Mit dem Rad zum Berlin Coffee Festival

Klimaneutrale Tour von Bremen nach Berlin

Thomas Riedel-Fricke ist Geschäftsführer von Slokoffie, einer Bremer Kaffee-Marke. Um zum Berlin Coffee Festival zu kommen, bleibt sich das Unternehmen treu.
27.08.2018, 19:51
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Klimaneutrale Tour von Bremen nach Berlin
Von Marlo Mintel

"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!" Diesen Schlachtfruf skandieren Fußball-Fans, die vom Einzug ihres Teams ins Pokalfinale träumen. Für Thomas Riedel-Fricke, 61, und Maik Hembluck, 54, ist die Fahrt in die Hauptstadt Realität. Ihr Ziel heißt aber nicht das Berliner Olympiastadion, sondern die Markthalle Neun, ein historisches Gebäude im Stadtteil Kreuzberg. Dort findet am Wochenende das Berlin Coffee Festival 2018 statt. Um in die Millionenstadt zu kommen, greift Unternehmer Riedel-Fricke nicht auf das Auto, den Bus oder Zug zurück. Er radelt – nicht alleine. Am Montag hat sich eine Gruppe von sechs Radfahrern auf dem Bremer Marktplatz getroffen, um sich gemeinsam auf den Weg zu machen.

Für Riedel-Fricke und Hembluck ist das Berlin Coffee Festival eine große Chance, auf sich aufmerksam zu machen, neue Kunden zu gewinnen. Die Geschäftspartner gründeten im Oktober 2016 eine Bremer Kaffee-Marke namens Slokoffie. Es verbindet die Worte Slo, abgeleitet vom englischen slow, das übersetzt langsam heißt, sowie Koffie (niederländisch für Kaffee). Das Besondere an ihrem Produkt: die Nachhaltigkeit. Der Kaffee stammt aus Honduras, dem zweitgrößten Land in Mittelamerika. Riedel-Fricke, gelernter Schifffahrtskaufmann, machte sich vor Ort selbst ein Bild: von den Arbeitsbedingungen und vom biologischen Anbau der Kaffeepflanzen. Der Deal war perfekt. Im April des vergangenen Jahres gelangten die Bio-Kaffeebohnen ausschließlich per Windkraft in die Überseestadt, an Bord des 44 Meter langen Segelschiffs "Avontuur". 90 Prozent des globalen Welthandels werden über Containerschiffe abgewickelt, die fast ausschließlich mit Schweröl betrieben werden, sagt Maik Hembluck, zugleich Besitzer des ersten Bio-Foodtrucks aus Bremen. "So geht der ökologische Wert dieser Produkte etwas verloren", bemängelt der Unternehmer. "Wir wollen aufzeigen, dass es auch alternativ geht – mit reiner Windenergie."

"Wir sind verdammt stolz, zum ersten Mal dabei zu sein"

Mit der klimaneutralen Radtour nach Berlin bleiben sich die Geschäftspartner treu. Auf einem elektrisch angetriebenen Lastenrad, mit dem sie üblicherweise ihre Kunden bedienen, samt Anhänger, tritt Thomas Riedel-Fricke die Reise an. Im Gepäck: 70 Kilogramm Kaffee. Das Berlin Coffee Festival kann kommen. Es ist keine Messe nur für das Fachpublikum. Alle Kaffeeliebhaber sind in der Markthalle Neun willkommen. Mit Vorträgen, Workshops und Verköstigungen präsentieren zahlreiche Röstereien ihre Produkte. "Wir sind verdammt stolz, zum ersten Mal dabei zu sein", sagt Thomas Riedel-Fricke. "Wir wollen den Berliner Kaffeemarkt in Angriff nehmen."

Lesen Sie auch

Noch muss geradelt werden. Mit dabei ist Ulrike Grupe. Sie blickt am Montagvormittag zum Himmel. Graue Wolken hängen über dem Marktplatz, es ist trocken. Zum Fahrradfahren sei das Wetter ideal, sagt sie. Ihr einziger Wunsch: „Zwei, drei Grad könnte es ruhig wärmer sein.“ Das Ziel des Trips ist ihr bestens bekannt. Die 59-Jährige kommt aus Berlin, ist extra aus der Hauptstadt angereist. „Da schließt sich der Kreis. Das passt.“ Sie liebt es, aufs Rad zu steigen. Grupe nimmt jährlich an etlichen Tagestouren teil, vorwiegend im Berliner Raum. Ausnahmen sind längere Trips. Über den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club ist Grupe auf die klimaneutrale Reise in die Hauptstadt aufmerksam geworden. Dass es bei der Tour vorwiegend um den Kaffeetransport geht, hat sie überrascht. „Ich habe das spät bemerkt. Ich dachte, Slokoffie sei in Anführungsstrichen ein Witzname.“

Tagesetappen von 70 bis 95 Kilometern

Ein Witz ist der Streckenverlauf nicht. Bis kommenden Sonnabend legen die Teilnehmer insgesamt 520 Kilometer auf ihren Rädern zurück. Die Tagesetappen sind zwischen 70 und 95 Kilometer lang. Am Montag fuhr die Gruppe nach Soltau, am Dienstag geht es weiter durch die Lüneburger Heide nach Göhrde. Dort nächtigt die Gruppe in einem Bio-Hotel. Tags darauf führt die Strecke über Hitzacker entlang des Elbe-Radwegs nach Wittenberge. Auf den Elbe-Radweg freut sich Grupe besonders. "Den wollte ich eh schon einmal fahren." Am Donnerstag sitzt sie wieder auf dem Sattel, wenn es in Richtung Havelland geht. Die letzte Etappe steht am Freitag an. Dann erreichen die Teilnehmer ihr Ziel – Berlin. Für die Unternehmer Riedel-Fricke und Hembluck wird es am Sonnabend dann auf dem Berlin Coffee Festival ernst. "Wir sind echt aufgeregt", sagt Hembluck, der am Freitag Richtung Hauptstadt aufbricht. "Schließlich ist das ein ganz großes Event."

Weitere Informationen

Auf der Internetseite slokoffie.de unter dem Reiter Blog hält Thomas Riedel-Fricke Interessierte über die Radtour auf dem Laufenden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+