Ostermarsch in Bremen

Gegen mehr Ausgaben für Rüstung

Bei strahlendem Sonnenschein haben am Sonnabend mehrere Hundert Menschen in der Bremer Innenstadt am traditionellen Ostermarsch teilgenommen und gegen eine Erhöhung der Rüstungsausgaben demonstriert.
20.04.2019, 13:41
Lesedauer: 3 Min
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Gegen mehr Ausgaben für Rüstung
Von Detlev Scheil
Gegen mehr Ausgaben für Rüstung

Friedensfahnen wehen auf dem Bremer Marktplatz: Zur Abschlusskundgebung des Ostermarsches haben sich am Sonnabend mehrere Hundert Menschen versammelt.

Christina Kuhaupt

Abrüstung statt Aufrüstung: Diese Botschaft sendet der Bremer Ostermarsch 2019 aus und stemmt sich damit gegen die gebetsmühlenartigen Forderungen des amerikanischen Präsidenten. Donald Trump liest Deutschland immer wieder die Leviten, weil es Nato-Vorgaben zum Verteidigungsetat nicht einhält. Zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollen demnach für Rüstung ausgeben werden. Das sei viel zu viel, meinen die Teilnehmer des Ostermarsches, besser sollte in Bildung, Wohnungsbau und Bekämpfung der Armut investiert werden.

Mehrere Hundert Menschen kommen am Sonnabend am Bremer Hauptbahnhof zusammen, um bei strahlendem Sonnenschein am traditionellen Ostermarsch teilzunehmen. Es sind ganz überwiegend ältere Männer und Frauen gekommen, junge Leute sind deutlich in der Minderheit. Auf den Transparenten und Schildern steht „Abrüsten! UNO-Atomwaffen-Verbotsvertrag unterschreiben", "Keine Geschäfte mit dem Tod – keine Waffenexporte" oder "Aufstehen statt Strammstehen!". Vom Hauptbahnhof geht es über Brill und Obernstraße zum Marktplatz. Auf der Strecke schließen sich einige Bremerinnen und Bremer spontan der friedensbewegten Gruppe an.

„Eine ruhige Demonstration ohne Zwischenfälle“, heißt es von der Polizei. Sie schätzt die Zahl der Teilnehmenden auf etwa 500 und damit um rund 200 niedriger als im Vorjahr. Ekkehard Lentz vom Veranstalterteam spricht von etwa 800 bis 1000 Teilnehmern bei der Kundgebung auf dem Marktplatz. Der Bremer Aufruf zum Ostermarsch war von 21 Organisationen unterzeichnet worden. "Wir sind bunter als je zuvor", freut sich Eva Böller, Moderatorin vom Bremer Friedensforum.

Der Ostermarsch sei notwendiger denn je, betont Eva Böller. Deutsche Soldaten seien im Kriegseinsatz in Afghanistan, Mali und etlichen anderen Ländern. Mit deutschen Waffen werde in aller Welt getötet. Deutschland sei beim Rüstungsexport ganz vorn mit dabei. Der Militärhaushalt solle in den nächsten Jahren stark erhöht werden, allein in diesem Jahr um 4,7 Milliarden Euro. Zugleich beteilige sich Deutschland am Nato-Aufmarsch an der Grenze zu Russland.

Der Ostermarsch startete am Hauptbahnhof.

Der Ostermarsch startete am Hauptbahnhof.

Foto: Detlev Scheil

Hauptredner des diesjährigen Ostermarschs ist Reiner Braun aus Berlin, Co-Präsident des Internationalen Friedensbüros (IPB) und einer der Initiatoren der aktuellen Kampagne "Abrüsten statt Aufrüsten". Der 66-jährige Journalist und Historiker sieht in der derzeitigen angespannten Lage vor allem den Westen als Schuldigen. Braun behauptet, die militärische Einkreisung Russlands sei das Ziel der Nato. Nach seiner Ansicht sollen die Deutschen, die sich laut Umfragen zu 70 Prozent freundschaftliche Beziehungen zu Russland wünschten, "kriegsreif belogen werden". Das mögliche Aus des INF-Vertrags und die dann drohende Stationierung neuer Atomraketen in Europa müssten alarmieren. Braun warnt eindringlich davor, dass Europa zu einem "atomaren Schlachtfeld" werden könnte. Generell müsse die Militarisierung der Außenpolitik gestoppt werden. Nur so lassen sich laut Braun die globalen Probleme wie Hunger, Armut, soziale Ungleichheit, Klimawandel, Umweltzerstörung und Flucht lösen.

Ausdrücklich lobt Reiner Braun die Bremische Bürgerschaft, die sich für den deutschen Beitritt zum UN-Atomwaffenverbot ausgesprochen hat. Bis sich die Bundesregierung diesem Schritt anschließe, sei es aber noch ein sehr langer Weg, sagt Braun.

Weitere Rednerin auf der Kundgebung ist die 19-jährige Bremerin Dilan Koç. Sie berichtet über ihren Vater, den kurdischen Aktivisten Yüksel Koç, der seit Monaten im Hungerstreik ist – aus Protest gegen die Isolationshaft des PKK-Gründers Abdullah Öcalan. Dilan Koç sagt, die Isolationshaft verstoße gegen die Menschenrechte, und die Gesundheit ihres Vaters sei bereits stark angegriffen.

Die Tradition des Ostermarsches reicht in Bremen weit zurück: Zum ersten Ostermarsch hatten sich hier etwa 150 Aktivisten an Ostern 1960 versammelt. Damals war es nicht nur ein Demonstrationszug in der Innenstadt, sondern die Männer und Frauen marschierten vier Tage von Bremen über Verden und Fallingbostel zum Raketen-Übungsplatz Bergen-Hohne. Das hielten allerdings nur rund 50 Teilnehmende durch, die meisten anderen verabschiedeten sich bereits an der Bremer Stadtgrenze.

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