Vorstoß der Seniorenvertretung

Kaum genutzte Häuser klug teilen

Wo einst eine ganze Familie Platz fand, wohnt heute oft nur eine Person: In diesen Häusern könnte man neue Wohnungen schaffen, wenn man ältere Hausbesitzer beim Umbau unterstützt, glaubt die Seniorenvertretung.
16.11.2018, 05:09
Lesedauer: 3 Min
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Kaum genutzte Häuser klug teilen
Von Sara Sundermann

Viele ältere Bremerinnen und Bremer bewohnen ihr Haus allein – während gleichzeitig Wohnungsmangel herrscht. In diesen Häusern könnte mit relativ einfachen Mitteln neuer Wohnraum entstehen, wenn man sie so umbaut, dass darin zwei getrennte Wohnungen entstehen. Davon ist die Bremer Seniorenvertretung überzeugt. Sie fordert, dass die Stadt den Umbau solcher Häuser gezielt fördern und ältere Hausbesitzer dabei unterstützen sollte.

Irgendwann ziehen die Kinder aus, oft bewohnt dann eine Person allein ein Haus, in dem zuvor eine ganze Familie Platz fand. Wer die vertrauten vier Wände und die Nachbarschaft nicht verlassen mag, bleibt häufig so lange im eigenen Haus wohnen wie möglich – so beschreibt es die Seniorenvertretung. Die Folge: In den Bremer Quartieren, die von Reihenhäusern geprägt werden, schrumpfe die Zahl der Bewohner und die bewohnte Fläche nehme stark zu. Gleichzeitig herrsche akuter Wohnungsmangel. „Gerade in Bremen gibt es bedingt durch das Bremer Haus viele ältere Menschen, die ihre Häuser alleine bewohnen“, ist Dirk Mittermeier, Sprecher der Seniorenvertretung überzeugt. „Viele Wohnungen und Häuser sind mit geringem Aufwand teilbar – jetzt muss ein Signal aus der Politik kommen.“

Konkret schlagen die Senioren vor, die Stadt solle eine Beratungsstelle einrichten, die bei älteren Eigentümern dafür wirbt, ihr Haus umzubauen und ihnen bei der Umbauplanung zur Seite steht. Diese Stelle solle auch bei der Finanzierung helfen. Dafür solle der Senat Mittel aus dem Wohnungsbau-Förderprogramm bereitstellen. Geschaffen werden könnten insbesondere kleinere Wohnungen und Wohnraum für Studierende, zudem würden sozial stabile Quartiere gefördert. „Es ist möglich, Einliegerwohnungen zu schaffen und kluge Vereinbarungen mit den Mietern zu treffen, die das gemeinsame Leben erleichtern“, heißt es in dem Vorstoß.

„Wir halten das für eine begrüßenswerte Initiative“, sagt Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde. „Interessant ist das, aber wenn man das macht, muss man auch Anreize für die Hausbesitzer schaffen.“ Denn Rentner, die ein Haus besitzen, hätten nicht immer die Mittel, einen Umbau zu bezahlen, der leicht Beträge in mittlerer fünfstelliger Höhe kosten könne. Es habe in Bremen bereits Überlegungen gegeben, Ähnliches anzuschieben, was die Senioren nun fordern. Allerdings sei dies nicht vom Parlament beschlossen worden, so dass derzeit im Haushalt der Behörde keine Mittel dafür gebe. Stellen, an denen eine Beratung für Hauseigentümer angesiedelt sein könnte, gäbe es in Bremen, so Tittmann: zum Beispiel beim Verein Bauraum oder beim Förderlotsen der Bremer Aufbau-Bank.

Einer, der sich bereits vor mehreren Jahren zu Zeiten des großen Zuzugs von Flüchtlingen in 2015 und 2016 für ganz ähnliche Pläne eingesetzt hatte, ist Robert Bücking, baupolitischer Sprecher der Grünen. Damals hatte er eine Initiative dazu ins Parlament gebracht, die aber nicht durchkam. Die SPD habe den Vorstoß damals abgelehnt, sagt Bücking. Die Grünen würden sich aber weiter für die Schaffung von Wohnraum im Bestand einsetzen. „Wenn die Seniorenvertretung das jetzt fordert, werden wir das Thema noch mal neu aufgreifen“, so der Baupolitiker. Auch er fordert eine Beratungsstelle und zusätzlich ein Finanzierungsprogramm mit Zuschüssen für Hausbesitzer für den Umbau. „Es gibt in Bremen riesige Wohnpotenziale, die enorm schlecht genutzt sind“, sagt Bücking. Er schätzt, dass im Verlauf mehrerer Jahre zwischen 5000 und 10 000 Wohnungen durch den Umbau kaum genutzter Häuser entstehen könnten.

Angesiedelt sein könnte eine Beratungsstelle für ältere Hausbesitzer Bücking zufolge beim Verein Komfort in Walle, der zum Thema barrierefreies Wohnen berät. Diese Stelle hat auch die Seniorenvertretung im Blick: „Die ­Beratungsstelle Komfort hat schon ihre Bereitschaft signalisiert, da mitzumachen“, sagt Mittermeier.

In Bremen gibt es bereits ein Projekt, das auf anderem Weg mehr Wohnraum schaffen und zugleich ältere und jüngere Bewohner unter einem Dach zusammen bringen will: Die Initiative „Wohnen für Hilfe“. Dabei können Studierende bei älteren Menschen ein eigenes Zimmer beziehen und beispielsweise die Küche gemeinsam nutzen. Sie zahlen weniger Miete und übernehmen dafür in fest vereinbartem Umfang kleinere Hilfsarbeiten. Sie kaufen zum Beispiel für die Senioren ein oder mähen den Rasen.

Ein schönes Projekt, das idealerweise bereichernd für beide Seiten ist, aber bisher zu einer überschaubaren Zahl neuer Unterkünfte für Studierende führte: Insgesamt 20 Wohnpartnerschaften wurden laut dem Projektleiter auf diese Weise vermittelt, davon bestehen derzeit acht in der Stadt weiter.

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