World Cleanup Day

Großputz vor dem Winter

Am World Cleanup Day beseitigen Bremer den Osterdeich von Zigarettenstummeln und Kronkorken. Kirsten Hillebrand organisiert den Aktionstag. Für sie geht es um mehr als nur um die gute Tat.
10.09.2018, 07:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Großputz vor dem Winter
Von Helge Hommers
Großputz vor dem Winter

Organisatorin Kirsten Hillebrand hofft, dass Müll in der Natur dank des "World Cleanup Day" bald der Vergangenheit angehört.

Christina Kuhaupt

Jeder Deutsche produziert laut dem Statistischen Bundesamt durchschnittlich mehr als 600 Kilogramm Abfall pro Jahr. Das entspricht etwa dem Leergewicht eines alten VW-Käfers. Zwar wird ein großer Teil davon recycelt, doch mancher Müll landet auf der Straße. Kirsten Hillebrand hat daher für Bremen die Organisation des am kommenden Wochenende stattfindenden World Cleanup Day übernommen.

„Viele fragen sich, wieso sie den Müll anderer Leute wegräumen sollten. Wenn aber die ganze Welt gemeinsam aufräumt, fällt diese Hürde weg“, sagt die 27-Jährige. Erstmals ausgerufen wurde der inzwischen globale Aktionstag im Jahr 2008. Damals kamen in der estnischen Hauptstadt Tallinn rund 50.000 Bürger zusammen, um ihr Land von Müll und Abfall zu befreien.

Zehn Jahre später nehmen rund 150 Länder teil, fünf Prozent der Weltbevölkerung sollen zum Mitmachen mobilisiert werden. Denn so viele Menschen braucht es nach Einschätzung der Veranstalter, um über den Aktionstag hinaus Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Erstmals sind auch Aktivisten in Deutschland dabei.

Zigarettenstummel und Kronkorken

Mehr als 80 deutsche Städte nehmen nach jetzigem Stand teil. Die meisten kommen aus Nordrhein-Westfalen, aus Norddeutschland haben neben Bremen nur Osnabrück, Braunschweig und Hamburg zugesagt. Bei einem Spaziergang am Osterdeich vor etwas mehr als einem Monat fielen Hillebrand, die seit einem halben Jahr in Bremen lebt, die vielen Zigarettenstummel und Kronkorken auf.

Aus Angst, dass ihr Hund die Überbleibsel der Breminale verschlingen könnte, ließ sie ihn nicht von der Leine. Als sie über soziale Kanäle vom World Cleanup Day erfuhr, recherchierte sie, ob auch in Bremen etwas geplant sei. Das war aber nicht der Fall, was sie sehr verwunderte. Sie beschloss, selbst tätig zu werden und wandte sich an die Stadtreinigung.

Dort fand sie schnell Zustimmung, die Stadtreinigung wird ihr Geräte wie etwa Müllzangen zur Verfügung stellen, die auch bei „Bremen räumt auf“ zum Einsatz kommen. Die Umweltinitiative, an der sich auch der WESER-KURIER beteiligt, fand im April dieses Jahres bereits zum 16. Mal statt. „Das war der Frühjahrsputz und jetzt machen wir noch mal vor dem Winter sauber“, sagt Hillebrand. Das sei dringend notwendig: Die giftigen Bestandteile weggeworfener Zigaretten gelangen nämlich durch Regen und Schnee ins Grundwasser und von dort in die Ozeane.

Lesen Sie auch

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sicherte Hillebrand seine Unterstützung zu, ebenso wie die Initiative „Serve the City“. Zudem wurde der von ihr entwickelte Chatbot Karl, über den die 27-Jährige an der Universität Bremen ihre Dissertation verfasst, als deutsches Maskottchen des World Cleanup Day ausgewählt.

Obwohl der Aktionstag offiziell am kommenden Sonnabend beginnt, hat Hillebrand beschlossen, mit Gleichgesinnten bereits am Freitagnachmittag auf Aufräumtour zu gehen. Zum After-Work-Cleanup, wie sie sagt: „Wir hoffen, dass einige zusammen mit ihren Kollegen nach der Arbeit kommen und ein schönes Event haben werden“.

Für einen guten Zweck vorgesehen

Treffpunkt ist um 17 Uhr an der Siewallkreuzung, von wo es mit Handschuhen, Müllsäcken und Musik zum Osterdeich und weiter in Richtung Schlachte geht. Während Kippenreste und anderer Abfall tags darauf in einem Werkstatthof entsorgt werden, sind die eingesammelten Kronkorken für einen guten Zweck vorgesehen. Denn sie sind wegen ihres Metallgehalts wiederverwertbar.

So versorgt eine Initiative bei Worms mit dem daraus resultierenden Erlös Kinder aus Ghana mit Krankenversicherungen. „Kronkorken sind Ressourcen, die bei uns nur rumliegen“, sagt Kirsten Hillebrand. Bisher haben rund 20 Freunde und Bekannte von Hillebrand ihre Teilnahme angekündigt. Sie hofft aber, dass sich mindestens 40 Bremer beteiligen werden.

Dabei soll nicht nur Gutes, sondern auch Verbindendes getan werden, sagt die 27-Jährige. Ein gemeinsames Bier im Anschluss könnte also auch drin sein. Wer sich am "World Cleanup Day" in Bremen beteiligen möchte, soll sich nach Möglichkeit per Mail unter kirsten@klimakarl.de anmelden, damit ausreichend technische Hilfsmittel organisiert werden können.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+