Sanierung des Gewoba-Hochhauses

Halbzeitbilanz: Ein Jahr Verkehrschaos am Rembertiring

Zwei Jahre dauert die Sanierung des Gewoba-Hochhauses am Rembertiring. Ein Jahr davon ist um. Weil vor dem Haus eine Fahrspur gesperrt ist, gibt es Verkehrsprobleme.
01.08.2019, 20:29
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Halbzeitbilanz: Ein Jahr Verkehrschaos am Rembertiring
Von Jürgen Hinrichs
Halbzeitbilanz: Ein Jahr Verkehrschaos am Rembertiring

Lars Gomolka erläutert die Sanierung des Hochhauses.

frank thomas Koch

Ein knappes Jahr noch, dann ist das Gerüst weg. Endlich. Halbzeit auf einer Baustelle, die ein Problem ist. Sie verursacht Staus, und das an einer neuralgischen Stelle in der Stadt, am Ende der Hochstraße, die auf den Rembertiring führt. Weil die Gewoba ihr Hochhaus saniert und daneben einen dreigeschossigen Neubau errichtet, ist eine der beiden Fahrspuren gesperrt, die am Firmensitz vorbeiführen. Das verstopft den Verkehr – mit welchen Folgen, zeigte sich am Donnerstag wieder, als das Wohnungsunternehmen eine erste Baustellenbilanz zog.

Gewoba-Abteilungsleiter Lars Gomolka erklärt die Details des 16,3 Millionen Euro teuren Vorhabens. Er hebt hervor, dass Budget und Zeitplan bislang eingehalten wurden und schildert, wie veraltet die Technik in dem fast 50 Jahre alten Hochhaus war – dass die Fenster oft nicht mehr geöffnet werden konnten und in den Büros wegen fehlender Lüftung und schlechter Wärmedämmung Temperaturen von bis zu 36 Grad gemessen wurden.

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Gomolka erzählt das und wird jäh gestoppt. Sirenengeheul, so durchdringend, dass der Lärm locker das zwölfte Stockwerk erreicht. Der Gewoba-Mann muss deshalb seinen Vortrag unterbrechen. Es ist ein Rettungswagen, der nicht einfach vorbeiprescht, sondern auf der einzigen Fahrspur hängen bleibt, weil die Autos vor ihm nicht ausweichen können.

So geht das seit einem Jahr. Nicht gut, findet auch die Gewoba. „Für uns ist das ärgerlich, aber es geht leider nicht anders“, sagt ­Gomolka. Immerhin habe sich das Verkehrschaos ein wenig beruhigt, weil die Autofahrer jetzt Bescheid wüssten und den Engpass, wenn’s irgend geht, umfahren würden.

Ein Ziel von 68 Prozent weniger CO2-Ausstoß

Ein Grund, warum die Gewoba ihren 14-Geschosser entkernt hat, erschließt sich aus dem riesigen Plakat, das am Gerüst hängt. Es ist die Zahl 68, die dort prangt. 68 Prozent weniger CO₂-​Ausstoß. Gomolka spricht von einer Radikalkur, und tatsächlich ist kein altes Kabel und keine alte Leitung im Haus geblieben. Alles raus, teilweise auch die Leichtbauwände. Die Bauarbeiter verlegen 53 000 Meter Strom- und 35 000 Meter Datenkabel. Dazu kommen 5000 Meter Kupferleitungen und 4000 Meter Lüftungskanäle.

Wenn die Gerüste abgebaut sind, kommt die neue Fassade zum Vorschein. Die Entscheidung, wie sie gestaltet wird, fiel anlässlich eines Architekturwettbewerbs, den das Bremer Planungsbüro Westphal gewonnen hat. Der Sieger konnte mit Keramik überzeugen, Fliesen aus Keramik, die Farbe: perlweiß. Gomolka zählt die Vorteile auf, harte und weiche Faktoren: „Das Material ist langlebig und schnell zu reinigen.“ Mit dem Kärcher ran, und fertig. Dann aber eben auch die Anmutung: „Hell und freundlich“, so der Abteilungsleiter, „je nach Sonneneinfall wechselt der Eindruck, darauf freuen wir uns schon jetzt.“

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Hochhaus und Nebengebäude sind am Ende aus einem Guss. Carmen Kulmann, die mit Gomolka über die Baustelle führt, legt großen Wert darauf. „Wir haben unsere Technik gut versteckt“, betont die Projektleiterin und grinst. Sie spielt auf einen Neubau an, bei dem das zum Verdruss vieler Bürger nicht gelungen ist, sagt wohlweislich aber nicht, um was für ein Haus es sich handelt. Jeder in der Runde weiß aber natürlich, welches Gebäude gemeint ist. Es ist das neue Hochhaus von Kühne + Nagel direkt an der Weser. Dort sind die Lüftungsanlagen und andere Technik stumpf aufs Dach gesetzt worden.

Eine Aussicht bis hin zum Dom und zum Weserstadion

Während der Bauarbeiten ist die Hälfte der Gewoba-Belegschaft in andere Quartiere ausgewichen. Das Unternehmen beschäftigt an seinem Stammsitz 315 Mitarbeiter. Wenn alle zurückgekommen sind, beziehen sie Büros, die künftig einzeln belüftet werden können. Der Vorstand hat hoch oben eine prächtige Aussicht bis hin zum Dom und zum Weserstadion. So ziemlich alles ist dann neu in dem Haus, nur eines nicht, das Geländer im Treppenhaus. Nachhaltigkeit! Warum kaputtmachen, was noch in Ordnung ist und optisch durchaus etwas hergibt?

Gomolka nickt. Er hatte vorher schon von dem begrünten Dach des Neubaus berichtet, auch von einem geplanten Nistplatz für Wanderfalken. Ein richtiges Öko-Paket, das die Gewoba am Rembertiring schnürt. Und Energie spart sie dort künftig auch.

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