Handel in der Corona-Krise

Hoffnung auf zusätzliche verkaufsoffene Sonntage in Bremen schwindet

Um Verluste während der Corona-Krise auszugleichen, hoffen die Händler auf zusätzliche verkaufsoffene Sonntage. Doch die Chancen schwinden, dass es noch in diesem Jahr zu Sonntagsöffnungen kommt.
11.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Hoffnung auf zusätzliche verkaufsoffene Sonntage in Bremen schwindet
Von Nico Schnurr
Hoffnung auf zusätzliche verkaufsoffene Sonntage in Bremen schwindet

Viele Bremer Händler hoffen auf zusätzliche verkaufsoffene Sonntage. Ob es sie geben wird, ist weiterhin fraglich.

Christina Kuhaupt

Viele Bremer Händler hoffen weiterhin auf verkaufsoffene Sonntage in diesem Jahr. Die zusätzlichen Ladenöffnungen könnten aus ihrer Sicht dabei helfen, einen Teil der Verluste auszugleichen, den sie in der Corona-Krise hinnehmen mussten. Zwei Gerichtsurteile aus Niedersachsen machen erneut deutlich, dass verkaufsoffene Sonntage anlassbezogen sein müssen. Inzwischen wachsen die Bedenken, ob ein solcher Anlass für Bremen noch rechtzeitig in diesem Jahr gefunden werden kann.

„Die Pandemie hat dem Handel ordentlich zugesetzt“, sagt Handelskammer-Geschäftsführer Karsten Nowak, „jeder zusätzliche Umsatztag wäre eine Hilfe.“ An eine schnelle Lösung glaubt der Einzelhandelsexperte jedoch nicht: „Wir müssen abwarten, wie sich die Rahmenbedingungen entwickeln.“

Verkaufsoffene Sonntage seien gerade in der Corona-Krise eine wichtige Gelegenheit für den stationären Handel, um für die Vorzüge gegenüber der Online-Konkurrenz zu werben, betont Jan König, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordwest. „Wir müssen aber den Gesundheitsschutz im Auge behalten“, sagt König, „ansonsten könnte der Handel als Verlierer aus so einem verkaufsoffenen Sonntag herausgehen.“

Mit Handelsvertretern im Gespräch

Die Bremer Wirtschaftsbehörde äußert sich ebenfalls zurückhaltend. „Wir beobachten weiter das Infektionsgeschehen“, sagt Ressortsprecher Kai Stührenberg. Man sei in Gesprächen mit den Handelsvertretern. Es werde wohl noch zwei bis drei Wochen dauern, bis klar sei, ob sich ein Anlass finden lasse, an den man die Öffnung der Läden knüpfen könnte.

Die Delmenhorster Wirtschaftsförderung hat gerade zwei verkaufsoffene Sonntage bei der Stadt beantragt. Ob sie stattfinden dürfen, ist fraglich. Die Verwaltungsgerichte in Oldenburg und Hildesheim haben in der vergangenen Woche deutlich gemacht, dass es in Niedersachsen keine verkaufsoffenen Sonntage ohne Anlass geben wird. In Hildesheim sollten die Geschäfte an einem Sonntag öffnen und in Oldenburg an drei Sonntagen im September und Oktober. Die Städte hatten die Verluste des Handels in der Pandemie abmildern wollen. Den Gerichten reichte das als Begründung nicht aus, in beiden Fällen kippten sie die Sonderöffnung. Sie gaben damit Eilanträgen der Gewerkschaft Verdi statt. Die Entscheidungen sind noch nicht rechtskräftig. Oldenburg hat dagegen Beschwerde eingereicht, der Fall liegt nun beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg.

Lesen Sie auch

Friedrich-August Fisbeck bezweifelt, dass es unter diesen Vorzeichen noch zu einem verkaufsoffenen Sonntag kommt. Für den Vorsitzenden des City-Managements in Oldenburg ist die Klage der Gewerkschaft „vollkommen unverständlich“. Dass die eingeplanten zusätzlichen Ladenöffnungen wegfallen dürften, werde der Oldenburger Innenstadt schaden, sagt Fisbeck: „Das ist der nächste Rückschlag in dieser Krise.“

Das niedersächsische Wirtschaftsministerium appelliert an die Gewerkschaft, einen im Juli vereinbarten Kompromiss zu den Sonntagsöffnungen weiter mitzutragen. In Orten wie Celle habe das doch schon geklappt, sagt eine Sprecherin. Im Juli habe sich ein Runder Tisch darauf verständigt, dass in diesem Jahr in Niedersachsen wegen der Pandemie nicht nur Großereignisse Anlass für einen verkaufsoffenen Sonntag sein können, sondern auch kleinere Veranstaltungen ausreichten. An dem Runden Tisch hatten neben Befürwortern wie den Kommunen auch Gegner wie Kirchen und Gewerkschaften teilgenommen. Verdi spricht von „missverständlicher Öffentlichkeitsarbeit“ der niedersächsischen Regierung. Es habe nie einen Kompromiss gegeben.

Verdi zu Gesprächen bereit

„Der Schutz des Sonntags ist uns extrem wichtig“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretärin Sandra Schmidt, „die Beschäftigten haben in der Corona-Krise bis an die Grenzen der Belastung gearbeitet, sie brauchen Pausen.“ Ohnehin würde ein weiterer Öffnungstag den Händlern kaum helfen, meint Schmidt: „Ein zusätzlicher verkaufsoffener Sonntag belebt allein noch keine Innenstadt.“ In Oldenburg und Hildesheim sei die Gewerkschaft zu spät von Politik und Handel in die Planungen einbezogen worden, also habe man mit einem Eilantrag gegen die Sonderöffnungen klagen müssen. Grundsätzlich sei Verdi aber auch in Bremen zu Gesprächen bereit, sagt Schmidt: „Ich gehe aktuell aber davon aus, dass es in diesem Jahr keinen verkaufsoffenen Sonntag mehr in Bremen geben wird.“

Der Freimarkt ist in der Vergangenheit einer der Anlässe gewesen, die eine Sonntagsöffnung der Läden in der Innenstadt gerechtfertigt haben. Noch ist aber fraglich, ob es im Herbst ein Volksfest auf der Bürgerweide geben wird. Ansonsten stehen im restlichen Jahr wegen der Pandemie kaum noch größere Veranstaltungen an. Im Dezember sind Sonntagsöffnungen grundsätzlich verboten. „Wenn man die Adventssonntage abzieht und bedenkt, dass die Händler etwas Vorlauf brauchen, um sich auf einen verkaufsoffenen Sonntag vorzubereiten, wird klar, dass in diesem Jahr nicht mehr viele Gelegenheiten bleiben“, sagt Handelskammer-Geschäftsführer Nowak, „irgendwann läuft die Zeit ab.“

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+