Restaurantbesprechung

Küche 13: eine moderne Küche, die sich was traut

Die Küche 13 brilliert mit Gerichten, die der Gast selten so kombiniert erhält. Wer etwas Exklusives, Andersartiges, Ideenreiches probieren möchte, muss hier gewesen sein.
09.08.2018, 11:30
Lesedauer: 3 Min
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Küche 13: eine moderne Küche, die sich was traut
Von Marcel Auermann
Küche 13: eine moderne Küche, die sich was traut

Jan-Philip Iwersen erweist sich als Künstler hinterm Herd und entführt die Gäste in geschmackliche Welten, die sie so nicht überall bekommen.

Frank Thomas Koch

Ein Abend in der Küche 13 im Viertel bleibt dem Gast in Erinnerung. Weil der Koch etwas wagt. Hier gibt es Kombinationen, die man auf anderen Speisekarten vermisst – oder zumindest lange suchen muss. Hier experimentieren die Künstler hinterm Herd, sodass sie diesen Titel zurecht tragen. Und das alles kommt dem Gast zugute. Der erhält Gerichte mit vollmundigen Aromen, mit geschmacklichen Überraschungen und einer schönen Kreativität auf dem Teller.

Doch, die Küche 13 sticht aus der Mittelmäßigkeit vieler Restaurants heraus. Wer etwas Exklusives, Andersartiges, Ideenreiches probieren möchte, muss hier gewesen sein. Dabei vermuteten wir das bei der engen Bestuhlung, dem ordentlichen Lärmpegel in dem kleinen Lokal und der abgeschabten Tische anfangs so gar nicht.

Dieser Abend war eine einzige Überraschung, und wir konnten den Köchen in der offen gestalteten Küche beim leidenschaftlichen Hantieren zuschauen! Weil ich immer am liebsten von allem probiere, entschied ich mich für das Degustationsmenü für überaus faire 54 Euro. Und ich empfehle jedem diese sechs Gänge, weil man möglichst viele der Köstlichkeiten von Chef Jan-Philipp Iwersen gegessen haben sollte.

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Der Reigen startete mit Matjesfilet mit Beete, einer würzig gerösteten Chorizo, einem pikanten lila Senfschmand und einem bunten Wildkräutersalat, der so frisch schmeckte, dass ich glaubte, in frisch gemähtem Gras zu sitzen. Herrlich! Meine Begleitung wählte das fein säuerlich angemachte Ceviche vom Lachs (14 Euro). Dazu reichte die Küche grünen Spargel, Radieschen und – Achtung, der Clou – ein cremiges Möhren-Aprikoseneis. Das Gericht stellte eine Reise von sauer zu süß dar.

Ja, welche Geschmacksknospen Essen ansprechen kann! Wenn der Koch denn nur zu allem bereit ist … In der Küche 13 scheint man nichts zu scheuen. Meine zweite Vorspeise, ein kaltes Aprikosen-Tomaten-Joghurtsüppchen, zeigte das. Hier changierte das Mundgefühl von pikant über würzig bis lieblich. Der Ziegenfrischkäse und die Croûtons taten das Übrige, um diese Aromen zu unterstützen.

Mal davon abgesehen, dass ein kaltes Süppchen bei diesen Temperaturen wie gerufen kam. Wie für diesen Gang gemacht schmeckte der Grauburgunder (0,2 Liter für 6,90 Euro) vom Weingut Ziereisen aus dem badischen Efringen-Kirchen. Allein die goldgelbe Farbe deutete auf den Reifeprozess im Holzfass hin. Das volle, fruchtige Bouquet ließ die Zunge schnalzen.

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So langsam ärgerte sich meine Begleitung etwas, nicht ebenfalls das Degustationsmenü genommen zu haben. Unterdessen stand bei mir der dritte Gang auf dem Tisch: ein Steinpilzrisotto, das einen so wundervoll starken Geschmack hatte, als wären die Pilze eben erst frisch im Wald gepflückt worden. Der Zwiebellauch, der Parmesan und die Trüffelspäne machten aus diesem Zwischengericht eine Geschmackserfahrung, die man nicht so schnell vergisst.

Was für eine harmonisch abgestimmte Menüfolge. Der vierte Gang präsentierte Fisch. Das auf einer Seite herrlich kross angebratene Kabeljaufilet besaß einen saftigen Kern. Der Blattspinat und der Kartoffelstampf taten sich deshalb so wohltuend hervor, weil sie nicht lasch waren, wie es leider viel zu oft der Fall ist. Nein, die Köche würzten die Beilagen kräftig bis exakt an die richtige Grenze.

Natürlich enthielt auch dieser Gang etwas Besonderes, denn ohne geht es in der Küche 13 nicht. Die kandierten Tomaten und der Senfschaum brillierten als Geschmacksverstärker zum Fisch. Während ich also von einem geschmacklichen Höhepunkt nach dem anderen schwärmte, schaute meine Begleitung zu – und doch, ja, sie bekam dann und wann einen kleinen Probierlöffel ab.

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Zu meinem fünften Gang stieg mein Gegenüber schließlich wieder ein. Wir beide erhielten eine rosa gebratene Entenbrust (25 Euro), die nicht besser auf den Punkt hätte gebraten sein können. Die satt reduzierte Kirschsoße entfaltete eine geschmackliche Wucht. Daneben lagen köstliche, noch knackige Pfifferlinge und sehr geschmacksintensive, zweierlei Möhren. Was für ein runder Gang.

Zum Schluss gab es entweder Herzhaftes, Käse, oder Süßes. Wir entschieden uns für den Schokobrownie mit Vanillesoße und Himbeersorbet (8 Euro). Für mich hätte es allerdings den gehaltvollen Schokobrownie gar nicht gebraucht. Ich wäre allein mit der vierfachen Menge des Himbeersorbets zufrieden gewesen. Denn das glich einer Früchtebombe.

Fazit: Die Küche 13 brilliert mit ideenreichen Gerichten, die der Gast selten so kombiniert erhält. Weil alles köstlich zu sein scheint, sollten sich die Gäste stets für das Degustationsmenü entscheiden, um möglichst viel von diesen Geschmacksexplosionen probieren zu können. Kein Gang sticht dabei hervor, sondern alle erweisen sich als überaus köstliche Kompositionen.


Küche 13, Beim Steinernen Kreuz 13, 28203 Bremen, Telefon: 0421 20824721, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonnabend jeweils von 18 bis 1 Uhr, barrierefrei, Internet: www.kueche13.de

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