Innenstadt im Wandel Kapitale Projekte für den Kern der Stadt

Die Bremer Innenstadt wird sich in den nächsten Jahren gewaltig verändern: mehrere Großprojekte sind in Planung. Investoren sind unter anderem Bauunternehmer Kurt Zech und der Unternehmer Christian Jacobs.
24.03.2019, 06:00
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Kapitale Projekte für den Kern der Stadt
Von Jürgen Hinrichs

Dieses eine Projekt, damit steht und fällt alles, daran wird sich entscheiden, ob in der Bremer Innenstadt die erhoffte Umwälzung gelingt. Der große Zech-Plan ist es, sagen die Experten aus Handel und Stadtplanung. In ihrer Einschätzung bestätigt werden sie von den anderen Investoren in der City, von Christian Jacobs zum Beispiel, der rund um die Langenstraße das sogenannte Balge-Quartier entwickelt. Er wolle sein Vorhaben nicht kleinreden, sagte der Unternehmer vor einiger Zeit bei einer Podiumsdiskussion, aber solche Projekte seien nur die Satelliten in einer Entwicklung, deren Durchschlagskraft am Ende allein vom Zech-Plan abhänge. „Das ist das Herz“, betonte Jacobs, „da können wir zappeln und uns abmühen, ohne diesen Kern geht es nicht.“

Kurt Zech, der in den vergangenen Jahrzehnten von Bremen aus ein weltweit verzweigtes Firmenimperium aufgebaut hat, besinnt sich zurück auf seine Heimatstadt und geht dort jetzt in die Vollen. Im vergangenen Monat gab es den obligatorischen ersten Spatenstich für die Häuser am Kopf des Europahafens in der Überseestadt. Zech investiert dafür rund 300 Millionen Euro. Die Größenordnung seiner Pläne für die Innenstadt lässt sich noch nicht an Geld bemessen, wohl aber an der Bedeutung.

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Im Spiel sind zunächst drei Gebäude: das Parkhaus Mitte, die Galeria-Kaufhof-Immobilie und Karstadt. Das Parkhaus mit seinen rund 1000 Stellplätzen soll abgerissen werden. Zech verhandelt mit der Stadt über einen Kauf. Parallel muss er aber auch an das Galeria-Gebäude rankommen. Eines geht nicht ohne das andere, weil die Autostellplätze auf dem Dach des Kaufhauses nur über das Parkhaus Mitte erreicht werden können. Eine überaus kniffelige Angelegenheit, deren Ausgang noch offen ist. Karstadt ist ein Bauklotz in dem Spiel, der am leichtesten bewegt werden kann. Der historische Teil steht unter Denkmalschutz, mindestens die Fassade bleibt also bestehen. Anders verhält es sich mit dem Anbau, er dürfte abgerissen werden, um die Obernstraße besser mit der künftigen City-Galerie zu verbinden. Das ist der Name, den Zech seinem Projekt gegeben hat.

Die Satelliten in dieser Entwicklung, wie es Christian Jacobs gesagt hat, sind der Lloydhof am Ansgarikirchhof, den der süddeutsche Projektentwickler Denkmalneu in diesem Jahr anpackt und zum „Lebendigen Haus“ umwandelt, einem Mix aus Wohnen, Gastronomie, Sport, Hotel und Dienstleistungen. In direkter Nachbarschaft wird die Hälfte des Bremer Carrée umgebaut und in den nächsten Monaten von neuen Mietern bezogen. Über die Bürgermeister-Smidt-Straße hinweg wartet das Sparkassengelände auf den großen Wurf. Verkauft ist es bereits, allerdings mit einer Rücktrittsklausel bis September. Die neuen Eigentümer werden im April ihren Plan für den Bau von vier Türmen vorstellen. Der höchste soll annähernd hundert Meter bekommen.

Für das Balge-Quartier wurde vor einigen Monaten der Anfang mit dem Abriss und Neuaufbau des Jacobs-Hauses in der Obernstraße gemacht. Es ist das Stammhaus der Bremer Kaffee-Dynastie. Hinzu genommen wird die historische Stadtwaage in der Langenstraße, das sogenannte Essighaus gleich daneben und zwei Jahre später auch das Kontorhaus am Markt. Jacobs will einen „Handlauf zur Weser“ organisieren, wie er das nennt. Die Innenstadt soll näher an den Fluss heranrücken. Helfen könnte dabei der Plan, die vierspurige Martinistraße zurückzubauen. Ein lang gehegtes Projekt des rot-grünen Senats, mit dem sich mittlerweile auch die Handelskammer anfreunden kann.

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