Interview über LED-Beleuchtung

Lohse: „Bremen rüstet schon seit 20 Jahren um“

Bremen ist momentan nicht in der Lage, die Straßenbeleuchtung komplett auf LED-Technik umzustellen, sagt Bausenator Joachim Lohse. Das sei aber auch nicht nötig, da die Laternen stetig erneuert worden sind.
21.11.2018, 06:30
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Lohse: „Bremen rüstet schon seit 20 Jahren um“
Von Silke Hellwig
Lohse: „Bremen rüstet schon seit 20 Jahren um“

Weyhe kann nicht als leuchtendes Beispiel für die LED-Umrüstung in Bremen herhalten, sagt Bau- und Umweltsenator Joachim Lohse. Dafür wurde in Bremen in den vergangenen Jahren schon zu viel getan, dazu zählen die Umstellung auf Öko-Strom und Energiesparleuchtmittel.

Christina Kuhaupt

Herr Lohse, es sieht ganz danach aus, als ob sich das Thema LED-Beleuchtung zum Wahlkampfthema mausern würde. Die CDU hat es jedenfalls auch aufgegriffen und will die architektonischen Attraktionen Bremens intensiver erstrahlen lassen. Was halten Sie davon?

Joachim Lohse: Man hat den Eindruck, dass sich plötzlich alle Parteien Gedanken über Bremens Beleuchtung machen und nach Ideen suchen. So bewerte ich auch den Vorstoß des CDU-Abgeordneten Claas Rohmeyer zur Innenstadt.

Ist sein Vorschlag unterstützenswert?

Ich habe den Eindruck, dass die Innenstadt ausreichend beleuchtet ist. Das gilt auch für die Fassaden am Marktplatz, das Rathaus, den Schütting und die Bürgerschaft. Der Roland wird nicht angestrahlt, das stimmt. Darüber kann man vielleicht nachdenken. Aber dauerhaft eine Festbeleuchtung wie zur Eröffnung des Musikfests einzurichten, wäre in meinen Augen eine immense Energieverschwendung.

Ein Umstieg auf LED-Beleuchtung gilt als effizient und klimafreundlich. In Bremen verfügt bislang nur ein kleiner Bruchteil der Lampen über LED-Technik. Die Gemeinden Stuhr und Weyhe werden buchstäblich als leuchtende Beispiele für eine Umrüstung dargestellt. Warum kann Bremen nicht, was diese Kommunen können?

Weil die Voraussetzungen ganz andere sind, und das betrifft nicht nur die Größe der Gemeinden und damit die Anzahl der Lichtpunkte: Bremen ist schon seit 20 Jahren dabei, seine Leuchten umzurüsten, anders als Weyhe. In Weyhe wurde offenbar von uralter auf moderne Technik umgerüstet, deshalb wird diese Umstellung auch vom Bund finanziell gefördert. In Bremen wurden die Leuchten schrittweise, aber permanent erneuert. Das heißt, dass in Bremen drei Viertel der Energieersparnisse, die Weyhe jetzt mit einem Schritt erreicht, schon längst erzielt werden. Der Effizienzsprung in Bremen wäre damit deutlich kleiner. 60-Watt-Lampen gibt es in Bremen kaum noch, hier stehen vor allem 26-Watt-Laternen. Das heißt, dass die Energiekosteneinsparung auch bei Weitem nicht so hoch ausfallen würde.

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Und wie sieht es mit der Klimafreundlichkeit der Mehrzahl der Leuchten in Bremen aus?

Die Lampen werden seit Jahren zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben, wir würden also auch die CO2-Bilanz nicht gravierend verbessern, wenn wir in ganz Bremen auf LED umstellen würden.

Das heißt, es gibt keinen Grund zur Eile, was das Umrüsten betrifft?

Es wäre schön, wenn überall in Bremen moderne LED-Technik eingesetzt wäre, weil diese Laternen noch sparsamer sind. Deshalb ist unsere Strategie, die Leuchten kontinuierlich und stetig zu erneuern und jeweils auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. In den nächsten fünf bis sechs Jahren werden rund 10 000 LED-Leuchten hinzukommen. Aber die Entwicklung in dieser Technologie bleibt nicht stehen. Es kann gut sein, dass es bald noch bessere, noch saubere und noch effizientere Leuchten gibt, die wir dann einbauen können. Langen bei Bremerhaven hat früh auf LED-Technik umgerüstet und jetzt Schwierigkeiten, für die manche der damalig aktuellen Modelle Ersatzteile zu bekommen. Das sollten wir nicht riskieren.

Bremen ist zudem an einen Vertrag mit der SWB gebunden, in dem auch der Umfang der Modernisierungen geregelt ist.

Richtig. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 20 Jahren. Er endet im Jahr 2024. Als er geschlossen wurde, gab es noch gar keine LED-Leuchten, das konnte auch niemand vorhersehen. Der Vertrag sieht Modernisierungen in einem gewissen Umfang vor. Würde die Stadt darüber hinaus Forderungen stellen, müsste ein Zusatzvertrag geschlossen werden. Bei einem Investitionsvolumen von rund 30 Millionen Euro – das ist die Summe, die uns ein komplettes Umrüsten auf LED in etwa kosten würde – müssten die Maßnahmen europaweit ausgeschrieben werden. Man könnte sie also nicht einfach der SWB übertragen. Man kann überlegen, ob man in einem neuen Vertrag ab 2024 eine Öffnungsklausel einbaut, die solche Schritte ermöglicht. Aber mit dem aktuellen Vertrag ist ein beliebiges Ausweiten der Leistungen unmöglich.

Weiß das alles Andreas Bovenschulte von der SPD nicht? Er plädiert schließlich dafür, dass Bremen schneller umrüstet.

Das kann ich nicht beurteilen. Aber festzustellen ist, dass die SPD Klimaschutz- und Energieeffizienz-Themen in den vergangenen Jahren nicht sonderlich ernst genommen hat. Offenbar gibt es nun einen Versuch, ökologisches Profil zurückzugewinnen. Das LED-Beleuchtungsthema scheint mir ein untauglicher Versuch zu sein, dies auch in Bremen voranzubringen.

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Andere vermuten, dass die SPD nach Wegen sucht, die SWB und ihre Aufgaben langfristig zu rekommunalisieren. Bovenschultes Vorstoß könnte als eine der Begründungen dazu dienen.

Ich habe mich mit Herrn Bovenschulte dazu bislang nicht ausgetauscht. Was eine Rekommunalisierung betrifft, muss man genau überlegen, welche Geister man damit ruft, das sieht man gerade bei der Abfallentsorgung. Wir sind in den vergangenen Jahren gut mit der SWB gefahren, und Bremen steht sehr gut da, was die Energieeffizienz der Straßenbeleuchtung betrifft. Ich sehe keinen Anlass, an unserer bisherigen Strategie etwas zu ändern.

Aber es ist schon praktisch, dass die SWB die Beleuchtung vor dem Hauptbahnhof auf eigene Kosten erneuert hat, oder? Wenn ich Sie richtig verstanden habe, hätte Bremen das aus vertraglichen Gründen gar nicht bewerkstelligen können.

Das stimmt. Wir sind mit der neuen Beleuchtung sehr zufrieden. Allerdings weniger wegen der Energieeinsparung als wegen sicherheitsrelevanter Aspekte. Das Engagement der SWB ist uns hochwillkommen, wir haben es auch eng begleitet.

Das Gespräch führte Silke Hellwig.

Info

Zur Person

Joachim Lohse ist seit 2011 Senator für Umwelt, Bau und Verkehr. Zuvor war er Dezernent für Verkehr, Umwelt, Stadtentwicklung und Bauen in Kassel. Der Grüne hat angekündigt, sich mit der Wahl 2019 aus dem Amt zurückzuziehen.

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