Einzelhandelsverband über hochwertige Läden

„Segment könnte schon besser vertreten sein“

Bremen verliert wieder ein Geschäft mit einem hochwertigen Angebot. Jan König vom Einzelhandelsverband Nordwest sagt im Interview mit dem WESER-KURIER, wie sehr die Ladenmiete die Fixkosten belastet.
15.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Segment könnte schon besser vertreten sein“
Von Lisa Boekhoff
„Segment könnte schon besser vertreten sein“

Jan König vom Einzelhandelsverband Nordwest sagt im Interview, welche Belastung die Mieter derzeit für die Ladenbesitzer bedeutet, und welche Möglichkeiten es da gibt.

Torsten Spinti
Im Fall von L'uomo sind sich Händler und Vermieter nicht einig geworden. Gibt es derzeit häufiger Probleme bei der Miete – oder genauso ein Entgegenkommen der Eigentümer?

Jan König: Die Miete ist neben dem Personal und dem Wareneinkauf einer der höchsten regelmäßigen Kosten. Es gab und gibt großen Unmut, weil viele Vermieter zunächst nicht bereit waren, wegen des Lockdowns und der Umsatzeinbußen zu reduzieren. Auf der anderen Seite gab es Vermieter, die das relativ schnell gemacht haben. Das Bild ist also sehr gemischt. Vermieter vor Ort haben noch einen gewissen Lokalpatriotismus und kennen die Mieter in der Regel persönlich. Da gab es weniger Probleme. Größere Vermieter waren teils nicht greifbar, man konnte nicht so schnell in Verhandlungen treten. Unsere Empfehlung war: Wendet euch an die Vermieter, denn wir haben eine Situation, in der wir vom Wegfall der Geschäftsgrundlage sprechen können. Wir haben davor gewarnt, wie ein großer Sportartikelhersteller einfach nicht mehr zu bezahlen.

Nachfolger sind sicher schwer zu finden.

Ja, die Vermieter können auch eins und eins zusammenzählen. Wenn sie ihren Mieter verlieren, kriegen sie vielleicht zu den Bedingungen keinen neuen Mieter. Deswegen ist man auf die Sorgen auch eingegangen. Der Handelsverband Deutschland und der Zentrale Immobilien Ausschuss haben einen Verhaltenskodex vereinbart, dass die Last nicht nur der Mieter tragen kann. Bestandteil war etwa, dass es unter bestimmten Voraussetzungen eine Halbierung der Miete für die Zeit des Lockdowns gibt.

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Leerstand ist in Bremen schon länger ein Problem. Wie sieht es in Oldenburg aus?

Dort hat die Stadt ebenfalls mit Leerständen zu kämpfen. Aber in der Heiligengeiststraße zum Beispiel beginnt sich nun etwas zu ändern, doch dort entstehen in erster Linie Dienstleistungen und weniger Handel.

In der Straße ist Saturn vor Jahren weggezogen. Der Weggang hat Frequenz gekostet.

Das war vielleicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Es gab vorher aber schon Probleme. Die Veränderungen im Einzelhandel waren dort recht früh zu spüren. Wenn dann noch ein Ankermieter weggeht, ist das nicht gut für so eine Straße in der Randlage der Innenstadt, die durch den Heiligengeistwall abgeschnitten wird. Corona beschleunigt den Strukturwandel nur noch, was wir gerade im Textileinzelhandel schmerzhaft spüren. Er macht uns die größten Sorgen. Textilien werden zwar weiterhin gekauft, doch das Geschäft verschiebt sich zum Onlinehandel. Die Lager im stationären Handel sind dagegen derzeit voll. Und die Sommerware verliert leider jeden Tag mehr an Wert.

Oldenburg galt hier oft als Vorbild – wegen der kleinen Gassen und Geschäfte. Denken Sie, dass die Stadt besser durch die Krise kommt als Bremen? Hier hat es schon vorher viele Baustellen gegeben.

Bezogen auf die Innenstadt könnte das so sein. Die inhabergeführten Geschäfte in der Menge machen den Unterschied zu Bremen. Die städtebauliche Situation ist zudem ganz anders. Und in Bremen haben wir andere Größenverhältnisse und Dimensionen auch bei den Gebäuden. Der berühmte Rundlauf fehlt hier immer noch. In der Innenstadt muss man jetzt aktiv werden. Wenn man sich überlegt, wie lange Investoren wie Herr Zech ihre Pläne schon vorstellen... Es hat sich einfach nichts getan. Und jetzt gibt es so einen Knall wegen Corona. Klar, gibt es viele objektive Gründe, aber Politik und Verwaltung hätten sicher mehr Unterstützung leisten können. Das rächt sich. Jetzt kommt es doppelt.

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L'uomo verkauft Designerkleidung. In Bremen ist das Angebot dafür überschaubar. Fehlte der Luxus in der Hansestadt? Wegen der Größe?

Das Segment könnte schon besser vertreten sein. Ob es die Größe unserer Stadt ist? Wie Christian Jacobs sagt: Bremen ist die größte Stadt zwischen Hamburg und Amsterdam. Von daher ist der Handelsstandort auch für dieses Segment durchaus interessant. Größe ist aber relativ, denn auch auf Sylt finden sich die Anbieter. Bei hochpreisigen Waren muss natürlich auch die entsprechende Käuferschicht Interesse daran haben, in die Stadt zu kommen. Dafür gibt es ja Chancen in der Innenstadtentwicklung.

Das Gespräch führte Lisa Boekhoff.

Info

Zur Person

Jan König ist seit fünf Jahren der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest und vertritt in dieser Funktion die Interessen des Handels in Oldenburg, Bremen und vielen Landkreisen in Niedersachsen.

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