Serie Bremer Institutionen: Teil 8 „Unser Auftrag ist, zu rehabilitieren"

Sabine Kohler arbeitet bei der Werkstatt Bremen als Koordinatorin der Rehabilitation. Was das im Kontext von Menschen mit Behinderung bedeutet, erzählt sie im Interview.
25.05.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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„Unser Auftrag ist, zu rehabilitieren
Von Carolin Henkenberens
Frau Kohler, Rehabilitation ist ein geläufiger Begriff, wenn Menschen einen Unfall hatten und in eine Reha-Klinik gehen. Was heißt Rehabilitation im Kontext der Werkstätten?

Sabine Kohler: Unser gesetzlicher Auftrag ist es, Menschen für den allgemeinen Arbeitsmarkt zu rehabilitieren. Menschen kommen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen und wir schauen, wie wir ihnen ein gutes Bildungs- und Arbeitsangebot bieten können. Natürlich wissen wir, dass der allgemeine Arbeitsmarkt nicht für alle Menschen mit Beeinträchtigungen unbedingt das erste Ziel ist. Aber es geht darum, sie weiterzubilden und sie so selbstständig wie möglich an Arbeit teilhaben zu lassen.

Sie also zu befähigen statt die Werkstatt als Endstation zu sehen.

Ja, genau. Die einen entscheiden für sich, in der Werkstatt zu bleiben. Andere gehen über verschiedene Instrumente an Arbeitsplätze außerhalb der Werkstatt. Für uns ist eine Durchlässigkeit wichtig. Das heißt auch: Wer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ist und beispielsweise in eine psychische Krise gerät, kann wieder zurück in die Werkstatt.

Was sind Ihre Aufgaben als Reha-Koordinatorin?

Ich schaue, was für Konzepte es braucht für gute Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Beeinträchtigung. Wir überprüfen immer wieder, ob unsere Angebote in der Berufsbildung oder in den Werkstätten noch zeitgemäß sind. Wir schauen dazu, welche Wünsche die Menschen haben.

Haben Sie ein Beispiel für ein Konzept?

Durch das Bundesteilhabegesetz hat sich verändert, wie Menschen in die Werkstatt kommen. Das Gesetz hat den Fachausschuss abgeschafft. Darin saßen die Kostenträger und die Werkstatt und haben besprochen, welche Menschen in die Werkstatt gehen können. Jetzt trifft diese Entscheidung die Agentur für Arbeit. Die Menschen, die aufgrund ihrer Beeinträchtigungen für eine Arbeit bei der Werkstatt Bremen infrage kommen, kommen dann zu uns in die Beratung und schauen, ob ihnen unsere Angebote zusagen. Es wird noch genauer geschaut, was die jeweilige Person möchte.

Was sind typische Herausforderungen in Ihrem Arbeitsalltag?

Gerade ist dies Corona. Wir beschäftigen viele Menschen mit Vorerkrankungen, die zur Risikogruppe gehören. Da ist die Herausforderung, die Menschen auf der einen Seite zu schützen, ihnen auf der anderen Seite aber auch nichts überzustülpen, sondern sie selbst entscheiden zu lassen. Dabei schauen wir, wen wir in die Entscheidung noch einbeziehen können: Angehörige oder Betreuer zum Beispiel. Diese Herausforderung besteht immer, aber jetzt in Zeiten von Corona besonders.

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Was muss passieren, dass Sie abends denken: „Das war heute ein guter Tag“?

Ein Erfolgserlebnis ist, wenn wir eine gute Lösung gefunden haben, mit der alle zufrieden sind.

Wie ist es aus Ihrer Sicht um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung in Bremen bestellt?

Teilhabe für alle Menschen kann es nie genug geben. Es ist egal, ob jemand eine Beeinträchtigung hat oder es einen anderen Grund gibt, der Teilhabe verhindert. Bremen ist im Vergleich zu anderen Bundesländern zwar schon weit, aber es besteht noch Luft nach oben. Man kann vielen Menschen noch viel mehr Teilhabe zukommen lassen, wenn mehr Geld da wäre. Aber ich finde auch, die Gesellschaft ist gefragt, ihren Teil beizutragen

Das Gespräch führte Carolin Henkenberens.

Info

Zur Person

Sabine Kohler (54) ist Reha-Koordinatorin bei der Werkstatt Bremen. Die Diplom-Sozialpädagogin ist seit 2010 bei dem städtischen Eigenbetrieb tätig und seit November 2018 in dieser Funktion.

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