Lernlücken wegen Corona

Bremer Elternbeirat fordert Unterricht am Wochenende

Nach Monaten im Distanzunterricht dürften bei einigen Schülern Lernlücken klaffen. Wie lassen sie sich schließen? Die Bildungsbehörde plant Angebote für Grundschüler. Dem Zentralelternbeirat reicht das nicht.
17.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremer Elternbeirat fordert Unterricht am Wochenende
Von Nico Schnurr

Das Bildungsressort will Lernangebote in den Oster- und Sommerferien schaffen, damit Grundschüler coronabedingte Rückstände aufholen können. Deutsch und Mathe sollen dabei im Vordergrund stehen. Der ergänzende Unterricht soll von externem Personal wie Lehramtsstudenten im Master geleitet werden und sich laut Behörde vor allem an Kinder richten, „die im Distanzunterricht nicht erreicht werden konnten, beziehungsweise die aufgrund der häuslichen Situation nicht konzentriert und selbstständig lernen konnten“. Derzeit prüft das Bildungsressort, ob ein ähnliches Angebot für Grundschüler auch an Samstagen zwischen den Ferien eingeführt werden könnte.

Dem Zentralelternbeirat (ZEB) Bremen gehen die Pläne nicht weit genug. ZEB-Vorstandssprecher Martin Stoevesandt spricht sich für eine Erhebung des Lernstandes an den Schulen aus. „Wir müssen wissen, wie groß der Scherbenhaufen ist, vor dem wir nach einem Jahr Corona stehen“, sagt Stoevesandt. „Es dürfte vor allem in den höheren Jahrgangsstufen ein Rückstand herrschen, der sich mit normalen Methoden nicht aufholen lässt.“

Lesen Sie auch

Stoevesandt fordert deshalb Unterricht an Samstag oder in den Osterferien, damit die höheren Jahrgangsstufen die verpassten Lerninhalte nachholen könnten. Der zusätzliche Unterricht dürfe allerdings nicht von externen Kräften geleitet werden, fordert der Vorstandssprecher: „Das müssen schon die Lehrer sein, die auch sonst da sind und daher wissen, wo die Lücken der Schüler sind.“

Die Debatte um Wochenendunterricht ist nicht neu, das Thema zieht sich durch die Pandemie. Im vergangenen Jahr hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) eine entsprechende Maßnahme in Betracht gezogen, um den Schulbetrieb zu entzerren. Nun, da die Schulen weiter geöffnet werden, gewinnt die Diskussion erneut an Fahrt.

Lernlücken mit Zusatzstunden schließen

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg schlägt „Ferienakademien oder Wochenendseminare“ vor. Katja Suding, stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, will Lernlücken mit „Zusatzstunden am Nachmittag oder Samstag“ schließen. Der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, fordert: „Die Kultusminister sollten für das Sommerhalbjahr Samstagsunterricht festlegen.“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht das anders. „Grundsätzlich sind zusätzliche Angebot eine gute Idee, aber wer soll das machen?“, sagt GEW-Landessprecherin Barbara Schüll. „Die Lehrkräfte, die sonst da sind, können das nicht auch noch leisten.“ Viele Lehrer gingen „seit Monaten extrem über Grenzen“, die meisten überschritten ihre Arbeitszeit schon jetzt, weil sie ein doppeltes Angebot vorbereiten müssten, Präsenzunterricht und digitale Alternativen. „Die Lehrkräfte leisten derzeit eine enorme Mehrarbeit“, sagt Schüll, „wir dürfen es nicht übertreiben, sonst fällt uns demnächst reihenweise Lehrpersonal aus.“

Lesen Sie auch

ZEB-Vorstandssprecher Stoevesandt will das nicht gelten lassen. „Mein Mitgefühl mit den Lehrern ist überschaubar, es ist für alle keine einfache Situation“, sagt er. „Wer systemrelevant sein will, der muss sich auch so verhalten und in dieser Krisenzeit noch eine Schippe drauflegen.“

Nicht die Lösung des Problems

Kritik am verpflichtenden Wochenendunterricht kommt auch von Schülern. Man müsse über coronabedingte Lernlücken sprechen, aber Unterricht am Samstag könne nicht die Lösung des Problems sein, sagt etwa Marie Graffstedt, Schulsprecherin des Gymnasiums an der Hamburger Straße.

„Durch den Hybridunterricht haben viele das Gefühl, nicht mehr richtig abschalten zu können“, betont die Schülerin. „Das Zuhause als Erholungsort ist nicht mehr gegeben, und Hobbys zum Abschalten finden zu großen Teilen nicht statt.“ Oft bekämen die Schüler auch über das Wochenende Hausaufgaben auf und nutzten die Tage, um für Klausuren zu lernen, sagt Graffstedt: „Unterricht am Samstag würde den Stresslevel der Schülerinnen und Schüler nur weiter erhöhen.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+