Studie aus der Weserburg

Museum stellt Erkenntnisse aus neuem Bezahlmodell vor

Im Dezember testete das Museum Weserburg ein Bezahlmodell, bei dem sich der Eintrittspreis aus der Dauer des Aufenthalts berechnet. Nun hat das Museum die aus dem Experiment gewonnenen Erkenntnisse vorgestellt.
10.01.2020, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Museum stellt Erkenntnisse aus neuem Bezahlmodell vor
Von Alexandra Knief
Museum stellt Erkenntnisse aus neuem Bezahlmodell vor

Im Dezember zahlten die Besucher der Weserburg einen Euro pro zehn Minuten Aufenthalt im Museum anstelle der festgelegten neun Euro für ein Tagesticket. Laut Tom Schößler von der Weserburg wurde das Angebot sehr gut angenommen.

WESERBURG

Tom Schößler, Kaufmännische Geschäftsleitung des Museum Weserburg, kennt das Problem: Man ist unterwegs zum Zug, zu einem Termin oder einer Verabredung und hat noch eine Dreiviertelstunde Zeit zu überbrücken. Man könnte mal schnell ins Museum gucken – die laufende Ausstellung klingt ja ganz interessant. Aber den vollen Tagespreis zahlen, wenn man nur so wenig Zeit hat? Das macht man dann in der Regel doch nicht.

Um genau für solche Situationen Abhilfe zu schaffen, aber auch all den Museumsbesuchern entgegenzukommen, die aus anderen Gründen nur mal kurz gucken wollen, hat die Weserburg im Dezember vier Wochen lang ein Modell getestet, bei dem die Besucher nach der Dauer ihres Aufenthalts bezahlen: Zehn Minuten kosten einen Euro, wer länger als 90 Minuten im Museum bleibt, zahlt allerdings nicht mehr als den normalen Tagespreis von neun Euro.

Sowohl die Zahl der Besucher als auch der Erlöse durch Eintrittsgelder sind gestiegen.

Sowohl die Zahl der Besucher als auch der Erlöse durch Eintrittsgelder sind gestiegen.

Foto: Weserburg - Museum für moderne Kunst

Rund zweieinhalb Wochen nach Ende der Testphase hat das Museum nun die Erkenntnisse aus seinem Bezahl-Experiment und einer damit einhergehenden Besucherbefragung vorgestellt. Eines stellt Schößler schon einmal vorweg klar: „Ich bin sehr zufrieden, das Projekt ist ein schöner Erfolg.“

Mehr Besucher, kaum Einbußen

Im Vergleich zu 2018 konnte das Museum die Zahl seiner Besucher im Testzeitraum um 42 Prozent steigern (434/615 Einzeltickets; vom Eintritt befreite Personen, Führungsteilnehmer und Veranstaltungsbesucher wurden nicht gezählt). Und auch beim Umsatz verzeichnete die Weserburg kaum Einbußen – auch, wenn die Besucher durchschnittlich 5,55 Euro anstelle der regulären neun Euro zahlten. Lediglich drei Prozent weniger Einnahmen als im Vorjahr generierte das Museum im Testzeitraum. Vergleicht man den Umsatz mit den durchschnittlichen Zahlen aus der Adventszeit der vergangenen fünf Jahre, liegen die Einnahmen sogar 28 Prozent über dem Schnitt.

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Knapp die Hälfte der Befragten wusste vor ihrem Weserburg-Ausflug von der Aktion. Vierzig Prozent von ihnen gaben an, dass das Projekt mit ein Grund für ihren Besuch war. Fast jeder zehnte betonte sogar, extra wegen der Aktion ins Museum gegangen zu sein.

Grundsätzlich kommen viele Menschen in die Weserburg, die das Museum nur selten besuchen (84 Prozent). Während der Testphase gaben sogar 94 Prozent der Befragten an, erst zum ersten/zweiten Mal in 2019 eine Ausstellung auf dem Teerhof angeschaut zu haben. Die reguläre Besucherstruktur (mittleres Alter, museumsaffin, gebildet) hat sich während des Experimentes nicht verändert.

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Besucher fühlten sich nicht gehetzt

Kritiker des Experiments fürchteten im Vorfeld, dass es die Menschen dazu bringen könnte, sich weniger Zeit für die Kunstrezeption zu nehmen. Tom Schößler kann beruhigen: Nur drei Besucher gaben bei der Befragung an, dass sie sich durch das Eintrittsmodell gehetzt gefühlt haben. „Die Aktion hat nicht signifikant die Auseinandersetzung mit der Kunst vermindert“, kommentiert er. Zwar verbrachten die Besucher im Testzeitraum im Schnitt eine Viertelstunde weniger im Museum, „mit durchschnittlich 67 Minuten Verweildauer haben die Leute sich aber immer noch viel Zeit genommen,“ so Schößler. Jeder fünfte blieb länger als 90 Minuten, nur jeder zehnte Besucher verließ das Museum nach einer halben Stunde oder weniger. Erhebungen vor und nach der Testphase ergaben eine durchschnittliche Besuchszeit von 83 Minuten.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass das Bezahlmodell die Wahrnehmung der Preisfairness bei den Besuchern gesteigert hat. Fast dreiviertel der Befragten betonten, dass Sie den Preis, den sie für ihren Aufenthalt bezahlt haben, angemessen fanden. „Das zeigt uns, das die Menschen durchaus bereit sind, für ihren Besuch im Museum Geld zu bezahlen“, sagt Museumsdirektorin Janneke de Vries. Es müsse also nicht immer das Modell voller oder freier Eintritt sein, „es gibt auch gute Ansätze zwischen ganz oder gar nicht“.

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Foto: Weserburg - Museum für moderne Kunst

Zweiter Test im März

Aber ist „pay as you go“ ein Konzept, das man auch dauerhaft in der Weserburg etablieren könnte? Viele der Befragten gaben zumindest an, dass sie häufiger kommen würden, würde der flexible Eintritt dauerhaft eingesetzt. Außerdem sagten mehr Besucher als bei Befragungen vor und nach der Testphase, dass sie das Museum weiterempfehlen würden. Allerdings, betont Tom Schößler, bieten die Erkenntnisse aus dem Experiment zum aktuellen Zeitpunkt natürlich nur eine „kleine Stichprobe“, aus der man noch keine Schlüsse darüber ziehen könne, wie ein flexibles Bezahlmodell langfristig angenommen werden würde.

Dennoch sei das Interesse an den Ergebnissen des Tests bei Museumskollegen auch außerhalb der Stadtgrenzen sehr groß, sagt Schößler. Um noch weitere Erkenntnisse zu gewinnen, plant die Weserburg, das Projekt im März zu wiederholen. „Das ist noch einmal eine andere Jahreszeit, außerdem wird dann gerade die Schau in der dritten Etage umgebaut, wir haben also eine andere Ausstellungssituation“, so Schößler. Zudem könne man so herausfinden, ob die Leute, die im ersten Testzeitraum im Museum waren, erneut vorbeischauen.

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