Ärger um Markthalle 8

Laute Partys in der Markthalle

Läuft das Konzept der Betreiber der Markthalle 8 nicht so rund, dass sie unbedingt auf späte Veranstaltungsformate zurückgreifen müssen? Diese Frage stellt sich den Anwohnern.
05.05.2019, 05:45
Lesedauer: 3 Min
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Laute Partys in der Markthalle
Von Sigrid Schuer
Laute Partys in der Markthalle

Anwohner kritisieren nicht die frühabendlichen Donnerstags-Konzert in der Markthalle 8, sondern die Umfunktionierung des Ortes zur Disco in den Abendstunden.

Roland Scheitz

Der Unmut ist bei den Anwohnern der Seemannstraße groß. Sie fühlen sich durch die Ausweitung der Veranstaltungsdichte in der benachbarten, nur wenige Meter entfernt liegenden Markthalle 8 deutlich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. „Wir leben im Gefängnis. Wir möchten einfach mal die Nächte wieder durchschlafen können,“ betonen sie. Darüber hinaus reklamierte eine Hausverwalterin auf der jüngsten Sitzung des Fach-Ausschusses Bau und Verkehr des Beirates Mitte nicht minder massive Einkommensausfälle.

Allein drei Mieter hätten in jüngster Zeit gekündigt, weil sie die störende, nächtliche Geräuschkulisse nicht mehr ertragen konnten. Darunter Menschen, die in Schicht arbeiten müssten oder junge Studierende, die lernen müssten und von denen sie gleich einen mitgebracht hatte.

Und das alles, obwohl sie gerade für die Innenstadt äußerst moderate Mietpreise von 7,20 Euro pro Quadratmeter anzubieten habe. Nicht jeder Mieter könne es sich da leisten, einfach woanders hinzuziehen. Insgesamt seien rund 41 Familien betroffen. „Eine Wohnung sollte doch schließlich ein Rückzugsraum sein“, unterstrich sie.

Für Beiratsmitglied Dirk Paulmann ist die Sache klar: Wenn das Markthallen-Konzept so gut laufen würde, dann müssten die Betreiber wohl nicht die nächtliche Party-Zone so ausweiten. Der CDU-Politiker steht von daher der Zustimmung des Beirates zu dem bereits deutlich veränderten Veranstaltungs-Konzept, dass die Betreiber vorgelegt haben, mit einer gehörigen Portion Skepsis gegenüber. Zumal Investor Thomas Stefes schon so manchen Winkelzug gemacht und somit einiges an Vertrauenswürdigkeit eingebüßt habe.

Die akribische Hausverwalterin

Die Hausverwalterin hat jedenfalls schon einmal bundesweit akribisch recherchiert und präsentierte nun die Ergebnisse: Markthallen gebe es allenfalls in alten Fabrik- und Fischhallen am Stadtrand, und zwar ohne musikalische Bespielung. Die Anwohner zeigten sich zudem über die 22 großen Müllbehälter verärgert, die unter ihren Fenstern stünden und erheblichen Lärm produzierten. Der SPD-Politiker Holger Ilgner gab sich eher milde gestimmt: Schließlich müsse sich das Markthallen-Konzept ja irgendwie wirtschaftlich tragen.

Die Mitglieder des Fachausschusses hatten bereits eine Kompromiss-Lösung ausgehandelt, da ihnen das Veranstaltungskonzept, das die Markthallen-Macher im November ursprünglich präsentiert hatten, deutlich zu weit ging. Die Kompromiss-Lösung beinhaltet nun folgende Punkte: Die üblichen Veranstaltungen sollen in der Markthalle um 22 Uhr enden. Zusätzliche Veranstaltungen mit Ausnahme-Charakter sollen auf 20 pro Jahr begrenzt werden. Diese dürften von nicht mehr als 400 Personen besucht werden und sollten um Mitternacht enden.

Was das allerdings bedeutet, haben die von Lärm und Musik dieser Disco-Formate geplagten Anwohner bereits erfahren müssen: Schließlich handele es sich bei der Markthalle um ein schlecht bis gar nicht isoliertes Büro-Gebäude aus den 1970er-Jahren, das lediglich von einer nicht schalldichten Kunststoff-Konstruktion überdacht sei. Bereits im März sollte zu dem modifizierten Veranstaltungs-Konzept ein Beschluss gefasst werden. Da allerdings einige der Ausschuss-Mitglieder zu diesem Zeitpunkt abwesend waren, stand auf der April-Sitzung nun eine erneute Abstimmung an. Die Beiratsmitglieder betonten, dass sie eigentlich die falsche Adresse für die Beschwerden seien.

Das Ortsamt als falsches Gremium

„Das ist Sache des Ordnungsamtes und der Polizei. Dafür sind wir hier das falsche Gremium. Wir haben keine Entscheidungsbefugnis. Außerdem hat das Bauordnungsamt das Konzept geprüft und genehmigt“, sagte Manuela Jagemann, die stellvertretende Ortsamtsleiterin. Darauf die Hausverwalterin: Sie habe bereits unzählige Male die Polizei und das Ordnungsamt gerufen, sei aber immer wieder vertröstet worden, dass momentan wegen anderer, wichtigerer Einsätze zu wenig Personal vor Ort sei. Und dann rutschte ihr etwas heraus, das sie ursprünglich gar nicht sagen wollte: Laut Polizei sei die Markthalle sowieso politisch gewollt.

Entsprechende Meldungen seitens der Polizei seien allerdings maßstabsetzend für den Ausschuss, betonte Matthias Rauch von den Linken, der selbst ein Café betreibt und von daher weiß, wie anstrengend es sein kann, Übertretungen registrieren zu lassen. Sein Vorschlag fand bei den anderen Fachausschuss-Mitgliedern Anklang und wurde als Ergänzung in den Beschluss aufgenommen.

Man solle das Veranstaltungs-Konzept zunächst auf ein Jahr befristen beziehungsweise nur unter Vorbehalt genehmigen und sehr genau beobachten, wie oft es zu Ruhestörungen käme. In der Markthalle seien bereits entsprechende Schall-Pegelmesser aufgestellt worden, deren Daten von Polizei und Ordnungsamt ausgewertet und den Mitgliedern des Fachausschusses übermittelt werden sollten.

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