Marktplatzplaudereien

Rico ist Mitarbeiter des Monats

Politiker sind auch nur Menschen. In unseren Marktplatzplaudereien greifen wir die kleinen, bunten Geschichten aus dem Politik- und Behördenalltag auf – Randnotizen, die für den Papierkorb zu schade sind.
16.05.2020, 04:03
Lesedauer: 2 Min
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Rico ist Mitarbeiter des Monats
Von Jürgen Theiner

Dank an Rico

Es gibt noch Dankbarkeit auf dieser Welt. Das durften jetzt die Mitarbeiter der Bremer Aufbau-Bank erfahren, die im Auftrag der Wirtschaftsbehörde Corona-Soforthilfen an Kleinbetriebe überweisen. Ein Empfänger dieser Zuschüsse rief eigens in der Behörde an. Er wolle gern Rico sprechen, um sich mal ganz persönlich und von Herzen dafür zu bedanken, dass dieser Sachbearbeiter die Auszahlung des Geldes so unbürokratisch in die Wege geleitet habe. Rico? Mit diesem Namen konnte zunächst niemand etwas anfangen. Dann dämmerte es. Rico schreibt sich eigentlich Ricoh und ist ein Laserdrucker. Der höfliche Zuschussempfänger hatte die Kennung des Geräteherstellers auf dem amtlichen Schreiben für den Vornamen des Behördenmitarbeiters gehalten.

Danke für nichts

Post aus Frankfurt am Main ist Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) vor wenigen Tagen auf den Schreibtisch geflattert. Absender war Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL). Er wolle sich „sehr herzlich“ für die Mitwirkung an der Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz vom 6. Mai bedanken, den Spielbetrieb in der 1. und 2. Bundesliga wieder zuzulassen. „Sie ermöglichen dadurch die Rückkehr von Tausenden von Menschen an ihren Arbeitsplatz und für einige Clubs tatsächlich das wirtschaftliche Überleben“, fuhr Seifert fort. Die Deutsche Fußball Liga werde das Bestmögliche tun, um dem gewährten Vertrauen gerecht zu werden. Dass Seifert ausgerechnet Bovenschulte wärmstens dankt, ist ein bisschen kurios. Der Bürgermeister war nämlich alles andere als die treibende Kraft bei der Entscheidung der Ministerpräsidenten. Eher das Gegenteil. Was soll's, Seiferts Schreiben ist wahrscheinlich gleichlautend an alle Länderregierungschefs gegangen. Und ein paar freundliche Sätze können dem sonst so angespannten Verhältnis zwischen Bremen und der DFL nur guttun.

Dank zum Abschied

Jetzt ist er endgültig kein Bremer mehr: Joachim Lohse, bis Sommer 2019 grüner Umweltsenator, hat nach neun Jahren seine Zelte an der Weser abgebrochen, um in seine Heimatstadt Hamburg zurückzukehren. Zum Abschied gab es eine kleine Feier für die Nachbarn in der Oberhofer Straße. Vor seinem Haus hatte Lohse Mülleimer zu Cocktail-Tischchen umfunktioniert, an denen sich die Gäste in coronamäßigem Zwei-Meter-Abstand gruppierten. „Die haben mir ein tolles, irisches Ständchen gebracht und mich dann genötigt, meine Gitarre rauszuholen und ,La Paloma‘ zu singen“, sagt der 61-Jährige. Die Bremer Zeit möchte er nicht missen. „Wenn es immer schon eine Stadt außer Hamburg gab, in der ich gerne leben wollte, dann hier.“

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