Jubiläum in der Bremer Handelskammer

Hanseatische Verbundenheit: 100 Jahre Republik Lettland

Die Republik Lettland feiert die Staatsgründung vor 100 Jahren – auch in der Bremer Handelskammer.
21.11.2018, 20:42
Lesedauer: 3 Min
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Hanseatische Verbundenheit: 100 Jahre Republik Lettland
Von Jonas Mielke
Hanseatische Verbundenheit: 100 Jahre Republik Lettland

Seit 2010 ist Lutz Peper, Bremer Geschäftsmann und ehemaliger Präses der Handelskammer, lettischer Honorarkonsul für Bremen und Niedersachsen.

Karsten Klama

Lutz Peper empfängt im Konsulat am Allerkai mit einem festen Händedruck. Peper, 65 Jahre alt, hochgewachsen, repräsentiert in Hemelingen als Honorarkonsul die Republik Lettland. Nicht nur für Bremen, auch für Niedersachsen. Eine kleine Messingtafel weist vor dem Bürogebäude darauf hin, dass dort neben dem Familienunternehmen „Peper und Söhne“ auch eine diplomatische Vertretung der Republik im Baltikum untergebracht ist. Nun jährt sich die Staatsgründung Lettlands zum 100. Mal – und Peper lädt zu einem großen Empfang in der Handelskammer ein. Neben dem Präsidenten der Bremischen Bürgerschaft, Christian Weber, nimmt auch Inga Skujina, die lettische Botschafterin in Berlin, an der Feier teil.

Seit 1985 sind Bremen und Riga offiziell miteinander verbunden. „Das war damals eine beachtliche Entscheidung der Bremer Regierung“, sagt Honorarkonsul Peper. Als Bremens Bürgermeister Hans Koschnick im Februar 1985 nach Riga reiste, schien das Ende des Kalten Krieges noch in weiter Ferne. Das kleine Land im Baltikum stand unter dem Einfluss der Sowjetunion.

Koschnick unterschrieb gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Rigaer Exekutivkommitees, Alfred Rubiks, einen Rahmenvertrag über die Städte-Kooperation zwischen Bremen und Riga. „Der Abbau von Vorurteilen ist nur möglich, wenn man sich kennt“, sagte Koschnick damals dem WESER-KURIER. Zwei Monate später wurde Michail Gorbatschow, der Mann, der das sowjetische Reich später öffnen sollte, Generalsekretär der Kommunistischen Partei.

„Letten sehen sich ganz klar als Bestandteil von Europa“

Heute ist Lettland ein modernes, unabhängiges Land. Die Letten sind Mitglieder der Europäischen Union und zahlen mit dem Euro, die lettischen Streitkräfte sind Teil der Nato. „Die Letten sehen sich ganz klar als Bestandteil von Europa“, sagt Peper. Als 1918 nach dem Ersten Weltkrieg die Republik Lettland gegründet wird, orientiert sich der junge Staat bereits gen Westen. „Das war nicht selbstverständlich, auch damals gab es pro-russische Kräfte im Land“, sagt Peper.

Die Geschichte des lettischen Staates sei sehr bewegt gewesen. Das Land wurde von der Sowjetunion besetzt, danach von Nazi-Deutschland, später wieder von den Sowjets. Erst die sogenannte singende Revolution brachte die Selbstbestimmung. „Eine friedliche Revolution, wie sie auch die Ostdeutschen geschafft haben“, sagt Peper. Er sagt, eine besondere Verbindung zwischen der Bundesrepublik und Lettland sei das Ringen um eine nationale Identität. „Beide Länder müssen sich bemühen, eine nationale Identität zu entwickeln, ohne deswegen nationalistisch zu sein.“

Seit Ende 2010 ist Peper lettischer Honorarkonsul für Bremen und Niedersachsen, der damalige Bremer Bürgermeister Jens Böhrnsen überreichte ihm die Ernennungsurkunde. Das Land im Baltikum ist Geschäftsmann Peper aber schon länger vertraut. Zu Beginn der 1990er-Jahre entwickelte er Geschäftsbeziehungen nach Riga. „Damals habe ich einen Mitarbeiter mit der Fähre dorthin geschickt“, sagt Peper. Die Fähre sei auf dem Weg dorthin jedoch in Sichtweite der lettischen Hauptstadt festgefroren.

„Drei Tage steckte der Kollege dort fest, damals gab es noch keine Eisbrecher.“ Heute seien Bremen und Riga deutlich besser verbunden – auch Dank einer Direktflugverbindung, die jedoch im Sommerflugplan 2019 wegbrechen soll. „Sehr schade“, sagt Peper. „Das hat Riga sehr nahe an Bremen gebracht.“

Mentalität die verbindet

Bremen und Riga, dass sei generell eine sehr enge Verbindung – auch schon vor Unterzeichnung der Städte-Kooperation 1985. Die Sicht der Dinge, das hanseatisch-bescheidene Auftreten, „diese Mentalität verbindet“, sagt Peper. Die Verbindung zwischen Bremen und Riga reiche schon wesentlich länger zurück, als die offizielle Partnerschaft von 1985 – genau genommen sogar bis zur Gründung Rigas vor mehr als 800 Jahren durch kirchliche Würdenträger aus Bremen. 1287 wurde Riga Mitglied in der Hanse, 1827 wurde in der Stadt am Fluss Daugava sogar auf Grund der regen Handelsbeziehungen für 40 Jahre ein Bremer Konsulat in der lettischen Hauptstadt errichtet. „Die Städtepartnerschaft, die 1985 geschlossen wurde, hat die Beziehungen dann wiederbelebt“, sagt Peper.

Heute gibt es einen regen Austausch zwischen Bremen und Riga. Schüler von Gymnasien beider Städte pflegen Schulpartnerschaften, im Rahmen des Erasmus-Programms können Bremer Studenten in Riga studieren und andersrum. Auch die Handelsverbindung von Bremen nach Lettland ist hunderte Jahre nach der Blütezeit der Hanse weiter intakt. Aus Lettland werden insbesondere Holz und Agrarprodukte nach Bremen exportiert, Bremer Unternehmen verkaufen Getränke, Metalle und Autos ins Baltikum.

Wie viele Letten in Bremen und Niedersachsen leben, dass weiß Peper aber nicht. „Leider“, sagt er. Nirgendwo gebe es Statistiken. Er schätzt, dass es in Bremen etwa 450 lettische Staatsbürger gebe. Bei der lettischen Parlamentswahl im vergangenen Oktober konnten die Exil-Letten auch in seinem Honorarkonsulat in Hemelingen abstimmen, da habe er versucht, E-Mail-Kontakte zu sammeln – auch wenn er kein Lettisch spricht. „Schwierige Sprache“, sagt Peper und lacht. Seine lettische Mitarbeiterin sei da sehr wertvoll. Er habe versucht möglichst viele der Letten zu der Feier in der Bremer Handelskammer einzuladen, zusätzlich zu den Würdenträgern und Persönlichkeiten der Stadt. Ein paar werden kommen, sagt Peper. „Darüber freue ich mich wirklich sehr.“

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