Nabu ruft dazu auf, tote oder kranke Vögel zu melden

Mysteriöses Blaumeisen-Sterben - tote Vögel auch in Bremen

Die ersten Fälle wurden im März bekannt, seither hat sich in der Vogelwelt eine offenbar hoch ansteckende Krankheit verbreitet. Betroffen sind vor allem Blaumeisen - auch in Bremen wurden tot Vögel gemeldet.
19.04.2020, 06:56
Lesedauer: 2 Min
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Mysteriöses Blaumeisen-Sterben - tote Vögel auch in Bremen
Von Frank Hethey
Mysteriöses Blaumeisen-Sterben - tote Vögel auch in Bremen

Schlechtes Zeichen: Diese aufgeplusterte Blaumeise ist von der neuen, bislang unbekannten Krankheit befallen.

Schaefer/Nabu

Während die Corona-Pandemie die Menschheit in Atem hält, grassiert neuerdings auch in der Vogelwelt eine bislang unbekannte, offenbar hoch ansteckende Krankheit: Betroffen sind vor allem Blaumeisen, bis jetzt sind bundesweit mehr als 8000 tote oder kranke Tiere gemeldet worden. „Aus Bremen sind bisher zum Glück erst 33 Meldungen eingegangen“, sagt Florian Scheiba, Vogelschutzexperte des Naturschutzbundes (Nabu) Bremen. Anders dagegen die Situation im niedersächsischen Umland. Besonders viele Fälle wurden in den Landkreisen Oldenburg und Ammerland gezählt.

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Erkrankte Vögel reagieren nicht mehr auf ihre Umwelt, apathisch und aufgeplustert sitzen sie auf dem Boden. Nähern sich Menschen, werden keine Fluchtversuche unternommen. Oft scheint es, als würden die Tiere unter Atemproblemen leiden. Augen, Schnabel und Teile des Federkleids sind laut Nabu häufig verklebt. Die Tiere nehmen kein Futter mehr auf und können anscheinend nicht mehr schlucken. „Manche Meisen wirken, als hätten sie unstillbaren Durst“, heißt es vom Nabu.

Die ersten Fälle seien im März in Rheinland-Pfalz und Hessen aufgetreten. Aus diesen beiden Ländern wie auch aus dem südlichen Nordrhein-Westfalen kämen derzeit die meisten Meldungen. Um mehr über die Ursachen und die Verbreitung der Krankheit zu erfahren, ruft der Nabu dazu auf, kranke oder tote Meisen zu melden. „Wir bitten darum, die Futterstelle und den Garten besonders im Blick zu haben“, so Scheiba.

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Nach Möglichkeit sollen auch Fotos oder Proben übermittelt werden. „Entscheidend ist jetzt, den Krankheitserreger schnell zu identifizieren“, betont Scheiba. „Daher müssen tote Tiere von Experten untersucht werden.“ Ein gerade erst gestorbener Vogel sollte – ohne ihn mit der bloßen Hand zu berühren – luftdicht verpackt an das zuständige Kreisveterinäramt verschickt werden.

Bislang liegen keine Labordiagnosen zum Auslöser vor. „Corona ist es jedenfalls nicht, das wurde schon getestet“, sagt der Vogelschutzexperte. Einige Eigenschaften der neuen Krankheitswelle passten jedoch zu einer bakteriellen Infektion, die bei verschiedenen Meisenarten in Großbritannien zu Lungenentzündungen geführt hat. Diese für Menschen ungefährliche Krankheit sei seit 2018 in geringem Ausmaß auch in Deutschland nachgewiesen worden.

„Social Distancing“ für Vögel

Die meisten auffälligen Tiere wurden dort gefunden, wo die meisten zusammenkommen: in der Nähe von Vogelfütterungen. Wenn mehr als ein kranker Vogel an einer Futterstelle oder Tränke auftaucht, rät der Nabu zu einer Art „Social Distancing“ für Vögel – jegliche Fürsorge sollte sofort eingestellt werden. „Für mindestens vier Wochen“, sagt Scheiba. Gut gereinigt mit heißem Wasser, aber nicht mit Reinigungsmitteln, könnten die Gefäße danach wieder verwendet werden.

Nicht ganz so prekär, aber ernster als in Bremen, stellt sich die Lage in den Landkreisen Osterholz, Verden und Nienburg/Weser dar. Für die auffallende Häufung der Fälle hat Scheiba keine plausible Erklärung parat. „Vielleicht ist es dort nur früher aufgefallen, vielleicht wurden die Fälle früher gemeldet.“ Aus ganz Niedersachsen seien bislang 1200 Meldungen eingegangen. Einen wirklich stichhaltigen Überblick erwartet Scheiba, wenn die Zahlen der großen Vogelzählung im Mai vorliegen. „Dann wird sich zeigen, wie groß die Verluste sind.“

Weitere Informationen

Kranke oder tote Meisen können unter www.nabu.de/meisensterben gemeldet werden.

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