Bremer Netzwerk Selbsthilfe

Gruppen machen mit Film auf sich aufmerksam

Über eine Krankheit oder Sucht offen zu reden, fällt vielen Menschen schwer. Mit einem kurzen Film will das Bremer Netzwerk Selbsthilfe jetzt auf sich aufmerksam machen und Betroffenen helfen.
02.05.2019, 20:02
Lesedauer: 2 Min
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Gruppen machen mit Film auf sich aufmerksam
Von Ina Bullwinkel
Gruppen machen mit Film auf sich aufmerksam

Sabine Bütow ist Geschäftsführerin von Netzwerk Selbsthilfe. Mit einem Film wollen die an das Netzwerk angeschlossenen Gruppen auf sich aufmerksam machen und andere ermutigen.

Frank Thomas Koch

Dass er an manchen Tagen nicht einfach nur viel Energie hat, sondern manisch-depressiv ist, hat Michael Sattler erst vor etwa drei Jahren erfahren. Viele Freunde hätten sich im Laufe der Zeit von ihm abgewandt, erzählt er.

Er habe sie zu sehr angestrengt. Seit zwei Jahren engagiert er sich in der Selbsthilfegruppe Seelensprung und unterstützt andere, die ebenfalls unter einer bipolaren Störung leiden. Diskret aber offen reden die Teilnehmer über ihre Probleme. „Das gesprochene Wort bleibt in der Gruppe“, sagt Sattler.

Mehr als 700 solcher Gruppen gibt es im Raum Bremen, alle verbunden über das Netzwerk Selbsthilfe. Bei manchen geht es um chronische und seltene Erkrankungen, bei anderen darum, über den Verlust eines Angehörigen hinwegzukommen oder über eine Sucht zu sprechen.

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Oft ergänzt die Selbsthilfe eine Therapie. Da es vielen Menschen schwerfällt, sich Hilfe zu suchen, hat das Netzwerk Selbsthilfe 2018 einen Film produzieren lassen, um auf sich aufmerksam zu machen. Finanziert haben ihn die Krankenkassen in Bremen. Das Kino City 46 wird den Spot vom 13. bis 31. Mai in seinem Vorprogramm zeigen. Außerdem ist der Film auf der Videoplattform Youtube und auf der Website des Netzwerks zu sehen.

Neben Betroffenen kommt in dem knapp einminütigen Film auch Sabine Bütow zu Wort, die Geschäftsführerin von Netzwerk Selbsthilfe. Bütow betont, dass es bei Selbsthilfegruppen nicht nur um die Betroffenen selbst geht, sondern auch um das Umfeld. „Eine Veränderung kann nur passieren, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagt sie.

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Deswegen gebe es auch Gruppen für Familie und Freunde. „Selbsthilfegruppen sind ein gutes Instrument, um Betroffene zu unterstützen“, sagt auch Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). „Sie sind sehr nah dran an den Menschen. Das kann keine Behörde leisten.“

Mit 120 000 Euro im Jahr unterstützt Stahmanns Ressort den Bereich Selbsthilfe. Das Geld fließt in die Miete von Räumen und in Veranstaltungen. So auch in den Selbsthilfe-Tag, der alle zwei Jahre organisiert wird.

Dieses Jahr wird er am 28. September veranstaltet – erstmals in der Bremer Glocke. Auch zu diesem Tag wird der Film „Selbsthilfegruppen in Bremen“ gezeigt. 46 Selbsthilfegruppen stellen sich vor und informieren über ihr Angebot. Sattler wünscht sich durch den Tag vor allem, andere Betroffene zu erreichen und sie zu ermutigen, sich anzuschließen.

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