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Warum ein Bremer Unternehmer nachhaltige Reinigungsmittel produziert

Der Bremer Unternehmer Philipp von der Heide hat mit Cleaneroo ein Reinigungsmittel auf den Markt gebracht, welches ohne Chemie auskommt. Und er arbeitet an weiteren Ideen.
22.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Warum ein Bremer Unternehmer nachhaltige Reinigungsmittel produziert
Von Pascal Faltermann

Zwei, drei Hübe reichen, um den Sprühnebel auf dem Spiegel zu verteilen. Philipp von der Heide nimmt ein Mikrofasertuch in die Hand, wischt ein paar Mal über die Fingerabdrücke und Zahnpasta-Reste auf der Glasscheibe und wartet. Die leichte, zurückgebliebene Feuchtigkeit trocknet, der Film schwindet. Der Wandspiegel wird nach und nach klarer und bleibt streifenfrei. Der 45-jährige Unternehmer dreht sich um und sagt grinsend: „Oberflächen kann man ganz ohne Chemie, ohne Alkohol, Farb- oder Duftstoffe reinigen.“ Um das zu verdeutlichen, sprüht er sich die Flüssigkeit aus der Flasche selbst in den Mund. Schluckt sie runter.

Was der Bremer vorführt, könnte gut und gerne als Szene in einem Teleshopping-Werbespot laufen. Es handelt sich um das Reinigungsmittel Cleaneroo, das der Bremer und sein Cousin Rudolf Zimmermann mit einem Start-up zusammen auf den Markt gebracht haben.

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17 Jahre lang arbeitete Philipp von der Heide für die Sparkasse Bremen, verließ das Finanzinstitut 2011 im Guten und stieg als Geschäftsführer bei der Bremer Firma Adler Facility Services ein. 2015 folgte der Wechsel zum mittelständischen Gebäudereinigungsunternehmen Dextra FM, welches sich mit 350 Mitarbeitern an den Standorten Bremen und Bremerhaven um Instandhaltung und Reinigung von Immobilien kümmert.

Als der 45-jährige Familienvater nach Jahren seinen Cousin wieder traf, entstand am Lagerfeuer die Idee für ein Reinigungsmittel, welches umweltfreundlich und ressourcenschonend sein soll. „Jedes Jahr gelangen 480.000 Tonnen Chemie durch den Einsatz von Reinigern in privaten Haushalten in die Umwelt. Das belastet die Kläranlagen und die Umwelt. Das wollen wir verringern“, sagt von der Heide.

„Streifenfrei mit der Kraft der Physik“

Die Lösung der beiden Firmengründer: Hochreines, entmineralisiertes Wasser, das keinerlei Salze, Ionen und Mineralien mehr enthält. Doch warum funktioniert das bei der Reinigung? „Wasser hat ein Gedächtnis“, sagt von der Heide. Weil in der Flüssigkeit keine Mineralien mehr enthalten seien, ziehe sich das Wasser diese Stoffe, wenn es auf Flächen aufgebracht werde. Der sonst im Wasser enthaltene Kalk verbleibe also nicht mehr auf Oberflächen. „Mit der Kraft der Physik bleiben wasserbeständige Flächen wie Fenster, Bildschirme oder Badarmaturen damit also streifenfrei“, so der Unternehmer. Und Cleaneroo sei damit ein komplett nachhaltiges Reinigungsmittel. Es sei antiallergisch und vollkommen ungiftig. „Im Prinzip sogar vegan“, sagt von der Heide.

Aus diesem Grund könne man die Flüssigkeit zum Beispiel auch zum Reinigen von Fleisch- oder Käsetheken einsetzen. Oft habe er beobachtet, wie bei Bäckern oder in Supermärkten die Glasverkleidungen mit herkömmlichen Glasreinigern gesäubert werden. Dabei gelangten über den Sprühnebel die chemischen Inhaltsstoffe auch auf die Lebensmittel. Auch bei der Anwendung selbst gelange die Chemie in die Atemwege und damit in den Körper und belaste die Gesundheit. „Meine Mitarbeiter setzen Cleaneroo ein und sagen mir, dass sie damit sogar schneller sind“, so von der Heide. Er habe zudem festgestellt, dass seine Kollegen weniger Atemwegserkrankungen hätten. Der Grund: Der Reiniger enthalte keine Farbe, Bitterstoffe, Alkohol oder Tenside, ein Spülmittel, um die Oberflächenspannung einer Flüssigkeit herabzusetzen.

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Wichtig sei, dass Cleaneroo mit einem Mikrofasertuch angewendet werde, weil dieses wesentlich mehr Abrieb habe (80 bis 85 Prozent) als ein Baumwolltuch (30 bis 35 Prozent). Klar sei aber auch, dass das entmineralisierte Wasser nicht desinfizierend sei und aus diesem Grund nicht im WC-Bereich eingesetzt werden könne. Auch einen Fett-Reiniger könne das Mittel nicht ersetzen. Hier hat das Produkt also Grenzen.

Das Start-up, das seinen Firmensitz noch in Berlin hat, die Produktion aber in Bremen, hat veröffentlichte Sicherheitsdatenblätter ausgewertet. „Das hat ergeben, dass sogar Bio-Reiniger Stoffe enthalten, die Augenschäden und Hautreizungen auslösen, beim Verschlucken gesundheitsgefährdend sind oder sogar leicht entzündbar sind“, sagt von der Heide. All das sei bei Cleaneroo nicht der Fall.

So nachhaltig wie möglich

Um möglichst nachhaltig zu sein, gibt es den Reiniger in einer Flasche aus Green PE, einem Kunststoff, der aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird und CO2-neutral sein soll. „Das ist mir wichtig, weil Deutschland eine so geringe Recyclingquote hat“, sagt von der Heide. Die Aufkleber auf den Flaschen seien aus biologisch abbaubaren Folien, der Sprühkopf sei wesentlich länger haltbar als die Gebräuchlichen. Fast schon selbstverständlich sei es, dass es Nachfüller für die Flaschen gebe.

Das Ziel der beiden Unternehmer ist es, die Firma und die Produkte so nachhaltig wie möglich zu machen. Dabei erfolge auch immer eine Abwägung von Nachhaltigkeit und Nutzen sowie Langlebigkeit und Leistungsfähigkeit.

Cleaneroo sei mit dem Siegel NCP (Nature Care Product) ausgezeichnet worden. Dabei handelt es sich um eine Produktzertifizierung für Naturartikel. Zudem werde an weiteren Verbesserungen gearbeitet. „Mit einem Konsortium und dem Fraunhofer-Institut haben wir ein Forschungsprojekt für eine biologisch abbaubare Plastikflasche begonnen“, sagt Philipp von der Heide.

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