Serie „Hammerfrauen“: Teil 2

Isa Genzken: Immer vielseitig

Nicht viele Frauen schafften es, sich im 19. und 20. Jahrhundert auf dem von Männern dominierten Feld der Bildhauerei durchzusetzen. Isa Genzken (geboren 1948) hat es geschafft.
03.05.2019, 16:50
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Isa Genzken: Immer vielseitig
Von Iris Hetscher
Isa Genzken: Immer vielseitig

Genzken: Weltempfänger

Privatsammlung Köln

Sie ist die Frau, die sich ständig neu erfindet und nichts von Kompromissen hält. Isa Genzken, 1948 in der Nähe von Lübeck geboren, ist fasziniert von Architektur, Fotografie, Mode, Film. Ihr Werk spiegelt viele Einflüsse wider, und vielleicht ist es genau diese Flexibilität, die sie zu einer der wichtigsten deutschen Künstlerinnen der Gegenwart geformt hat. Genau wie ihre regelmäßigen radikalen künstlerischen Häutungen, die sie vollzieht, ohne auf irgendeinen Zeitgeist zu achten.

Isa Genzken will eigentlich Film studieren, wird im Berlin Ende der 1960er-Jahre aber abgelehnt. Sie sattelt um: Malerei in Hamburg, Kunstgeschichte und Philosophie in Köln, Fotografie und Grafik in Berlin. Nebenbei modelt sie. Der angesagte Platz für moderne Kunst ist in den 1970ern allerdings Düsseldorf, dort wird Isa Genzken mit der amerikanischen Avantgarde konfrontiert. Sie schreibt sich an der berühmten Kunstakademie ein, wird Meisterschülerin von Gerhard Richter, den sie später heiratet.

In ersten bildhauerischen Arbeiten setzt sich Isa Genzken mit Minimal Art und Konzeptkunst auseinander – indem sie in ihren „Ellipsoiden“ und „Hyperbolos“ wieder narrativ wird. Außerdem verwendet sie Computer, um ihre Arbeiten zu konzipieren und kombiniert munter die Bereiche Skulptur und Fotografie. Drei Mal nimmt sie an der Documenta teil, jedes Mal mit einem anderen Aspekt ihres Werks: Auf die Ellipsoiden (1982) folgen von groben Oberflächenstrukturen dominierte Skulpturen aus Gips, Beton und Epoxidharz (1992), wie der 1987 entstandene „Weltempfänger“, der während der Bremer Ausstellung in den Museen Böttcherstraße zu sehen ist. 2002 stellt Isa Genzken „New Buildings for Berlin“ in Kassel aus, eine Auseinandersetzung mit moderner Stadtarchitektur. Nach wie vor ist die Gestaltung von Raum, die Installation, eine ihrer großen Leidenschaften.

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Zu einer weiteren wird das Sammeln und Kombinieren von Gegenständen, die Assemblage. Wie bei Filmsets platziert Genzken beispielsweise Puppen, Designerstücke und Massenware aus dem Baumarkt nebeneinander – ihr Kommentar zum Zustand der Welt. Ihre eigene gerät nach der Trennung von Gerhart Richter ins Trudeln, sie stürzt in New York so richtig ab und dokumentiert das in dem Collageband „I love New York, Crazy City“ (1995/96). Genzken zieht nach Berlin-Charlottenburg, fängt sich. 2007 gestaltet sie den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig mit der Installation „Oil“. Der Pavillon wird dazu mit einem Baugerüst versehen und mit roten Planen verhängt, innen gibt es eine Installation aus Koffern, Henkersknoten und Astronauten zu sehen.

„Humor, Eros, Liebe und Überraschung sind die Zukunft der Kunst“, sagt Isa Genzken 2006 dem Publizisten Diedrich Diedrichsen, nach ihrer Motivation gefragt. Und: „Viele Leute sind unglücklich, und ich finde, das nervt“.

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