Im Grünen Bereich Hilfe, mein Goldfisch ist schwanger

Kolumnistin Patricia Brandt macht sich Gedanken über eine ganz besondere Schwangerschaft.
30.06.2019, 16:00
Lesedauer: 2 Min
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Hilfe, mein Goldfisch ist schwanger
Von Patricia Brandt

Es ist heiß, die Familie sitzt am Teich. Dann plötzlich Alarmstimmung: „Ist der Goldfisch schwanger? Da müssen doch 100 Zwillinge drin sein.“ Erstaunlich, denn Goldfische zu züchten, soll komplizierter sein als eine weitere Dimension im Universum nachzuweisen, lese ich im Internet. Man muss die richtige Umgebung schaffen, den passenden Laichpartner finden, die Fortpflanzung anregen ...

Und wir haben all das geschafft! Noch dazu ohne hinzugucken!

„Dann braucht sie jetzt unbedingt was Leckeres zu essen“, sage ich. Denn ich selbst habe in der Schwangerschaft massenhaft Käsebrote verdrückt.

„Goldfische fressen ihre eigene Brut“, meint Michael trocken. Ich gehe rein, um das am Computer zu checken. Mist, er hat recht. Wir denken laut über Keller-Haft im Aquarium nach. Dann gibt es wenigstens keine Mitesser.

„Aber dann ist der Fisch vielleicht traurig“, sagt mein Sohn.

„Google mal einer, ob Goldfische traurig werden können“, schlage ich vor, sitze dann aber wieder selbst vor dem Rechner. Ich finde was über depressive Zebrafische. Bioprofessor Julian Pittmann von der Troy University aus Alabama erkennt den Schweregrad ihrer Depression am Neues-Becken-Test: Schwimmt der Zebrafisch im neuen Becken nur in der Tiefe herum, ist er reif für Antidepressiva.

Eine depressive Schwangere in unserem Teich – das fehlt gerade noch. Dann muss sie den Laich eben hinter den Pflanzen ­verstecken.

„Wie viele Eier legen Goldfische?“, fragen die Kinder.

Ich wieder rein, schmiere mir auf dem Weg durch die Küche schnell ein Käsebrot, recherchiere und informiere die anderen mit vollem Mund: „Mehr als 500.“

„Wie groß werden Goldfische?“

Wieder zum Rechner und zurück: „Bis zu 40 Zentimeter.“

„Woran erkennt man den Unterschied zwischen Weibchen und Männchen?“, ­wollen die Kinder wissen. Ich tupfe mir Schweiß von der Stirn.

Entdecke die Seite, auf der behauptet wird, dass die Männchen Pickel kriegen. Aber: „Sicherheit bringt nur die Untersuchung der Afteröffnung mit einer Lupe“, teile ich den anderen mit. Keiner hat Lust, eine Lupe zu holen ...

Diese Schwangerschaft macht mich jetzt schon völlig fertig. Ein weiterer Blick in den Teich: „Ich glaube, ich habe mich geirrt. Der Goldfisch ist gar nicht schwanger. Der sieht nur so aus.“

Ich klappe meine Liege nach hinten. Danach: schweigen. Keine weiteren Fragen. Herrlich.

Dann mein Mann: „Ist das Braune da vorne dann Froschlaich?“

Info

Zur Sache

Martin Renz von der
Stadtbibliothek Bremen empfiehlt:

Hoffentlich ist der Goldfisch wirklich nicht schwanger. Stellen Sie sich mal vor: 500 hungrige Mäuler zu stopfen und der pickelgesichtige Vater ist weit und breit nicht zu sehen! Aber Spaß beiseite, als Alleinerziehende(r) hat man es wirklich nicht leicht. Und das übliche Gepöbel am Stammtisch („Selber schuld!“) lasse ich nicht gelten. „Stark und alleinerziehend“ von Verhaltenstherapeutin Alexandra Widmer ist ein Selbsthilfe-Arbeitsbuch, das betroffenen ­Eltern den Rücken stärkt. Falls die Zeit zum ­Lesen fehlt: Es gibt auch eine Fassung auf CD. „Familie geht auch anders“ von Matthias Ochs & Rainer Orban rückt dann auch noch einiges ­gerade: Historisch gesehen sind „alternative“ Familienstrukturen nämlich eh die Regel, nicht die Ausnahme. Alleinerziehende aller Länder, venceremos!

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