E-Scooter in Bremen

Konkurrenz auf dem Radweg

Der altbekannte Tretroller kommt zurück, diesmal im modernen Gewand mit Elektroantrieb. Für die fahrradverrückten Bremer könnten die E-Scooter zur Konkurrenz werden.
25.02.2019, 19:18
Lesedauer: 3 Min
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Konkurrenz auf dem Radweg
Von Patrick Reichelt
Konkurrenz auf dem Radweg

Bald könnten die E-Scooter auch vermehrt durch Bremen flitzen.

Nicolas Armer /dpa

Das Wetterhoch „Frauke“ beschert uns frühlingshafte Temperaturen und viel Sonnenschein – beste Aussichten also für die vielen Fahrradfahrer, die sich jetzt wieder zahlreich auf die Bremer Radwege begeben. Doch schon bald droht ihnen dort Konkurrenz: Der altbekannte Tretroller kommt zurück, diesmal im modernen Gewand mit Elektromotor und Akku, kurz E-Scooter oder Kick-Scooter genannt.

Derzeit sind die elektrischen Tretroller in Deutschland verboten, spätestens im Sommer sollen sie aber auch hier zugelassen werden. Sie sind vor allem für die sogenannte „Last Mile“ gedacht, also für kürzere Wege, etwa von der Wohnung zur Bahn- oder Bushaltestelle oder vom Büro zum Einkaufen. „Alles, was dazu führt, dass die Leute weniger mit dem Auto fahren, ist erst einmal gut“, sagte Ralph Saxe, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen in Bremen. „Es darf aber nicht zulasten von Rad- oder Fußgängern gehen.“

Anbieter setzen auf Leihmodell

Die E-Scooter gehören zur Klasse der sogenannten Elektrokleinstfahrzeuge. Laut eines Entwurfes des Verkehrsministeriums von Andreas Scheuer (CSU) dürfen die E-Scooter künftig maximal 20 Kilometern pro Stunde fahren. Nur in Ausnahmefällen sollen sie auf der Straße fahren, in erster Linie aber auf dem Radweg. Hannah Simon vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Bremen hält das für keine gute Idee. „Wir brauchen komfortablere und breitere Radwege, damit dort zusätzlich auch E-Tretroller fahren können.“ Ähnlich sieht es Ralph Saxe: „Mit Pedelecs, Lastenrädern und normalen Fahrrädern ist dort ohnehin schon einiges los.“ Die E-Tretroller gehören für ihn auf die Straße.

Die E-Scooter gelten in der Branche als das nächste große Mobilitätsding. In vielen amerikanischen Städten, aber auch in Paris, Zürich oder London, verbreiten sie sich rasend schnell. Die Firmen setzten dabei auf das beliebte Sharing-Modell, wie es zum Beispiel auch beim WK-Bike des WESER-KURIER zum Einsatz kommt.

Die E-Scooter werden dabei überall in der Stadt verteilt. Der Kunde lädt sich eine App auf das Handy, die einen Tretroller in der Nähe ortet und auf Wunsch freischaltet. Anschließend fährt der Nutzer zu seinem Zielort und kann das Gefährt dort einfach stehen lassen. Über Nacht sammeln Mitarbeiter die Roller ein und laden die Akkus wieder auf. In Paris kostet die Fahrt einen Euro Grundgebühr plus 15 Cent pro Minute. Bezahlt wird über die Smartphone-App.

US-Marktführer testen bereits in Bamberg oder Berlin

Sobald die E-Scooter auch in Deutschland erlaubt sind, geht der Kampf um die Marktanteile los. Die beiden Marktführer in den USA, die Start-ups Bird und Lime, testen bereits in Städten wie Bamberg oder Berlin. Lime ist in Bremen ein alter Bekannter: Im vergangenen Jahr bot das Unternehmen Leihräder in der Hansestadt an, zog sich aber nach nur zwei Monaten wieder zurück.

Daneben stehen auch einige Firmen aus Deutschland in den Startlöchern, allen voran Mytaxi, ein Tochterunternehmen von Daimler. „Der E-Scooter-Markt ist sehr dynamisch, das Kundeninteresse steigt in vielen internationalen Großstädten rasant an“, sagte Mytaxi-Chef Eckart Diepenhorst. Die E-Tretroller könnten zur Lösung von innerstädtischer Verkehrsprobleme beitragen. „Dafür arbeiten wir gern mit den Behörden der Städte zusammen.“ Bremen ist allein schon aufgrund der Größe interessant für den Verleih von E-Scootern, sagte ein Sprecher von Mytaxi.

Sollten die E-Scooter auch vermehrt in die Hansestadt kommen, so müsste vor allem geregelt werden, wer die abgestellten Leihroller im Blick behält. In den USA und in Paris gab es vermehrt Ärger, weil sie überall herumlagen und Zugänge und Wege blockierten. Auch von gestiegenen Unfallzahlen und sogar Toten ist die Rede. „Eine innovative Verkehrspolitik muss sich auf Neuheiten einstellen“, sagte Ralph Saxe. Bei jüngeren Menschen gehe der Trend dahin, kein eigenes Auto mehr zu besitzen. „Wenn die E-Tretroller dazu beitragen, können sie gerne kommen.“

Info

Zur Sache

Mögliche Versicherungspflicht für E-Scooter

Ursprünglich war die Zulassung von E-Tretrollern bereits für Ende 2018 geplante, doch sie wurde immer wieder verschoben. Laut mehreren Medienberichten hat das Verkehrsministerium mittlerweile die Freigabe von E-Tretrollern und anderen Elektrokleinstfahrzeugen autorisiert.

Die Verordnung soll noch im Frühjahr an den Bundesrat weitergeleitet werden. Eine Helmpflicht oder ein Mofa-Prüfbescheinigung ist demnach nicht vorgesehen, die E-Tretroller müssen allerdings versichert werden. Zuvor hatte der Tüv eine mögliche Versicherungspflicht als Überregulierung kritisiert. Rechtlich wären die E-Tretroller dann Kraftfahrzeugen gleichgestellt und die Mitnahme im öffentlichen Personennahverkehr verboten. Ob sich die Regelungen noch ändern, wird sich spätestens bis zum Sommer klären.

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