Es werde Licht Mehr Beleuchtung in der Bremer Innenstadt

Die CDU-Fraktion fordert, die historische Architektur in der Bremer Altstadt attraktiver zu beleuchten – und bekommt für das Projekt Zuspruch auch aus anderen Parteien.
19.11.2018, 05:18
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Mehr Beleuchtung in der Bremer Innenstadt
Von Jonas Mielke

Abends stehe der Roland im Dunkeln, sagt Claas Rohmeyer (CDU). „Zappenduster ist es da.“ Das will der Bürgerschaftsabgeordnete nun ändern. Ein Lichtkonzept für die Bremer Altstadt mit LED-Leuchten, die der Architektur auch ohne Tageslicht Glanz verleihen, so stellt Rohmeyer sich das vor. Und so hat er es auch in einen Antrag geschrieben, den die CDU-Fraktion in die Bürgerschaft einbringen will. In einer der kommenden Sitzungen soll darüber abgestimmt werden.

Die stromsparenden LED-Leuchten sind in den vergangenen Monaten immer wieder Teil unterschiedlichster politischer Vorhaben gewesen: Die FDP forderte Licht in dunkle Ecken zu bringen, um sogenannte Angsträume in der Stadt zu verhindern. Anfang November wurde am Hauptbahnhof die neue LED-Beleuchtung eingeschaltet. Und in der Nachbargemeinde Weyhe lässt Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) die Straßenlaternen umrüsten: Diese Art der Beleuchtung sei zukunftsfähiger und die Gemeinde spare nach der Investition jedes Jahr bares Geld.

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Rohmeyer, der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, überlegt nun, was die LED-Leuchten für die Kultur in der Stadt bringen könnten. „Welchen Mehrwert eine ansprechende Beleuchtung kulturhistorischer Bauwerke hat, beweist Jahr für Jahr das Musikfest Bremen, wenn zum Auftakt des Festivals für klassische Musik der komplette Marktplatz hell erstrahlt“, so steht es im Antrag der CDU. Titel: Bremens Altstadt auch abends ins beste Licht rücken. „Die Aufenthaltsqualität nach Geschäftsschluss ist in der Innenstadt sehr gering“, sagt Rohmeyer. Eine ansprechende Beleuchtung der kulturellen Wahrzeichen soll das ändern. Dabei geht es um die Gebäude im Bereich Liebfrauenkirchhof, Domshof, Marktplatz, Grasmarkt und Domsheide, so steht es in seinem Papier.

Finanzierung könnte schwierig werden

Auch andere Fraktionen in der Bremer Bürgerschaft können Rohmeyers Antrag einiges abgewinnen. Matthias Koch, Pressesprecher der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft, sagt, dass seine Partei die Pläne Rohmeyers generell positiv sehe. „Nur die Finanzierung, wie sie die CDU-Fraktion sich vorstellt, könnte schwierig werden“, sagt Koch.

Der CDU-Antrag sieht vor, das Lichtkonzept sowie die neuen Lampen aus der Tourismusabgabe, also der sogenannten City-Tax, zu bezahlen. Zusätzlich hofft Rohmeyer, die privaten Gebäudeeigentümer in der Bremer Altstadt miteinzubeziehen, etwa die Kirche und den Besitzer des Gebäudes, in dem Manufactum seinen Sitz hat. Wieviel Geld es kosten würde, von einer Agentur ein Lichtkonzept erstellen zu lassen und danach umzusetzen, kann Rohmeyer noch nicht genau beziffern.

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Zuspruch bekommt der CDU-Antrag auch von Lencke Steiner. „Ich finde die Idee klasse“, sagt die FDP-Fraktionschefin. Sie glaubt, dass man mehr Wertschätzung und auch Stolz entwickeln könne, wenn die Gebäude attraktiv angestrahlt würden. Das sei in anderen Städten auch so. Rohmeyer sieht das ähnlich, andere Orte seien Bremen voraus. In seinem Antrag heißt es: „Während Städte wie Dresden Kultur-Highlights mit aufwendigen Lichtinstallationen groß in Szene setzen, sieht es in der Hansestadt ab Dämmerungsbeginn düster aus.“

Grüne sorgen sich um Energieverbrauch und Tierschutz

Die Fraktion der Grünen werde den Antrag erst noch beraten, sagt Nima Pirooznia, Sprecher für Kulturpolitik in der Bürgerschaftsfraktion der Grünen. „Das Marktplatz-Ensemble ist sicherlich ein Pfund, mit dem Bremen wuchern kann“, sagt er. Aber es müsse abgewogen werden, ob der zusätzliche Energieverbrauch und die Gefährdung von Insekten durch dauerhafte Beleuchtung in der abends und nachts eher unbelebten Altstadt gerechtfertigt seien.

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Rohmeyer findet dagegen, dass sei ein Problem wie bei Henne und Ei: Vielleicht wäre mehr los, wenn die Altstadt attraktiver ausgeleuchtet wäre.

Deutliche Kritik am Vorhaben der CDU äußert indes Miriam Strunge von den Linken. „Dieser Antrag zeigt, dass sich die CDU nicht mit den wirklichen Problemen in der bremischen Kulturlandschaft auseinandersetzt“, sagt die kulturpolitische Sprecherin. Kultureinrichtungen stärken, mehr Pädagoginnen in Museen, Projektmittel für die freie Szene – so sei das Geld besser investiert. „Wir können gerne darüber sprechen, inwieweit die City-Tax wieder für Kultur in Bremen zur Verfügung gestellt wird“, sagt Strunge. „Wir sollten sie aber nicht in aufwendigen Lichtinstallationen nach CDU-Vorschlag versenken. Das hilft weder der Kultur noch dem Tourismus.“

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