auch nicht gewesen sein, berichtet der Abholer. Als er versucht habe, auf Abstand zu gehen und für seine Kontaktmänner sechs Wochen nicht zu erreichen war, habe der 29-Jährige ihm anschließend gedroht, wenn so etwas wieder vorkäme: „Ich brech' dir die Beine.“

Nach eigenen Angaben verfing sich der 47-Jährige über kleinere Betrügereien immer tiefer in die Maschinerie der verbrecherischen Bande. Den Anfang machte vor etwa vier, fünf Jahren die Auslieferung von Gebrauchtfahrzeugen, an denen die Kilometerzähler manipuliert worden waren. Seine Aufgabe habe darin bestanden, die manipulierten Autos samt Papieren zu deren Käufern zu bringen. Erst nur vereinzelt, dann auch mal zwei oder drei pro Woche. Das Ganze im Auftrag einer Firma, die dem 29-Jährigen gehört haben soll.

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Er habe dies getan, um einem Freund zu helfen, ein 39-Jähriger aus Oyten, der vierte Angeklagten dieses Prozesses. Dass bei den Geschäften etwas nicht stimmte, sei ihm erst klar geworden, als er nach einem guten halben Jahr von der Polizei festgenommen wurde. Anschließend machte er trotzdem weiter, selbst dann noch, als er nach einem Dreivierteljahr erneut festgenommen wurde. Danach aber nicht mehr von Bremen aus, sondern in Oldenburg. Wobei er dann aber schon davon ausgegangen sei, dass es sich bei den Autoverkäufen nicht um saubere Geschäfte handelte, räumt der Angeklagte ein.

2016 wurde er schließlich in Oldenburg ein drittes Mal festgenommen und landete für zehn Monate hinter Gittern. „Die Autosache war danach gegessen.“ Nicht aber seine Zusammenarbeit mit den anderen Angeklagten. Für deren neue Firma – „eine stinknormale Lkw-Spedition“ – erledigte er zunächst Botendienste im Zusammenhang mit anderen Unternehmen. Im April 2018 wurde er dann erstmals zu einer Privatadresse geschickt, um dort einen Briefumschlag abzuholen. Den lieferte er im Firmenbüro ab und bekam dafür 500 Euro – sein Einstieg in die Bande der falschen Polizisten, die von Callcentern in der Türkei aus alte Menschen betrügen. Und das im großen Stil, Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen von Organisierter Kriminalität.

Fall für Fall

In der Folge sammelt der 47-Jährige weit über Bremens Grenzen hinaus (Hamburg, Braunschweig, Köln) Briefumschläge oder Taschen ein. Mal erfolgte die Übergabe persönlich – „Hallo, ich bin der Stefan und soll was abholen“ –, mal war die Beute versteckt. Hinter einem Glascontainer zum Beispiel oder auf einem Autoreifen. In Hamburg nahm er eine Tasche von einer 91-Jährigen entgegen, in der sich laut Staatsanwaltschaft Geld und Gold im Wert von 475 000 Euro befanden.

Fall für Fall wird das Gericht mit dem 47-Jährigen durchgehen und dabei auch Material gegen seine drei Mitangeklagten sammeln, bis hin zum mutmaßlichen Kopf der Bande. Und der nächste Stein kippt bereits. Auch der 25-Jährige, wohl die Nummer zwei in der Hierarchie des Quartetts, hat angekündigt, aussagen zu wollen.

Der Prozess wird am Dienstag, 2. April, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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