Sönke Hofmann ist 25 Jahre Bremer Nabu-Chef

Ein kantiger Typ für die Öko-Lobby

Der Bremer Naturschutzbund existiert seit 25 Jahren, genauso lang führt Sönke Hofmann schon die Geschäfte. Der 50-Jährige gilt als jemand, der kompromisslos die Interessen der Ökologie vertritt.
18.06.2020, 05:00
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Ein kantiger Typ für die Öko-Lobby
Von Jürgen Theiner

Der Mann geht keinem Konflikt aus dem Weg. Die Bremer Baubehörde, die Agrarlobby, konservative Kreise in der Forstwirtschaft – wenn jemand Sönke Hofmann querkommt, dann gibt es Zoff. Das heißt aber auch: Die 7400 Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) in Bremen und Bremerhaven haben einen sehr entschiedenen Sachwalter ihrer Interessen – und das schon seit 25 Jahren.

Nach seinem forstwirtschaftlichen Studium hatte der gebürtige Bremer 1995 eine ABM-Stelle beim niedersächsischen Nabu angetreten. Konkrete Aufgabenstellung: die Gründung eines eigenen Bremer Landesverbandes. Hofmann hob ihn aus der Taufe und baute die Strukturen auf, zwei Jahre später wurde er auch formell Geschäftsführer. Damals residierte der Nabu an der noblen Contrescarpe, „allerdings in einem Kellerloch, praktische Arbeit in der Natur war da natürlich nicht möglich“, erinnert sich Hofmann.

Erst 2013 sollte sich an diesem Zustand etwas ändern. Unverhofft erbte der Bremer Nabu damals ein drei Hektar großes Gärtnereigelände in Sebaldsbrück. „Wir konnten es zuerst gar nicht glauben“, sagt Hofmann. Aber dann eröffnete der Immobilienbesitz den Naturschützern eine ganz neue Perspektive für die Vereinstätigkeit. Sie rissen die maroden Gewächshäuser ab und gestalteten die Fläche Schritt für Schritt zu dem um, was es heute ist: ein kleines Öko-Paradies mit Streuobstwiesen, Wald, Anbauflächen für Feldfrüchte und Ziergarten.

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Die Naturverbundenheit war Sönke Hofmann zwar nicht in die Wiege gelegt, aber sie reifte früh in Kindheitstagen. Auf einem Waldgrundstück bei Wulsbüttel besaßen seine Eltern ein kleines Wochenendhaus. Dort ging’s regelmäßig mit der Familie hin. „Als Junge habe ich mich da natürlich manchmal auch gelangweilt. Aber weil es keine Ablenkung durch Computerspiele oder Handys gab, bin ich viel allein in der Natur gewesen. Es gab gar keine andere Möglichkeit“, blickt Hofmann zurück.

Die Natur habe ihn nach und nach in ihren Bann geschlagen. „Ich dachte: Hey, hier kann ich ganz viel machen. Hier piept’s, hier pfeift’s, hier ist was los.“ Die schönsten und die schlimmsten Erinnerungen seiner Kindheit verbinden sich mit Erkundungstouren im Grünen. „Einmal habe ich aus Neugier mit einem Stock an einem Mehlschwalbennest rumgestochert, das unter einer Brücke hing. Plötzlich fiel es herunter und schwamm weg, mitsamt der Jungvögel. Ich hatte tagelang riesige Schuldgefühle.“

Spätestens als Jugendlichem war Sönke Hofmann klar, dass ein reiner Schreibtischjob nichts für ihn wäre. Gärtner oder etwas in der Richtung kam infrage. Beim Blättern in einer Broschüre des Arbeitsamtes stieß er auf das Berufsbild Forstingenieur. Das konnte man ja mal in Angriff nehmen. Schon die Oberstufenzeit verbrachte Sönke Hofmann deshalb an der Fachoberschule für Forstwirtschaft in Uelzen, in Göttingen schloss sich dann das Studium an. Die Förstergilde selbst schreckte ihn aber eher ab. „Das Milieu war mir einfach zu konservativ“, bekennt Hofmann. Ihm schwebte eine aktive Betätigung im Naturschutz als Beruf vor. Aber wie stellte man das an?

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Wie oft im Leben half der Zufall nach. Wilhelm Bode, damals Chef der saarländischen Landesforsten und als „Forstrebell“ bundesweit bekannt, wurde auf einen kritischen ­Artikel aufmerksam, den Sönke Hofmann in einer Gewerkschaftszeitung über die Zustände an der Uelzener Fachoberschule veröffentlicht hatte. „Bode sprach mich an und holte mich zum Nabu-Bundesverband, zunächst auf ehrenamtlicher Basis“, beschreibt Hofmann den entscheidenden Schritt.

Über die Fachgruppenarbeit konnte er sich profilieren und ­erhielt schließlich die Chance, in Bremen hauptberuflich für den Naturschutzbund ­tätig zu werden. 25 Jahre nach der Gründung des Landesverbandes ist der Bremer Nabu als ökologische Institution nicht mehr wegzudenken. Das Gelände in Sebaldsbrück wandelt sich weiter, und nach einem zwischenzeitlichen, coronabedingten Stopp kommt auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie Gruppen aus dem Stadtteil wieder in Gang.

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Ein großes Ärgernis bleibt allerdings das stockende Projekt „Gewächshauscafé“. Seit zwei Jahren versucht der Nabu für ein Bestandsgebäude eine Umbaugenehmigung zu erwirken. Bisher ohne Erfolg. Sönke Hofmann reicht es jetzt: „Die sind auf Verhinderung aus“, schimpft er in Richtung Baubehörde. Immer wieder seien von dort zusätzliche Unterlagen angefordert worden, bewegt habe sich allerdings nichts. Vor zwei Wochen legte er deshalb eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen die zuständigen Akteure in der Bauverwaltung ein.

Der 50-Jährige kann robust auftreten. Das weiß man auch bei der Landwirtschaftslobby. Im Herbst vergangenen Jahres war dort die Empörung groß, als Hofmann hochrangige Agrar-Funktionäre wie den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, als „Verbrecher“ bezeichnete, „die Millionen abzocken“. Für den Bremischen Landwirtschaftsverband war damit das Tischtuch endgültig zerschnitten. Sönke Hofmann bereut seine Aussage allerdings nicht, wenn man ihn auf die Episode anspricht. „Wir Menschen leben von und mit Emotionen, und dann kommt so was auch mal vor“, findet der Nabu-Chef. „Ich kann es auch ab, wenn jemand in gleicher Weise zurückkantet.“

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