Deutschsprachiger Indie Pop

Konfeddi: Mucke made in Bremen

Eigentlich wollte die Bremer Band Konfeddi gerade richtig durchstarten. Jetzt wurde sie wie alle anderen vom Coronavirus gebremst. Also hoffen die Musiker auf die zweite Jahreshälfte.
26.03.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Konfeddi: Mucke made in Bremen
Von Alexandra Knief
Konfeddi: Mucke made in Bremen

Chris Richter (von links), Raphael Heimel (vorne), Cedric Busch, Jermaine Greene und Florian Luckas sind Konfeddi.

Christian Wasenmüller

Eigentlich würden die fünf Jungs von Konfeddi gerade in ihrem Probe- und Aufnahmestudio stehen und Demotapes aufnehmen. Eigentlich. Stattdessen sitzen Sänger Jermaine Greene und Gitarrist Raphael Heimel im Viertel in ihrer gemeinsamen Wohnung am Küchentisch. Vor ihnen liegt ein auf Lautsprecher gestelltes Handy. Pressetermin mal anders.

Die anderen Bandmitglieder – Gitarrist Cedric Busch, Bassist Chris Richter und Schlagzeuger Florian Luckas – sind nicht dabei. Vorsichtsmaßnahme. Im Hintergrund hört man nur das leise Klappern eines weiteren WG-Kollegen, der sich gerade etwas zu essen macht. Das ist das Stichwort für Heimel: „Wir suchen zum ersten Mai auch noch einen Mitbewohner“, wirft er schnell ein. Aus der Band könne es niemand sein. Begründung: „Die haben leider alle schon Wohnungen.“

Erst einmal keine Proben

Gemeinsame Proben wird es in nächster Zeit nicht geben. Das Corona-Virus hat der Bremer Band einen Strich durch ihre Planungen gemacht. So wie jedem anderen Musiker im Land auch. Ihr Probe- und Aufnahmeraum ist zu, die ersten geplanten Auftritte sind abgesagt. Eigentlich wollten Konfeddi dieses Jahr richtig durchstarten. Unter anderem war eine neue EP in Arbeit. „Außerdem hatten wir 15 bis 20 Auftritte geplant“, sagt Greene. „Jetzt sind wir froh, wenn wir am Ende noch fünf haben.“ Aber eines wollen die Musiker gleich zu Beginn klarstellen: Der Schutz vor weiteren Infektionen stehe aktuell an erster Stelle. Alles andere sei erst einmal unwichtig.

Konfeddi trifft die Krise nicht so hart wie viele andere Musiker. Sie alle gehen hauptberuflich noch anderen Jobs fernab der Musik nach oder studieren. Große Pläne hatten sie trotzdem. Für April war die Teilnahme am Finale des Wettbewerbs Plattbeats in Hamburg geplant. Dabei handelt es sich um einen Contest, bei dem Amateurmusiker mit einem selbst geschriebenen Song in plattdeutscher Sprache ins Rennen gehen. „Un du danzt“ heißt der Beitrag der Bremer, der davon handelt, die Nächte durchzufeiern. Aber weil das fürs Erste höchstens mit den Mitbewohnern im heimischen Wohnzimmer geht, wurde der Wettbewerb auf September verschoben.

Eine Internetromanze

Wer von ihnen Plattdeutsch spricht? Keiner, geben Konfeddi zu. Man habe ihnen dabei helfen müssen, ihren Songtext aus dem Hochdeutschen zu übersetzen. Für Sänger Greene sei es anfangs eine Herausforderung gewesen, auf Platt zu singen. Jemand habe ihm den Text auf Band vorgesprochen, damit er beim Singen auch alles richtig ausspricht. Wochenlang habe er in der WG den Text rauf und runter gesungen. „Wir haben viel gelacht“, sagt er.

Kennengelernt haben die fünf Bremer sich 2016. „Wir sind eine Internetromanze“ sagt Heimel. Zusammengefunden haben sie über das Schwarze Brett. „Da sich keiner vorher kannte, mussten wir erst mal eine Zeit zusammen spielen und erste Songs schreiben. Wir haben das erste Jahr genutzt, um uns selber zu finden“, erinnert sich Greene. Schnell war man sich einig, dass man Indie-Mucke machen wolle. Auf Deutsch. Die erste EP mit dem Titel „Zwischen Pfandflaschen und Lichterketten“ erschien im März 2018. „Als wir die ersten Reviews bekommen haben, hieß es: Popmusik und ein leichter Hang zum Schlager“, sagt Greene und fügt mit einem Lachen hinzu: „Das hat uns hart getroffen.“

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Also habe man geschaut, woran man noch arbeiten könne; Konfeddi haben mehr Sprechgesang eingebracht und den Gitarren ein kräftigeres Klangbild gegeben. Letztes Jahr folgte mit „Polaroid“ eine neue Single der fünf Bremer. Die, da ist man sich einig, schon mal zeige, wohin die musikalische Reise der Band in Zukunft gehen solle. „Wir wollen tanzbare Musik machen; wir wollen auf Festivals, die über die Jahre größer werden“, sagt Greene.

Die persönlichen Highlights

Einige größere Auftritte hatten Konfeddi bereits. Zu den persönlichen Highlights der Band zählt ihre Teilnahme am „Live in Bremen“-Contest mit Konzert auf der Breminale und der Auftritt auf dem Weihnachtsmarkt im Kliemannsland 2018. Vergangenes Jahr machten Konfeddi auf sich aufmerksam, als sie mit ihrem Song „Tanzen“ ins Rennen um die neue Torhymne der deutschen Fußballnationalmannschaft gingen, einem Wettbewerb des DFB-Fanclubs. Dort spielten sie bei der Abstimmung trotz Außenseiterstatus zwischenzeitlich ganz oben mit, für den Sieg reichte es am Ende dann aber doch nicht.

Sollte sich die Lage in den kommenden Wochen und Monaten wieder entspannen, will die Band in diesem Jahr nach wie vor ihre neue EP herausbringen. Und bis dahin? „Suchen wir noch einen neuen Mitbewohner“, erinnert Heimel noch einmal. Der muss sich aber wohl darauf einstellen, dass Greene weiterhin durch die Wohnung läuft und dabei lauthals auf Plattdeutsch singt. Ganz ohne Proben geht es schließlich auch nicht.

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