Spirituosen in der Coronakrise

„Grundsätzlich wird immer getrunken“

Birgitta Schulze van Loon produziert Spirituosen in der Überseestadt. Durch die Corona-Pandemie hat sie ihr Geschäft allerdings umgestellt. Was sie stattdessen macht.
29.03.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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„Grundsätzlich wird immer getrunken“
Von Stefan Lakeband
„Grundsätzlich wird immer getrunken“

Birgitta Schulze van Loon ist Inhaberin von ­Piekfeine Brände.

Christina Kuhaupt
Frau Schulze van Loon, Sie stellen eigentlich Whisky, Rum und andere Spirituosen her. Wie kommen Sie jetzt zu Desinfektionsmitteln?

Birgitta Schulze van Loon: Wir sind spezialisiert auf feine Obstbrände. Für die Herstellung unserer Geiste wie etwa Himbeergeist und Haselnussgeist, Gin und Aquavit sowie einen Teil unserer Liköre benötigen wir Neutralalkohol, den wir von zertifizierten Unternehmen beziehen. Dieser hochprozentige Alkohol ist Bestandteil von Desinfektionsmitteln und desinfiziert auch pur. Wegen einer Sonderregelung dürfen nun Apotheken diesen Alkohol bei Brennereien kaufen – und zwar ohne die hohe Branntweinsteuer. Deshalb verkaufen wir diesen Alkohol an die Apotheken, damit diese Desinfektionsmittel herstellen können.

Haben Sie schon Abnehmer gefunden?

Ja, diverse Apotheken haben schon gekauft. Auch physiotherapeutische Praxen. Darüber hinaus sind wir mit Krankenhäusern und Arztpraxen in Kontakt.

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Dadurch fällt ein Großteil der Jahresproduktion flach. Wie schwer trifft Sie das?

Die Produktion unseres Gins haben wir erst einmal zurückgestellt und unser neuer Apero-Likör, den man gespritzt mit Sekt trinkt, kann auch nicht in den Mengen hergestellt werden, wie es zum Frühling eigentlich nötig wäre. Die Produktion unseres Haselnussgeistes haben wir auf den Herbst verschoben und hoffen, bis dahin mit unseren Vorräten klarzukommen. Wenn sich die Lage irgendwann normalisiert hat, hoffen wir, wieder von unseren Quellen den Neutralalkohol regulär beziehen zu können.

Können Sie dadurch Ausfall aus dem eigentlichen Geschäft ausgleichen?

Ja, ein kleines bisschen. Aber es kompensiert nicht den Totalausfall des regulären Geschäftes.

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Kaufen Menschen jetzt vermehrt Spirituosen? Als Erleichterung in der schweren Zeit?

Das kann ich nicht feststellen. Allerdings war unser bisheriges Geschäft mehr Business to Business, also Hotels- und die Gastronomie. Wir haben unser Online-Geschäft vernachlässigt, was wir nun nachholen. Grundsätzlich wird immer getrunken. In guten wie in schlechten Zeiten. In schlechten Zeiten allerdings, wo der Geldbeutel nicht so voll ist, werden nicht unbedingt so hochwertige Spirituosen gekauft.

Das Gespräch führte Stefan Lakeband.

Info

Zur Person

Birgitta Schulze van Loon ist Inhaberin von ­Piekfeine Brände. Unter diesem Namen produziert sie in der Überseestadt Obstbrände und andere Spirituosen.

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