Kultur

Multimediales Konzerterlebnis für die ganze Familie

Einmal die selbsterfundenen multimedialen Geschichten auf die Bühne der „Glocke“ zu bringen, dieser Traum von Kindern und Jugendlichen geht nun in Erfüllung.
24.10.2018, 10:00
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Multimediales Konzerterlebnis für die ganze Familie
Von Sigrid Schuer

Daniel Finkernagel hat schon so manches Wunder in Konzerthäusern erlebt. „Da gehen kleine Mädchen auf die Bühne, moderieren einen Abend lang und wenn sie die Bühne wieder verlassen, tun sie das als gereifte Persönlichkeiten. Oft können sie selbst kaum glauben, was sie da gemacht haben“, hat das Universaltalent oft genug festgestellt. Solch ein ermutigendes Erlebnis könne ein ganzes Leben verändern, sagt er.

Finkernagel arbeitet als Film-Regisseur, Bühnen-Coach, Musikjournalist und Medientrainer, unter anderem für die Berliner Philharmoniker. So hat er auch mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen bereits einen Film über die Geschichte von Dvoraks Sinfonie aus der „Neuen Welt“ gedreht. Das von ihm konzipierte, ganz spezielle, multimediale Konzertformat, das für die ganze Familie gedacht ist, hat er bereits in verschiedenen, renommierten Konzerthäusern erprobt.

Nun ist es in Kooperation mit „Rhapsody in School“, der von dem Pianisten Lars Vogt gegründeten, hochrangigen Musik-Vermittlungs-Initiative, am Donnerstag, 25. Oktober, um 19 Uhr, erstmals auch in der Glocke zu erleben. Der Clou dabei: Rund 15 Kinder und Jugendliche der St.-Johannis-Schule im Alter zwischen zehn und 15 Jahren arbeiten dabei auf Augenhöhe mit erwachsenen Profi-Musikern zusammen. Sie agieren als ihre eigenen Drehbuchschreiber, Film-Regisseure, Produzenten und stellen ihr eigenes Schauspieler-Team.

Daniel Finkernagel legt viel Wert darauf, dass er lediglich als Impulsgeber und Ermutiger für die kreativen Aktionen fungiert, die die Kinder und Jugendlichen selbstständig erarbeiten. „Ziel ist es, dass sie lernen, ihre eigenen Ideen zu entdecken und in Kunst umzusetzen, also ihre eigenen Geschichten zu erzählen“, erläutert Finkernagel. Normalerweise besuchen sonst bei „Rhapsody in School“ hochtalentierte junge Klassik-Stars wie etwa Alexander Krichel, die mit einem der beiden, großen Bremer Sinfonie-Orchester in der Glocke konzertieren, Schulklassen, um sich den Fragen der Kinder zu stellen. Das ist jedoch bei diesem Projekt ganz anders, bei dem das Orchester „Sinfonia Concertante“, das schon zahlreiche Benefizkonzerte gegeben hat, erstmals mit „Rhapsody in School“ zusammenarbeitet.

Rodrigo Blumenstock, Dirigent des 2003 gegründeten Orchesters „Sinfonia Concertante“, das sich aus Musikern der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und ambitionierten Amateur-Musikern zusammensetzt, hat passgenau für das multimediale Projekt unter dem Titel „Die Petrouchka-Akte“ zwei ebenso ambitionierte Musik-Stücke ausgewählt: Das Klavierkonzert G-Dur von Maurice Ravel, interpretiert von dem jungen, talentierten Pianisten Martin Klett und die von Igor Strawinsky komponierte Ballettmusik „Petrouchka“, die im Juni 1911 im Pariser Theatre du Chatelet uraufgeführt wurde.

„Es ist eine unglaublich farbige, abwechslungsreiche Musik, die fast schon Krimi-Potenzial hat. Gleiches gilt für die klingende Collage von Ravel. Das sind schon tolle Werke“, betont Rodrigo Blumenstock, der hauptberuflich Solo-Oboist bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ist. Beide Musik-Stücke besäßen einen zirkushaften Charakter, der sich vorzüglich dafür eigne, daraus eigene multimediale Szenen zu spinnen. So habe eine Schülerin bereits angekündigt, in dem Klavierkonzert G-Dur den Komponisten Maurice Ravel verkörpern zu wollen. Zudem passe der „Petrouchka“-Stoff, die Jahrmarkts-Geschichte vom Spaßmacher, der sich in eine zierliche Ballerina verliebt und schließlich von seinem Rivalen umgebracht wird, zu Bremens fünfter Jahreszeit, dem Freimarkt.

Hier ließen sich mit Sicherheit auch einige Film-Szenen drehen, ist sich Rodrigo Blumenstock sicher. „Natürlich geht es auch darum, den Konzert-Ritus, den alten Dampfer klassische Musik, neu zu beleben. Und das gelingt am besten, indem Kinder und Jugendliche Gleichaltrigen Musik und Inhalte nahe bringen“, betont Daniel Finkernagel. Auch, wenn ab Montag für drei Tage die Zeit, die für die intensiven Workshops bis zur Uraufführung bleibt, knapp wird, sind Finkernagel und Blumenstock nach einem ersten, zweistündigen Treffen mit den Kindern und Jugendlichen überzeugt: „Das wird ganz wunderbar!“ Aber das Ganze bleibe natürlich auch eine Wahnsinns-Herausforderung.

Tickets für „Die Petrouchka-Akte“ am 25. Oktober, 19 Uhr, in der Glocke sind an der Kasse unter Telefon 33 66 99 oder www.rhapsody-in-school.de zu haben. Preise für Familien: Kinder sieben, Erwachsene 14 Euro. Schulklassen pro Teilnehmer sieben Euro.

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