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Große Unterstützung für das kleine Togo

Bremer Hilfe für das Land in Westafrika kommt vor allem Kindern zugute
19.02.2019, 14:00
Lesedauer: 4 Min
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Große Unterstützung für das kleine Togo
Von Frauke Fischer
Große Unterstützung für das kleine Togo

Felix Brinkhege möchte in Yovokopé als nächstes eine Schule bauen, in der die vielen Kinder unterrichtet werden können.

Karsten Klama

Eine Familienstiftung weiter zu führen, ist eine besondere Aufgabe. Felix Brinkhege und seine Geschwister haben sich ihr gestellt. Vor allem der 29-jährige Bremer kümmert sich darum, dass Geld aus der Stiftung seines Vaters, des früheren Hoteliers Anton Brinkhege, sowie Einnahmen des Vereins Lebenshilfe einem Projekt in Togo zugute kommen. Der Verein wiederum wird bei der Aufgabe in dem kleinen afrikanischen Staat unterstützt.

Felix Brinkhege ist seine Liebe zum fernen Land deutlich anzumerken. Durch eine Privatinitiative des gebürtigen Togoers Roger Sodji, ehemaliger Bremer Bürger, kam die Idee, in Togo zu helfen, einst in Gang. Rund 400 Waisenkinder in der Region Badja haben inzwischen ein sicheres Zuhause gefunden. Und so arbeiten die Brinkhege-Stiftung und der von Bremern vor einer ganzen Reihe von Jahren schon gegründete Verein in Togo nun Hand in Hand und am selben Ort.

Dem Dorf nördlich der Hauptstadt Lomé kommen Gelder und Ideen zugute. So gibt es dort bereits eine Biogas-Anlage, die die große Dorfküche mit Strom versorgt. Felix Brinkhege möchte in Yovokopé als nächstes eine Schule bauen, in der die vielen Kinder unterrichtet werden können. Dabei sollen ihm nicht nur die beiden Bremer Einrichtungen helfen. Er selbst hat bereit im Freundes- und Bekanntenkreis Geld gesammelt. 10 000 Euro sind so zusammengekommen, erzählt er. Mehr Zuwendungen von Bremern würden ihn, der an vielen Orten der Welt aktiv ist, sehr freuen. „Nur so können Lebensbedingungen und Infrastruktur in Togo verbessert werden“, erzählt er. Von den eigenen Besuchen in Yovokopé weiß er genau, was nun am dringendsten gebraucht wird. Einmal war er mit seinem Vater dort, später allein. „Wir wollen jetzt ein Schulgebäude bauen“, so der Architekt.

Bauen könnten die Dorfbewohner und andere Helfer vor Ort die Schule selbst, ist sich Brinkhege sicher. Doch ihnen fehle etwas sehr wichtiges, nämlich das Knowhow. Die Bauarbeiter brauchten Anleitung und Unterstützung, damit das Gebäude möglichst schnell Realität werden kann. Dafür, dass diese Hilfe und auch weiteres Geld aus Bremen in den westafrikanischen Staat gelangen, möchte der junge Mann nun sorgen. Er selbst hat in London Architektur studiert, betreut dem eigenen Bekunden nach an mehreren Orten Bauprojekte.

Inzwischen hat er zudem erste Kontakte zur hiesigen Hochschule und dem Studiengang Architektur aufgenommen. Auch zu dessen Leiterin, der Architektin Ulrike Mansfeld, gibt es Verbindung. Und sie soll weiter vorangebracht werden, denn der junge Mann hat etwas Besonderes vor. Er möchte, dass ein paar angehende Architekten ihn noch im kommenden Sommersemester nach Togo begleiten. Die jungen Leute könnten dabei Erfahrungen sammeln und praktisch tätig werden. Für das Dorf wiederum würde eine solche Zusammenarbeit wichtige Unterstützung bedeuten. Die Menschen könnten lernen, künftig allein zu arbeiten. Damit diese Win-win-Situation Gestalt annimmt, will Brinkhege mit der Professorin und ihren Studenten Kontakt halten.

Für Bremen und Europa insgesamt ist der kleine westafrikanische Staat nicht ohne Bedeutung. Obwohl Togo so klein ist, macht sein Hafen das Land auch für europäische Staaten sehr interessant. Das gilt vor allem für französische Unternehmen. Sie bewegen Waren auf dem Seeweg zwischen Europa und Afrika sowie zwischen afrikanischen Staaten hin und her. In Bremen gibt es eine Vertretung des Landes und eine Honorarkonsularin. „Auch ist das Land nicht wie andere afrikanische Länder durch fortwährende Kriege und politische Instabilität in die Schlagzahlen geraten“, sagt Felix Brinkhege. Das wiederum erleichtert die Hilfsaktionen.

In der Togo-Hilfe engagieren sich also der Bremer Verein Lebenschance e.V. mit etwa 35 Aktiven sowie die Stiftung Brinkhege von Gründer Anton Brinkhege, der auch zum Vereinsvorstand gehört. Anton Brinkhege und weitere Vereinsmitglieder machen sich regelmäßig vor Ort ein Bild von der Projektarbeit. Der Stiftungsgründer will gerade für die vielen Waisenkinder positiv wirken. Sie haben nicht nur sein Herz berührt, sie haben auch bewirkt, dass er nach seiner Rückkehr in Bremen die Entscheidung traf, die Lebensbedingungen der Waisenkinder im Dorf nachhaltig und langfristig zu unterstützen.

Zwischen 2008 und 2011 wurden die ersten technischen Projekte zugunsten des Vereins Lebenschance von Anton Brinkhege initiiert. Heute versorgt eine Solaranlage die Gebäude des Kinderdorfes mit ausreichend Strom und durch den Zukauf von Ackerland ist die Selbstversorgung gut. Mit Mais und Palmöl erlebt die Landwirtschaft eine neue Blüte. Überzeugt von der positiven Wirkung, die Selbstlernen anlässlich einer neuen Lernkultur auf Jugendliche haben kann, unterstützt der 29-Jährige zudem das Konzept des iPad-Projektes, das seit März 2014 in Bremen erfolgreich durchgeführt wird. Die Stiftung wurde im Jahre 2011 von dem ehemaligen Hotelier anlässlich seines Engagements für das Waisenkinderdorf Yovokopé in Togo gegründet. Das Grundstockvermögen der Stiftung kommt aus dem Verkaufserlös eines Hotels. Die Erträge der Stiftung kommen derzeit dem 2001 gegründeten Bremer Verein Lebenschance e.V. sowie dem iPad-Pilotprojekt Bremen zugute.

Das Togoische Konsulat in Bremen wird von Ilse Fliege geleitet. Die Unternehmerin kennt das Land durch berufliche Kontakte und durch Besuche. Sie ist Mitglied der Handelskammer Bremen. „Die Zeiten, in denen Togo der Liebling deutscher Entwicklungspolitik war, sind vorbei“, heißt es vom Konsulat.

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