Baustellenbegehung

Jacobs-Haus nimmt langsam Form an

Die Innenstadtprojekte von Christian Jacobs für das Balge-Quartier sind im Bau oder auf dem Weg. Ein Blick in die Pläne mit Projektleiter Jean Jaques de Chapeaurouge.
02.08.2019, 20:06
Lesedauer: 4 Min
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Jacobs-Haus nimmt langsam Form an
Von Jürgen Hinrichs
Jacobs-Haus nimmt langsam Form an

Blick aus dem neuen Stammhaus der Bremer Kaffeedynastie Jacobs auf die Stadtwaage.

Frank Thomas Koch

Die großen Projekte in der Innenstadt haben entweder noch nicht begonnen oder sind, wie im Fall der Libeskind-Türme auf dem Sparkassen-Areal, ins Trudeln geraten. Eines aber gelingt schon, und zwar in erstaunlicher Geschwindigkeit. Es ist der Plan von Christian Jacobs, ausgehend vom Stammsitz seiner Familie ein neues Quartier zu entwickeln.

Das Jacobs-Haus an der Obernstraße wächst flugs heran, eine Power-Baustelle, und für die umliegenden Gebäude mit der historischen Stadtwaage, dem Essighaus und dem Kontorhaus am Markt sind die nächsten Glieder in der Kette für das Balge-Quartier bereits in Vorbereitung. Damit soll es direkt im Anschluss der Arbeiten am Neubau losgehen, also Mitte bis Ende kommenden Jahres. Das hat der Investor jetzt bei einer Baustellenbegehung berichtet.

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Das neue Jacobs-Haus hat seine volle Höhe noch nicht erreicht, es wird am Ende auf der einen Seite fünf, auf der anderen Seite sechs Geschosse haben, jedes mit einer Deckenhöhe zwischen 3,80 Meter und 4,65 Meter. Ein üppiges Maß, so wie alles an dem Gebäude groß und ungewöhnlich ist. Die Fenster allein, sieben Meter hoch und mit Glas, das eine Tonne wiegt. Die Rahmen sind in Bronze eingefasst. Das Gebäude soll eine totale Transparenz bekommen: Durch- und Aussichten zwischen Obernstraße, dem künftigen Jacobs-Hof, der Stadtwaage und der Langenstraße.

Die Treppe in der Große Waagestraße setzt sich im Jacobs-Haus fort, wird dort quasi gespiegelt, sodass die Gasse sich vom Eindruck her deutlich weitet und eine Verbindung schafft, die vorher von der Obernstraße aus lediglich ein trister Abgang war. Christian Jacobs lässt an einer Seite ein Geländer anbringen, einen Handlauf, denn das ist schließlich die Überschrift seines millionenschweren Projekts: Handlauf zur Weser.

Baustelle Johann Jacobs Haus und Stadtwaage - Jean-Jaques de Chapeaurouge

Projektentwickler Jean Jaques de Chapeaurouge erläutert die Pläne für das Balge-Quartier.

Foto: Frank Thomas Koch

Projektleiter ist ein Mann mit klangvollem Namen: Jean Jaques de Chapeaurouge. Die Familie de Chapeaurouge stammt aus der Schweiz, ist seit mehr als 250 Jahren in Hamburg verwurzelt und hatte mit einzelnen Abkömmlingen eine solche Bedeutung für die Elbstadt, dass ihr Wappen in die Fassade des Hamburger Rathauses eingearbeitet wurde. Dieser Mann also, 60 Jahre alt, vertritt mit seiner Hanseatischen Projektentwicklung GmbH einen Plan in Bremen, der die Innenstadt an einer Seite entscheidend beleben soll.

„Wir haben hier so nahe am Weltkulturerbe von Rathaus und Roland eine besondere Verantwortung“, sagt de Chapeaurouge. Er wünscht sich ein anderes Bremen, eines, das sich klarer dazu bekennt, eine Großstadt zu sein: „Die Wurzeln gibt es, man muss sie nur ausgraben.“ Mit dem Balge-Quartier soll so ein Flair entstehen – urban, cool, gleichzeitig aber auch mit augenfälligem Bezug zur hanseatischen Tradition.

Der Backstein, mit dem die Außenwände des Jacobs-Hauses verklinkert werden, ähnelt dem Ziegel, der beim Bau des Neuen Rathauses verwendet wurde. Er stammt aus Dänemark, von der Ziegelei Petersen Tegl, einem Familienunternehmen in achter Generation. Der Stein ist griffig, lauter Unikate, und er ist kostbar. „Wir produzieren die teuersten Ziegel“, behauptet das Unternehmen von sich selbst. Gebrannt werden sie mit Kohle, das macht sonst niemand. Die Steine, lange und kurze, bekommen dadurch ein schönes Farbenspiel.

Ladenflächen im Erdgeschoss sind vermietet

Im Haus selbst ist der Bau noch roh. De Chapeaurouge erklärt die Finessen, darunter komplizierte Fluchtwege, für die eigens ein Tiefgeschoss in die Erde gegraben wurde. Die beiden Ladenflächen im Erdgeschoss sind zusammen knapp 600 Quadratmeter groß und bereits vermietet, an wen, will der Projektentwickler nicht verraten. Auch über die Baukosten schweigt er sich aus, nur so viel: „Das weiß ich ungefähr, ziemlich viel.“

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Unten hinein kommt neben den Einzelhändlern ein sogenannter Heritage-Store. Er ist der Geschichte der Familie Jacobs gewidmet und soll ein bisschen so aussehen wie früher, als Firmengründer Johann Jacobs in Bremen sein „Specialgeschäft für Caffee, Thee, Cacao, Chocoladen und Biscuits“ betrieb, dem später die eigene Rösterei folgte. Das ganze Haus wird mehr oder weniger von Kaffeearoma durchzogen sein – eine Erlebniswelt, deren Details noch unter Verschluss sind.

Das Jacobs-Haus ist aber nur das eine. Dahinter wird es den Jacobs-Hof geben, ein lauschiges Plätzchen, möbliert mit Tischen und Stühlen und einer Statue von Johann Jacobs. Dort wird der Kaffee getrunken, zu essen gibt's auch. In der direkt angrenzenden Stadtwaage, die bisher von der Deutschen Kammerphilharmonie genutzt wurde, zieht ein Restaurant ein, gekocht wird „deutsch-progressiv“, sagt de Chapeaurouge.

Baustelle Johann Jacobs Haus und Stadtwaage -

Die Stadtwaage steckt voller Kostbarkeiten, darunter diese Bronzefigur.

Foto: Frank Thomas Koch

Der Entwickler führt hinein in das denkmalgeschützte Gebäude mit seiner nach dem Krieg rekonstruierten Backsteinfassade und den Sandsteinverzierungen im Stil der Weserrenaissance. Foyer und Treppenhaus, die Bronzefiguren, der Boden, die Decken, die Lampen, alles, einfach alles, hat Stil in der Stadtwaage. Die Sparkasse, der das Haus lange Jahrzehnte gehörte, hat an nichts gespart. Der Denkmalschutz gilt auch für das Innere des Gebäudes, die wesentlichen Elemente bleiben also erhalten und werden in den Umbau integriert.

Essighaus wird abgerissen

Neben der Stadtwaage steht das Essighaus. Jacobs will es abreißen. Erhalten bleibt lediglich ein Teil der Fassade, sie wird auf der Grundlage alter Zeichnungen und Fotos wieder komplett gemacht und annähernd so aussehen wie vor der Zerstörung im Krieg. Hinter dieser Historienhaut entstehen Büros. Die Nutzfläche ist einige tausend Quadratmeter groß – bei aller Liebhaberei, die Jacobs bei diesem Projekt pflegt, will er mit seiner Investition auch Geld verdienen.

Schließlich das Kontorhaus. Es bleibt dabei, dass das Hochparterre herausgenommen wird, um ebenerdig in das Gebäude zu gelangen. Die Treppen heute sind wie eine Barriere, deshalb ist die Lage für Geschäfte und Restaurants so schwierig. Die Fluktuation war enorm, kaum jemand konnte sich lange halten. „Mit Essighaus und Kontorhaus fangen wir spätestens Ende 2020 an“, kündigt de Chapeaurouge an. Jacobs-Haus, Jacobs-Hof und Stadtwaage werden bis dahin fertig sein.

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